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Archiv für November, 2008

Interview mit Bundespräsident Host Köhler

25. November 2008 Keine Kommentare

Bundespräsident Horst Köhler besuchte auf Einladung von Ministerpräsident Kurt Beck vom 16.-18. November 2008 Rheinland-Pfalz.
Gemeinsam mit seiner Ehefrau Eva Luise nahm er an offiziellen Terminen in Ahrweiler, Windhagen, Mainz, auf der Burg Eltz und auf dem Flughafen Hahn teil, wo sich Köhler gegenüber Saar-Report in einem Pressestatement u.a. zu den Themen aktuelle Finanzkrise und die politische Bedeutung Deutschlands in Europa äußerte.

Dieter J. Maier:

Herr Bundespräsident, wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft von Rheinland-Pfalz für die kommenden Jahre?

Bundespräsident H. Köhler:

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Foto: Dieter J. Maier

In Rheinland-Pfalz haben sich in den vergangenen Jahren neue Märkte mit ausreichender Zukunftsperspektive für Handel und Industrie erschlossen, die in den kommenden Jahren gerade mittelständischen Unternehmen eine wirtschaftliche Sicherheit und Zukunft bieten können. In meinen Gesprächen mit Ministerpräsident Kurt Beck habe ich zu meiner großen Freude erfahren, dass in Rheinland-Pfalz vor allem in Verkehrsinfrastruktur, Technologien sowie in die Automobilindustrie und in den Maschinenbau investiert wird. Der Bedarf ist diesbezüglich sehr groß und die wirtschaftlichen Möglichkeiten sind besonders für deutsche Unternehmen hier sehr günstig. Natürlich hat die gegenwärtige Finanzkrise auch in Deutschland tiefe Spuren hinterlassen, aber ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass alles getan wird, um die wirtschaftlichen Komplikationen in unserem Land schnellstmöglich in den Griff zu bekommen.

Dieter J. Maier:

Welche Eindrücke nehmen Sie von Ihrem Besuch in Rheinland-Pfalz mit nach Berlin?

Bundespräsident H. Köhler:

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Foto: Dieter J. Maier

Mein gesamter Besuch in Rheinland- Pfalz hat mir nicht nur gefallen, sondern er hat mir auch Eindrücke über Vergangenheit und Zukunft vermittelt. In diesem Bundesland ist nichts statisch, sondern die Dinge sind nach meinen Eindrücken immer in Bewegung. Gerade deshalb ist besonders der Flughafen Hahn wirtschaftlich für Rheinland-Pfalz so wichtig. Als die Amerikaner hier ihren Stützpunkt aufgaben und abgezogen sind, wusste man nach diesem Strukturabbruch im ersten Moment nicht wirklich, wie es wirtschaftlich auf dem Hahn weitergehen soll. Jetzt erlebe ich durch den Aufbau des Flughafens, dass hier in den vergangenen Jahren sehr viel positives in Gang gekommen ist, was sich besonders in neuen Arbeitsplätzen und in verbesserten Einkommen widerspiegelt, die für die Menschen hier extentiell von sehr großer Bedeutung sind und eine ernorme Zukunftspersektive darstellen. Ich finde es sehr wichtig an diesem wirtschaftlichen Aufschwung nicht nur auf dem Hahn, sondern in ganz Rheinland-Pfalz, weiter zu arbeiten. Die enormen wirtschaftlichen Fortschritte zeigen hier, dass Stukturwandel nicht nur Teil des Lebens ist, sondern auch der wirtschaftlichen Existenz eines Landes große Bedeutung beimisst. Rheinland-Pfalz hat eine gute Zukunft und ich findees persönlich sehr wichtig, dass die Menschen überall in Deutschland an diesem Beispiel sehen und erfahren können, dass es nach schwierigen Phasen auch wieder aufwärts geht. Dieses Beispiel hat sich auf dem Flughafen Hahn bewiesen und das wird sich auch in Zukunft weiterbeweisen, was, wie ich finde, sehr ermutigend ist.

Dieter J. Maier:

Welche Maßnahmen wurden von der Bundesregierungergriffen, um die gegenwärtige Finanzkrise zu stabilisieren ?

Bundespräsident H. Köhler:

Wir haben es gegenwärtig mit einer tiefen, weltumspannenden Finanzkrise zu tun, die gezeigt hat, wie schnell das internationale Finanzsystem zusammenbrechen kann. Hier war schnellstmöglich das entschlossene Handeln der Bundesregierung geboten. Aus diesem Grund haben die Bundesregierung, der Bundestag, der Bundesrat und die Bundesbank in kürzester Zeit das Finanzstabilisierungsgesetz erarbeitet und sind dabei es umzusetzen. Es geht um die Sicherung unserer Volkswirtschaft und hierbei hat die Bundesregierung Tatkraft bewiesen. Hier steht die Sicherung von Arbeitsplätzen und Einkommen von Millionen Menschen auf dem Spiel und ich erwarte diesbezüglich, dass das Bankgewerbe dieses mutige Angebotder Bundesregierung im Zuge der wirtschaftlichen Gesamtsituation in Deutschland annimmt, nutzt und auch umsetzt.

Dieter J. Maier:

Hat Deutschland aus Ihrer Sichtweise seinen politischen Platz in Europa gefunden?

Bundespräsident H. Köhler:

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Foto: Dieter J. Maier

Wir haben hier in Deutschland die längste Friedensperiode seit Jahrhunderten, die dafür gesorgt hat, dass unser Land wieder aufgeblüht ist. Deutschland hat einen Wohlstand erreicht, wie noch nie in seiner Geschichte, der vor allem durch die Menschen mit harter Arbeit geschaffen wurde. Mit zu diesem Wohlstand hat aber auch eine kluge und vorausschauende Bundespolitik beigetragen. Deutschland lebt heute in Frieden mit seinen Nachbarn in Europa und wir sind umgeben von Freunden und Partnern in der europäischen Union. Nach zwei Weltkriegen und einem kalten Krieg können wie endlich sagen, dass Deutschland seinen angemessenen und von allen akzeptierten Platz inEuropa gefunden hat. Wir sind ein demokratisches, weltoffenes und tolerantesLand, das außenpolitsch für Frieden im Dialog und Zusammenarbeit eintritt. Wir haben gelernt, dass unser Handeln so angelegt sein muss, dass wir Gerechtigkeit nicht nur aus der Bewusstseins- und Interessenslage der jetzt lebenden Generationdefinieren müssen, sondern die Gerechtigkeit im Zuge der Nachhaltigkeit auch für die zukünftige Generation erhalten werden muss. Dies ist unsere Verpflichtung und daran muss sich auch jede politische Handlung zukünftig messen lassen.

Dieter J. Maier:

Herr Bundespräsident, ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Interview mit Wendelin von Boch

23. November 2008 Keine Kommentare

Finanzkrisen, wie wir sie gerade in diesen Tagen erleben, sind größere Verwerfungen im Finanzsystem, die durch einen Rückgang der Vermögenspreise und die Zahlungsunfähigkeit zahlreicher Unternehmer der Finanzwirtschaft und anderer Branchen gekennzeichnet sind und die die ökonomische Aktivität in einem oder mehreren Ländern erheblich beeinträchtigen. Ob die gegenwärtig weltweite Finanzkrise auch Einfluss auf den deutschen Wirtschaftsmarkt haben wird und welche wirtschaftlichen Chancen sich jetzt auch für den deutschen Wirtschaftsmarkt bieten, darüber äußerte sich der frühere Vorstandsvorsitzende von Villeroy & Boch, Wendelin von Boch, in einem exklusiven Interview gegenüber Saar-Report.

Dieter J. Maier:

Die gegenwärtige Finanzkrise hat sich auf die internationale Wirtschaft sehr negativ ausgewirkt und das Vertrauen in das Management der Banken zutiefst erschüttert. Welche Auswirkungen hat die Banken- und Finanzkrise aus Ihrer Sicht für die deutsche Wirtschaft?

Wendelin von Boch:

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Foto: Dieter J. Maier

Wir haben gegenwärtig die schlimmste Finanzkrise seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Diese Krise wurde u.a. durch ein übertriebenes Investment-Banking und sogenannte Finanz-Innovationen ausgelöst. Eine große Gefahr besteht jetzt darin, dass diese Finanzkrise auch auf die Real-Wirtschaft übergreifen wird, was gerade in der deutschen Automobilindustie schon deutlich spürbar wurde. Es ist auch nahezu sicher, dass es nicht nur in Deutschland eine Rezession geben wird. Wie lange diese allerdings andauert und welche genauen Folgen sie haben wird ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Vor kurzem haben die Wirtschaftsweisen prognostiziert, dass es in 2009 zu einer Rezession kommen wird zwischen 0,2 – 0,8 %. Diese Prognose ist natürlich alles andere als erfreulich, aber sie setzt in der Wirtschaft trotz allem wieder einen Wandel in Gang, dem man sich auf keinem Fall verschließen sollte.

Dieter J. Maier:

Die soziale Marktwirtschaft steht seit dem zweiten Weltkrieg für das deutsche Wirtschaftswunder. Welche Auswirkungen hat die soziale Marktwirtschaft heute noch für die deutsche Wirtschaft?

Wendelin von Boch:

Die soziale Marktwirtschaft setzte nach dem verlorenen Krieg 1945 in Deutschland einen unglaublichen Wirtschaftsboom in Gang, von dem wir heute noch profitieren. Ich persönlich war schon immer ein großer Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. Wenn diese aber nicht auf Nachhaltigkeit und ethischen Prinzipien basiert, dann sind in der Regel solche Finanzkrisen, wie wir sie gerade erleben, geradezu vorbestimmt. Es ist für mich auch unglaublich zu sehen, wie unser Erdball in den vergangenen Jahrzehnten zusammengewachsen ist. In wenigen Minuten und Sekunden verlaufen Informationen 24 Stunden am Tag rund um den Globus. Alles ist aufs Engste vernetzt, was wir gerade auch in der jetzigen Finanzkrise schmerzlich erlebt haben. Was in Amerika auf dem Finanzmarkt passiert ist, wurde wie ein Schneeball nach Europa zurück geworfen und verbreitete sich dann lawinenartig auf den ganzen Globus aus. Die Globalisierung ist irreversibel und ist nun wirklich auch im letzten Winkel der Erde angekommen.

Dieter J. Maier:

Ist die Globalisierung für die Weltwirtschaft eine Chance oder stellt sie eher eine Gefahr dar?

Wendelin von Boch:

Es ist eine Tatsache, dass die Globalisierung der Wirtschaft eine große Chance ist aber auch große Risiken birgt. Sie stellt jedoch auch die größte Herausforderung dar, die uns wirtschaftlich in diesem Jahrhundert begegnen und beschäftigen wird. Die Globalisierung kann aus einer betriebswirtschaftlichen und einer volkswirtschaftlich-politischen Sicht betrachtet werden. Die politisch-volkswirtschaftliche Sicht entscheidet letztendlich darüber, ob Wohlstand wirtschaftlich gesehen ankommt oder nicht. Bis zum Fall der Mauer in Berlin 1990 gab es eine ganz klare Aufteilung der Welt in Kapitalismus im Westen und in Sozialismus und Planwirtschaft im Osten Deutschlands. Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus und der Kopie unserer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Systeme durch den Osten, insbesondere in China, Russland und auch in Indien, hat sich dort eine enorme Wachstumsdynamik eingestellt, d.h. freies Unternehmertum statt staatlicher Kontrolle und bürokratischer Regulierungen. Dies Wachstumsdynamik hat in diesen Ländern Kräfte freigesetzt, die wir hier in Deutschland vor zwanzig Jahren noch nicht für möglich gehalten haben. Jetzt stellt sich die Frage, ob das schwache Wachstum, das wir hier in Europa in den vergangenen Jahren hatten, nicht doch mit dem zweistelligen Wachstum des Bruttosozialproduktes in Indien, China oder Russland in Verbindung steht. Unbestritten sind uns dort aber Wettbewerbe erwachsen, die mit niedrigstem Lohnniveau und mit neuester Technologie die Schere zwischen der klassischen Industrie und den Entwicklungsländern zum schließen bringt. Diese Entwicklung wurde vor allem gefördert durch die große Leistungsbereitschaft, mit der die Menschen in diesen Ländern sich den Traum vom besseren Leben erfüllen wollen.

Dieter J. Maier:

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft in Deutschland für die kommenden Jahren?

Wendelin von Boch:

Wir betrachten ja gerne die Dinge um den Kirchenturm herum, d.h. wir beobachten sehr genau, was in der Region oder in unserem Bundesland geschieht. Wer sich aber mal bildlich gesprochen in die Vogelpersektive begibt, der wird bald nicht mehr einsehen, warum die Menschen im Westen frei und reich sein dürfen und die Menschen im Osten oder in der dritten Welt weiter arm und unterdrückt leben müssen. Es gibt in der Globalisierung wie überall Gewinner und Verlierer. Das rasante Wachstum im Osten führt ganz klar zu mehr Wohlstand und zu einem relativen Abstieg der klassischen Industrienationen. Wir müssen heute akzeptieren, dass der globale Wohlstand neu verteilt wird mit der negativen Folge, dass es zunehmend schwer fällt, die sozialen Sicherungssysteme im gewohnten Umfang aufzufangen. Es kommen also mehrere Komponenten zusammen die verhindern, dass wir das steile Wachstum der vergangenen Jahre so nicht mehr halten können. Die Globalisierung drückt die Löhne, v.a. im unqualifizierten Bereich. Doch bei hochtechnologischer Produktion und Dienstleistung mit einem Höchstmaß an Innovation und Bildung können nicht nur im Westen die schlechten Rahmenbedingungen überwunden werden. Wenn wir also richtig mit dieser wirtschaftlichen Situation umgehen wird es auch im Westen wieder deutlich mehr Gewinner geben und es ist eindeutig, dass Deutschland aus guten Gründen zu den Gewinnern der Globalisierung zählen wird.

Dieter J. Maier:

Herr von Boch, vielen Dank für das Gespräch.

Interview mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger

Anlässlich der Fritz-Walter-Gala in Worms sprach der Präsident des deutschen Fußballbundes, Dr. Theo Zwanziger, mit Saar-Report über seine Begegnungen mit Fußball-Legende Fritz Walter, über die Bedeutung des deutschen Fußballs nach der WM 2006 und über seinen beruflichen und privaten Lebensweg.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Zwanziger, wir feiern heute Abend die Fritz-Walter-Gala. Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an Fritz Walter?

Dr. Theo Zwanziger:

Eine meiner ersten Erinnerungen an Fritz Walter ist für mich das Endspiel der WM 1954 in Bern, dass ich damals wie viele andere deutsche Fußballfans am Fernsehgerät verfolgt habe. Fast 40 Jahre später lernte ich Fritz Walter persönlich als einen bescheidenen und liebenswerten Menschen kennen, der sich auch über seine aktive Zeit hinaus noch sehr für den deutschen Fußball einsetzte. Fritz Walter besuchte öfter die ungarische Mannschaft von 1954, mit denen er auch Jahrzehnte später noch eine enge Freundschaft pflegte. Ich war selbst bei einigen Treffen mit dabei und kann mich an viele, schöne Abende erinnern. Bei einem dieser Treffen besuchten wir am Tag der Abfahrt noch einen nahe gelegenen Markt, wo ich für seine Frau Italia eine kleine, gehäkelte Tischdecke erstand. Fritz sah mich darauf hin verwundert an und sagte: „Das wäre nicht nötig gewesen, ihr habt mir doch schon die Fahrt bezahlt“. In diesem Moment spürte ich wieder seine große Bescheidenheit und ich bin heute für diese Begegnungen mit Fritz Walter sehr dankbar.

Dieter J. Maier:

Der WM-Sieg 1954 in Bern hat das deutsche Selbstbewußtsein nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg wieder sehr gestärkt. Hat sich der deutsche Fußball in den darauf folgenden Jahrzehnten Ihrer Meinung nach stark verändert?

Dr. Theo Zwanziger:

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Foto: Wikipedia

Der Fußball ist immer ein Spiegel der aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Situation. 1954 war Deutschland ein Land, dass sich auch 9 Jahre nach dem Krieg immer noch im Aufbau befand. Ebenso wusste man damals noch nicht, ob Deutschland in der europäischen Weltgemeinschaft wieder angenommen wird. Der Weltmeistertitel von 1954 hat natürlich enorm dazu beigetragen, dass Deutschland international wieder anerkannt wurde und sich auch wirtschaftlich erholen konnte. Heute leben wir in einer Medien-Gesellschaft, in der die Präsenz der Medien auch für das wirtschaftliche Wachstum mit verantwortlich ist. Das zeigt sich vor allem in Vermarktung von Stars in der Werbung. Trotz dieser kommerziellen Vermarktung sind diese Stars Vorbilder für die Jugend von heute. Daran sieht man, dass sich das ganze wirtschaftliche Umfeld und auch die wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland heute total verändert haben. Von daher war die Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland von entscheidender Bedeutung, weil durch die Präsentation der deutschen Mannschaft und der deutschen Fußballfans die weltweite Anerkennung unseres Landes wieder sehr stark gestiegen ist. An diesem Beispiel kann man erkennen, dass der Fußball viel verändern kann, wenn er richtig eingesetzt wird. Heute wird die Gewalt, die zum Teil in den Familien und in den Schulen ausgeübt wird, auch im Fußball eingesetzt. Hierbei geht ein großes Stück Respekt gegenüber dem Mitmenschen verloren und die Hemmschwelle von der verbalen zur körperlichen Gewalt nimmt immer mehr ab. In diesem Fall kann man nur versuchen auch über den Fußball wieder ein Stück Sinn-Orientierung zu geben und durch Vorbilder die Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen. Der Fußball könnte in diesen Fällen bei richtiger Anleitung von Lehrern und Erziehern durchaus viele soziale Missstände verbessern und zum Guten wenden.

Dieter J. Maier:

Sie stehen als DFB-Präsident nicht nur an der obersten Spitze des deutschen Fußballs sondern auch an der Spitze des deutschen Sports. Haben Sie für sich bis jetzt alle Ziele erreicht, die Sie sich in Ihrem Leben gesetzt haben?

Dr. Theo Zwanziger:

Ich bin persönlich mit meinem Lebensweg sehr glücklich und zufrieden und habe mir zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben Ziele vorgenommen, die für mich nicht zu erreichen waren. Ich bin in einer Familie nach dem Krieg aufgewachsen, in der der Vater sehr gefehlt hat. Nachdem mein leiblicher Vater im zweiten Weltkrieg gefallen war, heiratete meine Mutter in den fünfziger Jahren noch einmal. Mit meinem Stiefvater hatte ich ein gutes Verhältnis und ich habe später mit meiner eigenen Familie dieses gefestigte Familienleben fortgeführt, das ich von Zuhause mitbekommen habe. Meine berufliche Entwicklung vollzog sich auch dank meiner Familie positiv und dass ich heute an der Spitze des DFB- Verbandes stehen darf empfinde ich als ein großes Glück. Für mich persönlich wünsche ich mir für die Zukunft, dass meine Familie und ich weiter gesund bleiben und dass ich in meiner Position als DFB-Präsident weiterhin in der Lage bin, gesellschaftliche Verantwortung mit zu tragen. Der DFB-Verband hat in Deutschland weit über sechs Millionen Mitglieder und ich bin mir meiner Verantwortung in dieser Position durchaus bewusst. Ich versuche jeden Tag mich dieser Verantwortung zu stellen und wenn mal etwas nicht ganz so klappt wie ich es mir vorstelle, so werde ich schon manchmal etwas ungeduldig, aber ich bin mit dem bisher Erreichten sehr zufrieden.

Dieter J. Maier:

Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie?

Dr. Theo Zwanziger:

Meine Familie ist der Mittelpunkt in meinem Leben. Ohne meine Frau und meine Kinder hätte ich meinen Lebensweg nicht so gestalten können, wie ich es bisher getan habe. Obwohl ich beruflich sehr viel unterwegs bin nehme ich mir trotzdem immer Zeit, mit meiner Frau und meinen Kinder ein gutes Familienleben zu führen. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass Erfolg und Geld kein Garant für ein glückliches Leben sind. Daher habe ich meine Kinder auch immer in ihren persönlichen Talenten gefördert und ihnen nie das Gefühl vermittelt, dass nur Erfolg im Mittelpunkt des Lebens stehen darf.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Zwanziger, vielen Dank für das Gespräch.