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Archiv für Juni, 2009

Interview mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Schulte, Fraport AG

dr-schulte-fraport1 Der Aufsichtsrat der Fraport AG hat Anfang März diesen Jahres den 48 jährigen Dr. Stefan Schulte zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Schulte löst somit  den langjährigen Vorstands-Chef  Dr. Wilhelm Bender ab, der Anfang August 65 Jahre alt wird. In einem exklusiven Interview äußerte sich Dr. Stefan Schulte gegenüber Saar Report u.a. über den Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens Frankfurt.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, der Aufsichtsrat der Fraport hat Sie mit Wirkung ab dem 01.September 2009 zum neuen Vorstandsvorsitzenden für die nächsten fünf Jahre bestellt. Welche zentralen Aufgaben verfolgen Sie, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Frankfurt im internationalen Ranking zu sichern?

Dr. Schulte:

Zunächst gilt es die erfolgreiche Unternehmenspolitik der Fraport AG, die ich in den letzten sechs Jahren bereits als Vorstandsmitglied mitgestaltet habe, fortzusetzen. Der nachfragegerechte Ausbau des Frankfurter Flughafens ist dabei natürlich das Top-Thema, denn er versetzt uns in die Lage, langfristig im Wettbewerb der großen internationalen Luftverkehrsdrehkreuze zu bestehen. Der Ausbau ermöglicht ab 2011 eine Erhöhung der stündlichen Flugbewegungen von 83 auf 126. Passage und Fracht erhalten damit genügend Start- und Landekapazität und müssen nicht um begehrte Slots – also Zeitfenster für Starts und Landungen – rangeln. Weiter sind ein striktes Investitions- und Kostenmanagement, die Finanzierung unseres Ausbaus, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung und weitere Akzente in der Dienstleistungs- und Kundenorientierung wesentliche Ziele meiner Arbeit.

Dieter J. Maier:

Der Aufsichtsrat setzt besonderes Vertrauen in Ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Was beinhaltet dies für Sie?

Dr. Schulte:

Ich will das Vertrauen, das der Aufsichtsrat mir und meiner Arbeit entgegenbringt, natürlich bestätigen. Wichtig ist, dass wir unsere Stärken als Flughafenbetreiber weiter ausbauen und alle Geschäftsbereiche ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens erbringen. Erfolg haben wir als Mannschaft, wenn wir alle gemeinsam und jeder an seinem Platz und in seiner Verantwortung das Beste für Fraport und unsere Flughäfen, für unsere Kunden geben. Ein offenes und ehrliches, von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Miteinander und Zusammenarbeiten ist mir dabei im konstruktiven Diskurs um die beste Lösung, den besten Arbeitsablauf im Interesse unseres Unternehmens und unserer Kunden wichtig.

Dieter J.Maier:

Die akute Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch Fraport erreicht. Es gilt ein schwieriges Geschäftsjahr als besondere Herausforderung zu bewältigen. Durch den starken Rückgang des Luftfrachtaufkommens um bis zu 25% sind seit Mitte März rund 500 Mitarbeiter der Fraport Cargo Services (FCS) von Kurzarbeit betroffen. Jetzt geht es um die Zukunft der Bodenverkehrsdienste. Steht Fraport hier vor einem Ausgründungsszenario von mehreren tausend Mitarbeitern des Stammpersonals und ist angesichts hoher Konzernüberschüsse dies wirklich notwendig?

Dr.Schulte:

Hier gibt es zwei Aspekte zu beachten: Da wir zusätzliche Kunden gewinnen konnten und damit die abzufertigenden Frachtmengen ein zumindest zufriedenstellendes Niveau erreicht haben, konnten wir die Kurzarbeit für die Beschäftigten der FCS inzwischen wieder beenden. Insbesondere dem Gewinn des neuen Großkunden Air China, dem drittgrößten Frachtcarrier am Flughafen Frankfurt, ist dies zu verdanken. Das zeigt, dass auch und gerade in schwierigen Zeiten die Akquisition neuer Kunden wichtiger denn je ist.

Das zweite von Ihnen angesprochene Thema „Zukunft der Bodenverkehrsdienste“ steht natürlich ganz oben auf der Agenda. Wir verhandeln hier mit den Interessenvertretungen der Arbeitnehmer und wollen eine für beide Seiten tragfähige und dauerhafte Lösung finden, die Arbeitsplätze sichert, und zwar in den bestehenden Strukturen. Ich hoffe sehr, dass wir hier in den nächsten Monaten zu einem einvernehmlichen und tragfähigen Ergebnis kommen werden. Wenn nicht, sehe ich allerdings Gefahr für Arbeitsplätze. Denn die Konkurrenz schläft auch am Flughafen Frankfurt nicht und wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, in einem harten Wettbewerb zu bestehen. Wobei wir unseren Verhandlungspartnern auf Airlineseite auch immer wieder deutlich machen: Natürlich muss Top-Qualität auch ordentlich bezahlt werden.

Dieter J. Maier:

Der Flughafenausbau wird entschlossen vorangetrieben und die Inbetriebnahme der neuen Landebahn soll zum Winterflugplan 2011 sichergestellt werden. Welche weitere Ausbauprojekte sind in Planung bzw. langfristig angedacht?

Dr. Schulte:

Neben der neuen Landebahn im Nordwesten des Flughafengeländes planen wir ein neues Terminal im Süden, das in einem mehrstufigen Bauprozess unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte errichtet wird. Und wir arbeiten bereits seit Jahren an der Modernisierung und Ertüchtigung der bestehenden Fluggastanlagen. Für diese Projekte werden wir insgesamt rund sieben Milliarden Euro investieren. Diese Investitionen sichern nicht nur die Zukunftsfähigkeit des Flughafens Frankfurt, sondern kommen auch der Umwelt zugute! Unser Ziel ist, den Flughafenausbau CO2-neutral umzusetzen und bis 2020 pro Passagier und pro 100 Kilogramm Luftfracht die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu senken.

Dieter J. Maier:

Fraport ist weltweit in Form von Managementverträgen an nationalen und internationalen Verkehrsflughäfen beteiligt. Hierbei hat sich Frankfurt Hahn als kostenintensive und unrentable Beteiligung  heraus kristallisiert und wurde wieder abgestoßen. Wie sieht die Entwicklung der größten Beteiligungen aus und sind neue Beteiligungen an Flughäfen in absehbarer Zukunft geplant?

Dr. Schulte:

In den vergangenen Jahren hat sich unsere Grundsatzentscheidung, das weltweit anerkannte Fraport-Know how auch international zu vermarkten, als richtig und überaus erfolgreich erwiesen. Diesen Wegfraport-rollfeld-schulte werden wir konsequent weitergehen, mögliche neue Beteiligungsprojekte genau analysieren und uns dort engagieren, wo wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven Geschäftsbeitrag erzielen können. Längst tragen unsere Engagements in aller Welt maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei – dazu gehört im Übrigen auch der Flughafen Lima! Hier haben wir 2008 das erste Geschäftsjahr voll konsolidiert und sowohl bei Passagierzahlen als auch im Luftfrachtgeschäft kräftig zugelegt. In Antalya haben wir bereits im September 2007 im Rahmen des bis 2024 laufenden Konzessionsvertrages das zweite Fluggastgebäude übernommen und in der Folge von einem starken Verkehrsanstieg profitieren können. Ab September 2009 betreiben wir hier dann auch das dritte Terminal.

Neben unseren bisherigen Aktivitäten in den asiatischen Boommärkten Indien und China, wo wir bereits mit dem Hub-Airport in Delhi sowie dem bedeutenden Regionalflughafen in Xi’an präsent sind, streben wir weitere Engagements in diesen dynamischen Luftverkehrsmärkten an. Positiv entwickelt hat sich auch unsere Präsenz in Saudi-Arabien: Hier sind wir seit Frühsommer 2008 mit Management, Betrieb und Weiterentwicklung der beiden Flughäfen in Jeddah und Riyadh beauftragt. Während der Vertragslaufzeit von sechs Jahren werden Fraport Management Teams neben dem Tagesgeschäft eine Vielzahl von Projekten leiten, die sich u. a. der Verbesserung der Servicequalität und der nachhaltigen Steigerung des Verkehrswachstums widmen. Unser Engagement am Flughafen Frankfurt-Hahn haben wir beendet, da wir nach intensiven Diskussionen und Entscheidungen auf Gesellschafterebene keine realistische Möglichkeit sahen, unsere Zielsetzung zu erreichen, den Flughafen auf Sicht in die Gewinnzone zu bringen. Aus diesem Grund haben wir mit dem Land Rheinland-Pfalz eine Übernahme unseres Anteils verhandelt und diese Verhandlungen Anfang Februar erfolgreich abgeschlossen.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, vielen Dank für das Gespräch.

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Interview mit Wolfgang Niedecken

Mit einem musikalischen Leseabend voller Intensität und Ausdruckskraft begeisterte Bap-Sänger Wolfgang Niedecken mit Songs von Musiklegende Bob Dylan am 20.Mai im St. Wendeler Saalbau nicht nur seine saarländischen Fans. Zwei Seelen kamen zusammen, als Niedecken aus dem ersten Teil der Autobiographie “ Chronicles“ von Bob Dylan las, in der dieser mit den Mythen um seine Person und seinem musikalischen Werk aufräumt. Im Anschluss an das ausverkaufte Konzert sprach Wolfgang Niedecken mit Saar Report u.a. über seine persönliche Beziehung zu Bob Dylan und seine eigenen musikalischen Anfänge.


Dieter J. Maier:

Was würdest du auf die Frage, was Dich mit Bob Dylan verbindet, spontan antworten?

Wolfgang Niedecken:

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Wolfgang Niedecken - Foto: Dieter J. Maier

Zwischen Bob Dylan und mir besteht schon so etwas wie eine Seelenverwandtschaft, denn Dylan lässt in seine Songs, genau wie ich, sehr viele persönliche Erfahrungen und Emotionen einfließen. Bevor ich das Hörbuch über Bob Dylan aufnahm, habe ich mich durch Bücher und Filme sehr genau über ihn informiert, um diese musikalische Lesung  so authentisch wie möglich zu gestalten. Dies fiel mir auch auf Grund von persönlichen Treffen, die ich schon vor Jahren mit ihm hatte, nicht besonders schwer. Ohne den Einfluss von Bob Dylan wäre ich nie Musiker geworden, denn ich habe über ihn auch sehr viel über mich selbst gelernt und weiß heute, wie wichtig es ist, seiner eigenen musikalischen Richtung zu folgen. Seine von ihm gar nicht so gern titulierte „Never Ending-Tour“ ist ein Teil seines Lebens geworden, auf der er sich in seinem eigenen Stil immer wieder neu entdeckt und verwirklicht hat. Ich selbst finde, dass das Spielen vor Publikum das Größte ist, das man als Musiker erleben kann, denn das gemeinsame Erleben schweißt auch mit den Fans zusammen. Diese musikalischen Lesungen mit den Dylan-Songs habe ich jetzt schon über sechzig Mal vor ausverkauften Häusern gemacht und mittlerweile fließt hier auch schon sehr viel von meiner eigenen Persönlichkeit hinein, weil ich mich an verschiedenen Punkten in Dylans Leben selbst wiederfinde. Livekonzerte sind für mich das Größte, denn um musikalisch wirklich gut zu sein, können Tonträger eigentlich nur als Hilfsmittel dienen.

Dieter J. Maier:

Aus welchem Grund hattest du als Einziger nach dem ausverkauften Konzert in der Saarbrücker Saarlandhalle noch eine persönliche Begegnung mit Bob Dylan Backstage?

Wolfgang Niedecken:

Das ist eine längere Geschichte. Es gibt in Hannover eine Firma, die so phantastische Gitarren herstellen, dass sie weltweit bei Gitarristen zu einem absoluten Begriff geworden sind. Bob Dylan hat sein aktuelles Album mit dem Gitaristen *Mike* Campbell aufgenommen, der eine sogenannte „maßgeschneiderte“ Duesenberg-Gitarre von dieser Firma besitzt. Bob Dylan war von dieser Gitarre so begeistert, dass er sich sofort mit der Firma in Hannover in Verbindung setzte. Die Fachleute von Duesenberg haben dann für Dylan eine Gitarre entwickelt, bei der man mit einem ganz neuen Prinzip die Tonarten verstellen kann. Ich wurde später von der Firma gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Bob Dylan diese Gitarre bei seinem Konzert in Saarbrücken persönlich zu überreichen, was ich natürlich gerne tat. Ich habe Bob Dylan vor zehn Jahren schon einmal über den bekannten Regisseur Wim Wenders kennen gelernt. Bob Dylan und Wim Wenders kennen sich seit 35 Jahren und über diese gemeinsame Bekanntschaft war unser Treffen in Saarbrücken dann auch auf einer persönlichen Ebene ganz locker und entspannt.

Dieter J. Maier:

Verbindet Dich mit Rocklegende Bruce Springsteen so etwas wie eine jahrzehntelange Freundschaft?

Wolfgang Niedecken:

Bruce Springsteen und ich sind eher sehr gute Bekannte als Freunde. Einen Freund kann man morgens um 4 Uhr anrufen, wenn es einem schlecht geht. Da ich allerdings nie auf die Idee käme, Bruce Springsteen morgens um 4 Uhr anzurufen, gehe ich mit dem Begriff Freundschaft eher vorsichtig um. Ich habe mit Bruce eine wirklich gute, kollegiale Bekanntschaft und wir verstehen uns seit vielen Jahren hervorragend. Er ist, trotz seines weltweiten Erfolges, ein absolut netter und bodenständiger Mensch geblieben, der nie in irgendeiner Art und Weise überheblich reagieren würde. Natürlich ist er ein Weltstar, aber er lässt das weder seine Fans bei Konzerten spüren, noch würde er privat durch Allüren auf sich aufmerksam machen.

Dieter J. Maier:

Der Titel „Verdammt lang her“ ist nicht nur bei BAP-Fans generationsübergreifend zu einem Begriff geworden. Auch sonst kennt fast jeder eure Band, die zu Köln gehört wie der Dom oder der Rhein. Wie waren damals eure Anfänge?

Wolfgang Niedecken:

Angefangen haben wir Anfang der 70er Jahre als Hobbyband. Wir trafen uns damals mit einer Clique von ca. 20 Leuten einmal pro Woche, um aus Spaß an der Musik zunächst einfach nur für uns zu spielen und einen Kasten Bier leer zu proben. Ich bin selbst aus der Generation, die in den 60er Jahren in *Beat* Bands gespielt hat und irgendwann wollte ich etwas anderes machen, am Besten etwas eigenes, das vorher noch niemand aufgenommen hatte. In unserer Band spielten wir hauptsächlich Songs von Bob Dylan, den Beatles oder den Rolling Stones. Mir persönlich war das Nachspielen von Song bekannter Bands auf Dauer einfach zu wenig und so spielte ich während einer Musikprobe einen eigenen Song auf Kölsch an, den meine Bandmitglieder so gut fanden, dass alle zu mir sagten: *“Dat ess joot, mach mieh vun“* und das habe ich dann auch bis heute gemacht.

Dieter J. Maier:

Die Musiklesung „Wolfgang Niedecken liest Bob Dylan“ wurde deutschlandweit zu einem großen Erfolg. Wie kamst du auf die Idee, deine Fans mit dieser neuen Art von Musiklesung zu unterhalten?

Wolfgang Niedecken:

Als Bob Dylan den ersten Teil seiner Autobiographie geschrieben und veröffentlicht hatte, fragte mich sein Verleger, ob ich nicht das Hörbuch dazu lesen könnte. Ich habe natürlich gerne zugesagt und mir wurde die deutsche Fassung auch ein paar Wochen früher zugesandt als vorgesehen. Zusammen mit dem Verlag kam ich dann auf die Idee, eine kleine Hörbuchlesung durch Deutschland zu machen. Zunächst war nur eine Lesung de Buches vorgesehen, aber ich machte dem Verlag dann den Vorschlag, dabei noch die Songs von Bob Dylan auf der Bühne zu singen. Die Premiere in Hamburg, die ein großer Erfolg wurde, ermutigte uns, auf den folgenden sechzig Stationen mit dieser Art von neuer Musiklesung weiter zu machen und der Erfolg gab uns bis heute Recht.

Dieter J. Maier:

Wolfgang, vielen Dank für das Gespräch.

Die Redaktion Saar Report dankt Prof. Leonardy und dem Team der Musikfestspiele Saar für die freundliche Unterstützung.