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Archiv für August, 2009

Interview mit Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan

Am 24. August 2009  besuchten Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und die CDU-Bundestagsabgeordnete Anette Hübinger den weltweit agierenden Mittelständler Hydac in Sulzbach. Im Mittelpunkt standen dabei die Besichtigung eines neu errichteten Forschungs- und Entwicklungs-Kompetenzzentrums für Fluidtechnologie und der damit verbundene Gedankenaustausch über neue Wege der Forschungs- und Entwicklungsförderung von Seiten der Bundes. Im Anschluss an die Werksbesichtigung stellte sich Bundesministerin Schavan den Fragen von Saar Report.

Dieschavanter J. Maier:

Frau Bundesministerin, Sie haben sich kürzlich dafür ausgesprochen, dass bis zum Jahr 2020 ca. 1 Mio Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen. Wie wird zukünftig die neue, nachhaltige Mobilitätskapazität  auch von der Bundesregierung entwickelt und umgesetzt?

Bundesministerin Schavan:

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche die nationale Strategie zur Förderung von Elektromobilität beraten und  verabschiedet. Um diese Förderung im Bereich der Elektromobilität weiter auszuweiten, bauen wir von Seiten der Bundesregierung Kompetenznetze  im Sektor der Elektrochemie auf. Ebenso haben wir einen Wettbewerb zur Auswahl von Modellregionen für das Elektroauto der Zukunft ausgeschrieben, denn es geht hier keineswegs nur um Batterieentwicklung, sondern auch um die Infrastruktur der einzelnen Produktionsstätten und um die Aufladekapazität des neuen Elektrofahrzeugs . All diese Fragen werden und sollen in in absehbarer Zukunft geklärt werden, um die Produktion dieses außergewöhnlich umweltfreundlichen Fahrzeuges schnell und sicher voranzutreiben. Wir werden  in den nächsten Jahren von der Forschung bis zur Produktion ein völlig neues Konzept für Mobilität entwickeln, das vor allem  leistungsfähig, bezahlbar und ressourcenschonend sein soll.

Dieter J. Maier:

Werden Sie in Zukunft als Ministerin für Forschung und Wissenschaft diesbezüglich auch Unternehmen im Saarland fördern und finanziell unterstützen?

Bundesministerin Schavan:

Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Unternehmen  im Saarland und im gesamten deutschen Raum  im Bereich von Wissenschaft und Forschung unterstützt und gefördert werden.  Wir werden aber zukünftig noch stärker daran abeiten, technische Lösungen für mehr Nachhaltigkeit zu finden und die Produktentwicklung besser auzubauen. Das Besondere an unseren forschungspolitischen Konzeptionen ist, dass Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen mit den Unternehmen zusammenarbeiten, denn nur so kann auf Dauer wirkliche Innovation für die Zukunft erreicht werden.

Dieter J. Maier:

Gerade im Bereich der Medizin sind Krankheiten wie Aids, Vogelgrippe oder Hepatitis zwar erforscht , aber noch nicht heilbar. Wird sich die Bundesregierung  in nächster Zeit auch im medizinischen Bereich mehr Fördermittel zur Verfügung stellen, damit diese Krankheiten bald endgültig bekämpft werden können?

Bundesministerin Schavan:

Wir werden in Zukunft noch mehr Geld zur Erforschung und Bekämpfung dieser Krankheiten zur Verfügung stellen. Ein Beispiel kann ich Ihnen diesbezüglich hier in Saarbrücken nennen. Zukünftig gibt es innerhalb der Universität des Saarlandes ein Helmholz-Institut für pharmazeutische Forschung, das mit dem Helmholz-Institut in Braunschweig verbunden ist. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass durch strukturelle Weiterentwicklung Forschung verstärkt  und Forschungsergebnisse schneller zum Patienten gelangen können. Somit entwickelt sich die Helmholz-Gruppe immer stärker zur nationalen Forschungseinrichtung, die im Bereich der sogenannten Volkskrankheiten ihren Schwerpunkt gesetzt hat. Hier geht es bei zwei Drittel aller Erkrankungen immer noch darum, die Ursache zu verstehen. Erst das Verständnis und die Aufklärung der Erkrankung gibt uns dann die Chance, sehr viel wirksamere und inividuelle Therapien zu entwickeln. Das ist für mich das eigentliche Ziel der Medizin. Wenn ich an die nächsten zehn Jahre im Bereich der Forschung denke, dann werden die Gesundheitsforschung einerseits und die breite Palette der Energieforschung andererseits bildlich gesprochen die „Flaggschiffe“ der Forschung in Deutschland sein.

Dieter J. Maier:

Durch die neuen, biotechnischen Methoden sind in den letzten Jahren viele Krankheiten idetifiziert worden und  Therapieansätze gelungen, mit denen eine Krankheit erkannt oder gar geheilt werden konnte.  Hat Deutschland aus Ihrer Sicht einen maßgeblichen Anteil in der Pharmaindustrie?

Bundesministerin Schavan:

Deutschland hat in den letzten Jahren mit dem Heidelberger Mediziner Harald zu Hausen einen Nobelpreisträger gewonnen, der einen hochwirksamen Stoff gegen Gebärmutterhalskrebs entwickelte. Harald zu Hausen hat für mich das, was einen echten Wissenschaftler ausmacht: Neugier, Hartnäckigkeit und Erfindungsreichtum. Vor mehr als 30 Jahren gab es in den Medizinwelt das Gerücht, Herpesviren könnten Schuld daran sein, dass Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Harald zu Hausen, damals noch Leiter der Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, glaubte nicht daran. Er hatte zahlreiche Zellkulturen untersucht und nie auch nur Bruchstücke der Herpesviren gefunden. Statt dessen war zu Hausen auf einen ganz anderen Erreger gestoßen, das Humane Papillomavirus ( HPV). Ebenso gibt es in deutschen Krebs-Instituten exzellente Forschungsgruppen, die sich seit Jahren für die Bekämpfung weltweiter Krankheiten einsetzen. Ich finde, dass dies ein gutes Fundament für die neuen Investitionen in der Medizin für die nächsten Jahre ist.

Anmerkung der Redaktion: Saar Report dankt Herrn Carsten Trappe, Pressereferent im Büro von Frau Anette Hübinger, für die freundliche Unterstützung.

Der Dalai Lama in Frankfurt

Mit dem Abschlussvortrag „Die Kunst des Lebens“ endete am vergangenen Sonntag der viertägige Besuch des Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. 52.500 Besucher nutzten in diesen Tagen die Gelegenheit, dem spirituellen Vorbild von Millionen Menschen ganz nahe zu sein. Begleitet wurde der Besuch des Dalai Lama von einem interessanten Rahmenprogramm mit vielen, prominenten Teilnehmern aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

p1011851Insgesamt zogen die Veranstalter, die gemeinnützige Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 GmbH, mit ihren Gesellschaftern Deutsche Buddhistische Union, Pagode Phat Hue und Tibethaus Deutschland, eine positive Bilanz und dankten allen Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Nach seinem über zweistündigen letzten Vortrag in Frankfurt stellte sich der Dalai Lama den an der Hauptbühne  eingereichten Fragen des Publikums, wobei er gegenüber Saar Report besonders seine Anschauungen über „die Kunst des Lebens“ verdeutlichte.

Dieter J. Maier:

Wie kann man für sich selbst zu innerer Zufriedenheit gelangen und Antworten auf wichtige Lebensfragen finden?

Dalai Lama:

Ganz im Überfluß und für nur sich zu leben bringt keine Freude im Leben und auch keine Freundschaften. Anstatt sein Geld mit unnützem Luxus zu verschwenden, sollte man sein Leben besser in den Dienst seiner Mitmenschen stellen.  Wenn es aber jemandem Spaß macht, sein Geld zur Schau zu stellen und enorme Summen für Glücksspiele oder Luxusartikel auzugeben, kann man sicher nichts dagegen sagen, solange es sich nicht um fremdes Geld handelt und niemand anderem damit geschadet wird. Trotzdem beeinträchtigt man mit einer solchen Lebenseinstellung sein ganzes Dasein. Man muss sich immer vor Augen halten, dass man ein menschliches Wesen ist und sich als solches nicht von einem Armen unterscheidet. Man braucht also, wie alle anderen Menschen, einen inneren Reichtum, den es weder im Supermarkt noch bei irgendwelchen Banken in Kreditform zu kaufen gibt. Im Moment ist wegen der weltweiten Finanzkrise die Kluft zwischen Arm und Reich sehr groß geworden und wird sich wohl im Laufe der Zeit sicher noch vergrößern. Den großen Ideologien, wie beispielsweise dem Kommunismus,  ist es nicht einmal ansatzweise gelungen, die Reichen dazu zu bringen, ihren Besitz mit den anderen zu teilen. Wer viel Geld besitzt, sollte es besser dazu verwenden, die Not von armen und leidenden Menschen zu lindern und den Bewohnern unserer Erde zu einem besseren Leben zu verhelfen. Es reicht allerdings nicht aus, viel Geld zu spenden oder für sinnvolle Projekte auszugeben, sondern man muss vor allem den Armen selbst die Möglichkeit geben, sich  zu bilden, ärztliche Versorgung zu erhalten und sie in die Lage versetzen, für ihre Bedürfnisse selbst aufzukommen. Es gibt für mich nichts traurigeres, als unglücklich sein Leben in Reichtum zu verbringen, ohne zum Glück der Mitmenschen beigetragen zu haben, die nicht die gleichen Chancen im Leben haben wie man selbst. Mir fällt in diesem Zusammenhang meine Mutter ein, die eine ganz einfache, liebevolle Frau war und weder lesen noch schreiben konnte. p1011853Obwohl sie über keinen persönlichen Reichtum verfügte, gab sie jedem Bettler, der unser Dorf aufsuchte, von dem wenigen, das sie hatte, noch etwas zu essen. Was ich damit sagen möchte ist, dass materielle Armut uns nicht daran hindern darf, großherzige Taten zu vollbringen, die viel wichtiger sind als jede Anhäufung von Reichtum.

Dieter J. Maier:

Wie gelangt man in unserer hektischen und kommerzialisierten Zeit zu Ruhe und Gelassenheit?

Dalai Lama:

Wir neigen dazu zu denken, dass eine Unstimmigkeit automatisch Konflikt bedeutet und es in einem Konflikt immer einen Sieger und einen Verlierer geben muß. Wir sollten also vermeiden, die Dinge aus diesem Blickwinkel zu betrachten und nach neuen Möglichkeiten der Verständigung suchen. Auch sollten wir zu mehr Ruhe und Gelassenheit gelangen, um auf der mentalen Ebene besser mit schwierigen Situationen umzugehen. Innere Gelassenheit ist in unserer Überflußgesellschaft der ausschlaggebende Impuls, den Sinn des Lebens nicht mehr zu verfehlen. Ebenso kann man  meiner Meinung nach einen offenen Geist auch ohne Religion entwickeln, wenn man sich seines Verstandes bedient und sich auch an den neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Das Leben in einer Gemeinschaft ist meines Erachtens eine sehr gute Sache, vorausgesetzt, man hat sich frei dafür entschieden.  Diese Lebensform ist in sofern angemessen, weil sie sich von der natürlichen Abhängigkeit der Menschen untereinander ergibt, die  auch nicht konfliktfrei oder frei von Emotionen sein kann. Hierbei sollte man beachten, dass sich die menschliche Emotion, die ein Bewußtseinszustand mit starken Empfindungen ist, in zwei Ebenen unterscheidet, nämlich  in eine körperliche und eine geistige Ebene. Die körperliche Emotion tritt z.B. sehr plötzlich auf, wenn wir Furcht, Wut, Hass, Liebe oder Freude empfinden. Man kann jedoch diese Emotionen sowohl reduzieren als auch verstärken, wenn man sich seines Verstandes bedient. Wenn ich beispielsweise einen Menschen wegen seines schlechten Verhaltens hasse, bleibt er trotzdem immer noch ein Mensch, der es verdient, ernst genommen zu werden. Die tiefgreifende Sorge um seine Mitmenschen macht für mich den eigentlichen, wirklichen Menschen aus. Wenn es allerdings keine starken Emotionen geben würde, hätten wir auch keinen inneren Antrieb, unser Leben zu verbessern. Ich selbst habe den Samen des Mitgefühls in mir von meiner Mutter mitbekommen, um ausgeglichen und mitfühlend mit meinen Mitmenschen umgehen zu können und mein Leben sinnvoll zu gestalten.

Quelle und Fotos:

Dieter J. Maier

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Anmerkung der Redaktion:

Saar Report dankt dem Presseteam der  PSM & W Komunikation für die freundliche Unterstützung