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Archiv für November, 2009

Interview mit Musical-Komponist Frank Nimsgern

19. November 2009 Keine Kommentare
frank-nimsgernDie großen Bühnen der Welt, wie die Met in New York oder die Mailänder Scala, kennt Komponist Frank Nimsgern seit seiner frühen Kindheit. Schon seinem Vater Siegmund Nimsgern gelangen dort als international bekannter deutscher Opern- und Konzertsänger große Durchbrüche. Kein Wunder, dass auch sein Sohn seit der Gründung der Frank Nimsgern Group im Jahr 1988 im Mittelpunkt der deutschen Musikwelt steht. Mit seinem jüngsten Musical „Phantasma“ feierte der gebürtigen Saarbrücker am 7. November im Saarbrücker Staatstheater wieder einmal einen ganz großen Erfolg im deutschen Musikgeschäft, in dem er sich seit über 20 Jahren behauptet. Nimsgern gelang mit Musicals wie „Paradise of Pain“, „Elements“ und  „Hexen“ die Herausforderung, für ein buntgemischtes Publikum zu schreiben und seit den Neunzigern auch als Werbefilmkomponist, Komponist und Arrangeur zu arbeiten. Dabei entstand in den Jahren 2000 bis 2005 unter anderem die Filmmusik zu neun Tatort-Folgen und diverse Filme für SAT1 oder Pro7. Neben seinem künstlerischen Schaffen gelingt ihm zugleich als Produzent und Unternehmer auch die international erfolgreiche Verwertung  seiner Stücke. Für seine Arbeit wurde Frank Nimsgern mit bedeutenden Preisen, wie der Goldenen Europa 2000 und dem ARD-Fernsehpreis bedacht. Nimsgern ist hier zu Lande ein Star und so wurde auch sein neuestes Musical „Phantasma“ am Saarländischen Staatstheater zu einem gesellschaftlichen Ereignis, bei dem sich neben  Schlagerprominenz wie Ingrid Peters und Guildo Horn auch eine breite Ministerriege und  jede Menge Wirtschaftsprominenz zeigte. Dass seine neueste Produktion allerdings in vielen Einzelheiten Parallelen zum Leben von Michael Jackson zieht, war im Nachgang auch für Frank  Nimsgern eine Überraschung: „Diese Parallelen zu Jackson sind auch für mich unglaublich, zumal ich dieses Stück vor vier Jahren angefangen habe zu schreiben und somit sein tragische Ende  nicht voraussehen konnte“, so Frank Nimsgern gegenüber Saar Report. „Die Geschichte in unserem Musical  zeigt das Leben des imaginären Show-Stars Giorgio Phantasma, der für den Erfolg sein Glück  opfert. Er gibt sein  letztes, großes Konzert und  zum ersten Mal in seinem Leben ein exklusives Interview. Kurz phantasma1vor der Aufführung bricht er zusammen und wird in  ein Krankenhaus eingeliefert. Dort erzählt er seine Lebensbeichte, die bereits vor 100 Jahren in Paris beginnt und ein  schreckliches Geheimnis birgt. „Als ich anfing dieses Musical zu schreiben, war ich mir nicht bewusst, wie aktuell die Ereignisse darin das Leben von Jacko widerspiegeln würden. Als wir dann noch die  Szene mit dem jungen Michael Jackson mit eingeflochten haben, war das dann wirklich noch die Kirsche auf der Torte. Wir werden diese Szene  jetzt  nicht mehr herausnehmen, aber ich überlege mir, ob ich das Ende umschreibe, gerade weil die Ereignisse um seinen Tod seit dem vergangenen Sommer  regelrecht eskaliert sind. Solange jemand lebt, kann man durchaus auch ironisch werden, aber wenn jemand wie er gerade auf so tragische Weise verstorben ist, dann muss man schon die Würde der Person zu wahren wissen. Als ich von  Jacksons Tod  erfuhr, war ich schockiert, wie stark sein Leben in unserem Musical wieder auftaucht, da er, genau wie die Figur in meinem Stück, in einer Art Plastikwelt lebte und am Ende auch den Tod gewissermaßen suchte“, so Nimsgern weiter.

Saarbrücken erlebte mit der Musical-Uraufführung von Frank Nimsgerns „Phantasma“ wieder eine aufregende musikalische Zeitreise durch das 20. Jahrhundert, das, ausgehend von Jacques Offenbachs phantastischer Oper «Hoffmanns Erzählungen», eine moderne Parabel vom hohen Preis des Erfolgs erzählt. Dabei bemisst der 40-jährige sein künstlerisches Schaffen längst in größeren Dimensionen: „Ich suche immer die Herausforderung und für mich ist dieses musikalische Schubladen-Denken, das momentan in Deutschland herrscht, nicht mit meinen musikalischen  Vorstellungen vereinbar. Wenn ich selbst einmal zum Musikhören komme, was aufgrund meiner vielen musikalischen Verpflichtungen sehr selten der Fall ist, dann höre ich meistens die Musik, die ich gerade nicht mache. Als ich mit Anna Netrebko in London arbeitete, hörte ich zur  Entspannung auf dem Rückflug nach Saarbrücken am liebsten Rockmusik, aber ich liebe auch  Musikstücke von Strauß, Wagner oder Mozart. Ich versuche stets meinen Kopf für Neues frei zu halten. Die Klassik-Welt  hat meiner Meinung  nach noch nicht registriert, dass die heutige Filmmusik die Fortsetzung der einstigen Spätromantik  ist. Ich habe beide Musikrichtungen studiert und für mich macht es heute keinen großen Unterschied, ob ich mich mit Klassik oder Moderne beschäftige, da es für mich hauptsächlich auch um musikalische  Energiefreisetzung geht. In meinem Musical „Phantasma“ geht es nicht nur um Liebe und Tod, sondern  auch um  Bewusstseinserweiterung, die sich in einer Art Selbstzerstörung  auflöst und ich hoffe, dass das Publikum mit neuen, musikalischen  Eindrücken nach Hause geht“.

Auf die Frage, ob der Einfluß seines Vaters Siegmund Nimsgern entscheidend für seine spätere musikalische Entwicklung war, antwortet Frank  Nimsgern ungezwungen: „Es war eine Ausbildung, die durch die persönliche Beziehung sehr intensiv war. Wir sind mit meinem Vater durch die ganze Welt gereist und ich habe dadurch unbezahlbare Eindrücke in die große Welt  der Musik gewonnen. Mein Vater gab sein Debüt am Saarländischen Staatstheater und wechselte später nach Düsseldorf. Von dort startete er seine internationale Operntätigkeit und wirkte als Bariton u. a. an der Mailänder Scala, als Verdi Barition und später bei den Bayreuthern Festspielen als Wotan im Ring unter Sir Georg Solti, sowie an der Convent Garden Opera in London. Aber ich habe trotz der musikalischen Beeinflussung durch meinen Vater immer versucht, meine eigene Richtung zu finden und mich künstlerisch selbst weiter zu entwickeln“.

Gerade weil sich das  progressive Musical derzeit beim jüngeren Publikum größter Beliebtheit erfeut, setzt  sich Frank Nimsgern weiter dafür ein, dass seine Produktionen auch in Zukunft außerhalb des Saarlandes in anderer Städten gesehen werden. Nimsgerns Fazit hierzu: „Ein Musical muss eine Geschichte erzählen und mit seiner Musik Emotionen erzeugen, die  mit Worten nicht mehr auszudrücken sind. Bei meiner Revue wie z.B. „Qi“, z. Zt. im Berliner Friedrichstadtpalast, führt die musikalische Kraft das Publikum so, dass es die Musik mit allen Sinnen wahrnehmen kann. In einem dramaturgisch gut gebauten Musical wie „Phantasma“  ist es besser, wenn die Musik gegenüber der Geschichte etwas in den Hintergrund tritt und somit der gesamten Aufführung mehr Kraft und Intensität verleiht. Als Komponist muss ich mich immer in die jeweilgen Charaktere hineinversetzen, gerade weil ein Musical viel provokanter und extremer sein darf „.

Quelle:

Dieter J. Maier

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Prinzessin Stéphanie von Monaco zu Gast in Mettlach

von-boch-und-prinzessin-stefanie-monaco-032Als Vorsitzende und Gründerin der Stiftung „Fight Aids Monaco“ besuchte Prinzessin Stéphanie von Monaco am 6. November zusammen mit dem Mitglied des Aufsichtsrats, Luitwin Gisbert von Boch, das deutsch-französische Unternehmen Villeroy & Boch in Mettlach. Ziel und Aufgabe der von Villeroy & Boch unterstützten „Fight Aids Monaco“ ist es, an AIDS erkrankten Menschen und deren Familien psychologisch und materiell zu unterstützen. Die Stiftung organisiert informative Treffen an Schulen und Universitäten, sammelt Spenden im Rahmen von Wohltätigkeitsveranstaltungen und unterstützt Forschungsprojekte. Im Hinblick auf die Bedürfnisse der an AIDS erkrankten Menschen war es die Idee der Prinzessin, ein spezielles Refugium, das „Maison de vie“, zu schaffen, das mit speziellen Hilfsmaßnahmen für AIDS-Kranke ausgerüstet wird.

Nach der Grundsteinlegung im Mai dieses Jahres wurde auf einem 4500 m² großen Grundstück in der provencalischen Stadt Carpentras ein ca. 1000 m² umfassendes Areal geschaffen, das aus zwei Einheiten besteht. In der ersten Einheit befinden sich spezielle Räumlichkeiten wie Restaurant, Rezeption, Büros, Aufenthaltsräume, Mehrzweckraum, Krankenstation, Wäscherei etc. Die zweite Einheit bietet 8 Einzelzimmer und 10 Doppelzimmer  sowie ein Kinderzimmer. Insgesamt können auf diese Weise im „Maison de vie“ 28 Personen leben. „Die Einrichtung ist so gestaltet, dass auch  Menschen mit eingeschränkter Mobilität bestmöglich untergebracht sind. Im Hinblick auf die speziellen Wünsche und Bedürfnisse der an AIDS erkrankten Menschen gab ich selbst den Anstoß, diese nicht-medizinische Einrichtung so gestalten zu lassen, dass nicht nur den Betroffenen Rückzugsmöglichkeiten, psychologische Hilfe und medizinische Betreuung geboten werden, sondern auch noch Raum für persönliche Lebenqualität bleibt“, so Prinzessin Stephanie in perfektem Französisch gegenüber Saar Report. Bei ihrem Aufenthalt in Mettlach nutzte die jüngste Tochter von Fürst Rainier die Gelegenheit, das Projekt und ihre Arbeiten im Detail vorzustellen, doch dies war nur ein Grund, warum das Hauptinteresse der breiten Öffentlichkeit an diesem Tag ganz besonders Prinzessin Stephanie und nicht nur ihrer Stiftung oder dem sozialen Engagement des Mettlacher Traditionwerks galt.

Mit ihrem Lebensstil und Affären hatte die Prinzessin von Monaco jahrzehntelang für Schlagzeilen gesorgt.von-boch-und-prinzessin-stefanie-monaco-030 Stéphanie wuchs in Monaco auf und legte ihr Abitur an einer staatlichen Schule in Paris ab. Sie begann eine Ausbildung zur Modedesignerin, die sie aber vorzeitig abbrach, um als Assistentin bei Dior und später als Fotomodell zu arbeiten. Am 13. September 1982 verunglückte die Prinzessin zusammen mit ihrer Mutter auf einer Bergstraße zwischen La Trubie und Monaco und überlebte den Unfall mit schweren Verletzungen der Halswirbelsäule. Ihre Mutter erlag am folgenden Tag ihren Verletzungen. Stéphanie verkraftete den Tod ihrer Mutter und die Vorwürfe, den Unfallwagen selbst gesteuert zu haben, nur schwer. Sie ging ihre eigenen Wege, versuchte sich als Model, entwarf Mode und startete eine Karriere als Popstar. Nach ersten, großen Erfolgen mit einigen Songs schlief dieses Engagement aber bald wieder ein. Genauso unstet schien aber auch ihr Privatleben zu sein. In die Schlagzeilen geriet die Prinzessin immer wieder wegen ihrer häufig wechselnden Liebschaften. So war sie mit den Söhnen der französischen Filmstars Jean Paul Belmondo und Alain Delon zusammen, anschließend mit dem Makler Jean-Yves Lefur. 1995 heiratete sie ihren damaligen Leibwächter, die Ehe wurde jedoch bereits 1996 wieder geschieden. 2003 heiratete sie den zehn Jahre jüngeren Artisten Adans Lopez Peres, aber auch diese Verbindung gehörte nach nur einem Jahr wieder ihrer Vergangenheit an. Musikalisch veröffentlichte sie 1991 mit „Stéphanie“ ihr zweites Album, das kein großer Erfolg wurde. Im selben Jahr nahm sie außerdem zusammen mit Michael Jackson den Song „In the closet“ für Jackos Album Dangerous auf. Danach legte sie ihre Pop-Karriere für längere Zeit auf Eis und  beteiligte sich 2006 am französischen Benefiz-Song „L’or de nos vie“, dessen Erlöse an die Aids-Forschung gingen.

Inzwischen ist das jüngste Kind der Fürstenfamilie Grimaldi erwachsen und reif geworden. Nach zwei gescheiterten Ehen und Affairen, aus denen zwei eheliche und ein uneheliches Kind hervorgingen, wohnt die Fürstentochter inzwischen wieder mit ihren Kindern zu Hause in Fürstentum Monaco und kümmert sich dort u.a um ihre AIDS-Stiftung und die zahlreich stattfindenden Wohltätigkeitsveranstaltungen. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihrer Mutter, die, nach ihrer Heirat mit Fürst Rainier von Monaco, Glanz, Glamour und weltweite Aufmerksamkeit auf das kleine Fürstentum gezogen hatte. Seit dem Tod von Fürstin Gracia Patricia haben Stéphanie und ihre ältere Schwester Caroline mehr und mehr neben den eigenen auch die repräsentativen und gemeinnützigen Aufgaben der Mutter übernommen und sorgen heute -zusammen mit ihrem Bruder Fürst Albert- dafür, dass Monaco weiterhin ein Treffpunkt der Society aus aller Welt ist und bleibt.

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Dieter J. Maier

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Interview mit Reinhold Messner

messnerFast jeder kennt ihn: Reinhold Messner – Gipfelstürmer und Grenzgänger aus Südtirol. Aufmerksamkeit, nicht nur unter Bergsteigern, erregte 1978 die bis dahin als unmöglich erachtete Besteigung des Mount Everest (8850 m) ohne künstlichen Sauerstoff. Aber auch andere Höchstleistungen, wie verschiedene Erstbegehungen, der erste Alleingang auf den Everest, die erste Achttausender-Doppelüberschreitung oder die erste Besteigung aller Achttausender dieser Erde, gehen auf ihn zurück. Mit Saar Report sprach der Extrembergsteiger in der Illinger Illypse im Rahmen seiner neuen Buchvorstellung über vollbrachte Höchstleistungen, u.a. am Mount Everest, bergsteigerische Fähigkeiten  und seine zahlreichen Reisen.

Dieter J. Maier:

Der CDU-Politiker Heiner Geisler sagte einmal über Sie, dass eine Ihrer herausragendsten Fähigkeiten die Kunst des Überlebens sei. Wie sehen Sie diese Aussage von Heiner Geisler persönlich?

Reinhold Messner:

Dieses Bekenntnis von Heiner Geisler über mich ehrt mich sehr. Herr Geisler ist selbst immer ein sehr passabler Bergsteiger gewesen und er weiß aus eigener Erfahrung, wie anstrengend es  ist, schwierige Routen zu schaffen und hohe Berge zu besteigen, ohne dabei umzukommen. Wenn ich heute zurückblicke und sehe, wie viele schon aus meiner Generation ihr Leben am Berg verloren haben, dann kann ich nur dankbar sein, all diese gefahrvollen Touren, die ich im Laufe meines Bergsteiger-Lebens gemacht habe, fast unbeschadet überstanden zu haben. Ich bin ein Leben lang in der glücklichen Lage gewesen, durch meine Leidenschaft, das Bergsteigen, weit hinauszugehen, durch die Antarktis, zum Mount Everest, durch die Wüste  Gobi, bis fast an das Ende der Welt.  Hier habe ich meine Erfahrungen gesammelt und fühle mich heute als der Stellvetreter für all jene, denen es aus Zeit- oder gesundheitlichen Gründen nicht gelungen ist, solche Reisen zu unternehmen. Ich erzähle auf meinen Vorträgen Geschichten aus meinem Leben und beschreibe darin die Welt, die ich auf meinen Touren vorgefunden habe, eine Welt und Natur, die sich dauernd und ständig verändert und verändern wird.

Dieter J. Maier:

Was fasziniert Sie bei Ihren Extremtouren durch Alaska, die Antarktis oder durch die Gletscher Ihrer Heimatberge am meisten?

Reinhold Messner:

Es kommt mir bei vielen Bergtouren, v.a. in der Antarktis oder auf tiefverschneiten Gletschern immer vor, als würde ich in der Eiszeit unterwegs sein. Die Dolomiten, meine Heimatberge, waren vor 20 bis 25 Tausend Jahren vom Eis bedeckt, nachdem sie vorher im Meer endstanden und durch die Kontinentalverschiebung in die Höhe gehoben wurden. Ich finde es selbst unglaublich, dass diese Berge vor 350 Mio Jahren tatsächlich im  Meer als Korallenriffe entstanden sind. In der Eiszeit waren diese Berge dann wieder vollständig von Eis bedeckt und zwar so stark, dass man über eine Eiskappe von den Dolomiten bis nach Venedig hätte  gehen können, wenn es Venedig damals schon gegeben hätte. Das ist aber nur ein Beispiel, wie stark diese Berge damals vereist und von Schnee vollständig bedeckt waren.Von daher ist es für mich als Bergsteiger und Grenzgänger immer wieder faszinierend, in das Buch der Erdgeschichte einzutreten und dort ganz andere zeitliche Dimensionen zu finden. Hunderte Millionen von Jahren, die im Vergleich zum Menschenleben zeitlich nicht mehr zu messen sind.

Dieter J. Maier:

Ist der Begriff des ewigen Eises auf Grund der globalen Erderwärmung heute noch zeitgemäß?

Reinhold Messner:

Der Begriff des ewigen Eises hat sich heute  langsam sondiert. Das Eis schmilzt besonders an den Gletschern und in der Antarktis, weil die globale Erwärmung überall ihre Folgen zeigt. Der Dolomit verbirgt allerdings noch eine ganz besondere Gefahr, denn im Sommer dringt Feuchtigkeit in die Felsritzen ein und sprengt diese Felsen, so dass man beim Klettern permanet aufpassen muss, nicht doch noch von einem Felsbrocken erschlagen zu werden. Vor kurzem erlebten wir diesbezüglich in meiner Heimat eine Katastrophensituation, weil z. T. riesige Trümmer aus den Wänden der Berge herausbrechen. Das hat einen besonderen Grund. Während der Eiszeit hat sich zwischen dem Fels in den Ritzen eine Art Kitt gebildet, der aus Lehm und gefrorenen Eiskristallen besteht. Wenn nun durch die globale Erwärmung dieser Kitt, der den Fels mit dem Hauptmassiv zusammenhält, verschwindet, dann brechen große Felsbrocken, oft so groß wie ein Wolkenkratzer, hinab ins Tal und begraben z.T. Dörfer und Städte, die wegen des anwachsenden Tourismus sehr nahe an die Berge heraungebaut sind. Es ist aber auch erfreulich zu wissen, dass sich kein Fels zum Klettern besser eignet als der Dolomit. Das liegt daran, dass der Dolomit eben in seinem Ursprung ein Korallenriff gewesen ist und somit viele Felsritzen und Spalten zum Festkrallen bietet und die Felskletterei ist nun einmal seit meiner Kindheit meine Leidenschaft.

Dieter J. Maier:

Wie kamen Sie dazu, sich von frühester Jugend an dem Bergsteigen bis hin zu Extremtouren hin zu widmen?

Reinhold Messner:

Ich bin in Südtirol nach dem zweiten Weltkrieg in  bescheidenen Verhältnissen aufgwachsen. In meinem Heimattal gab es weder einen Fußballplatz noch ein Schwimmbad. Aber irgendwie wollten wir Buben uns auch austoben und so sind wir auf Grund der nahen Berge zum Klettern gekommen. An den Felsmassiven, die für uns auf Grund der damals noch unvollständigen Ausrüstung gerade noch erreichbar waren, übten wir oft tagelang, bis sich unsere Technik auch ohne große Hilfsmittel verfeinert hatte. Dies war ein schönes, aber doch relativ gefährliches Spiel und so kam ich zu meiner ersten Leidenschaft, dem Felsklettern. Beim Felsklettern braucht man vor allem Geschicklichkeit, Gleichgewichtssinn und Konzentration. Wenn man große Felswände besteigen will, ist auch zunehmend Erfahrung notwendig, denn sonst bringt man sich schnell selbst in Gefahr. Die Natur ist jeden Tag anders und somit ist der Umgang mit ihr, v.a. für Kletterer und Extrem-Bergsteiger, sehr kompliziert. Wenn sich beispielsweise das Wetter schlagartig ändert, müssen wir uns als Bergsteiger natürlich schnell anpassen und das kann mitunter schwierig werden, wenn man nicht über ausreichend Erfahrung verfügt. Die Fehler macht nämlich immer nur der Mensch und nicht die Natur. Ich spüre beim Felsklettern in meinem ganzen Wesen immer, dass es gefährlich ist, was ich tue und von daher muss jeder Schritt und Tritt unter meiner Kontrolle bleiben und sehr überlegt sein. Ich habe gut zwanzig Jahre lang am Eis und in den Dolomiten geklettert und die Konzentration, die ich mir angeeignet habe, ist bei jedem Schritt größer geworden, so dass ich heute nicht nur über eine große Erfahrung verfüge, sondern auch über eine relativ große Sicherheit. Wer beim Felsklettern nicht hochkonzentriert ist, kommt nicht weit oder er stürzt ab. Man muss hierbei ganz genau schauen, in welche Felsritzen man seine Finger oder Schuhsohlen legt. Beim Felsklettern verschwimmt der ganze Mensch mit dem Fels und dem Berg während er hinaufsteigt und hierbei erreicht man einen Fließ- oder Schwebezustand, der in die höchsten Glücksgefühle versetzt. Durch dieses permanete Üben, durch Versuch-Irrtum-Erfolgserlebnis, ensteht ein Rythmus, der mich die Wand hochfließen lässt und Zeit und Raum aufhebt.

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Dieter J. Maier:

Her Messner, vielen Dank für das Gespräch

Anmerkung der Redaktion:

Saar Report dankt der Buchhandlung Kerpen in Illingen für die freundliche Unterstützung.

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Shakespeares Sommernachtstraum mit Weltstar Klaus Maria Brandauer

klaus-maria-brandauerAuch nach mehr als 400 Jahren ist William Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ von bezaubernder Intensität und hat seit jeher Dichter, Komponisten und Schauspieler zu unterschiedlichsten Inszenierungen inspiriert. Dass aber ein Mann Shakespeares Traumgestalten zu einen Gesamt-Ensemble in sich vereinigt und deren vulnerabelen Charaktere gegeneinander ausspielt, das hätte sich das englische Ausnahme-Genie sicher selbst nicht träumen lassen.

In den rund 90 Minuten vewandelte sich Weltklasse-Darsteller Klaus Maria Brandauer am vergangenen Freitag im Saarbrücker Staatstheater in rund zwanzig Rollen und löste allein mit der Kraft der Sprache die Knoten der verwickelten Beziehungskomödie mit überlegener Ruhe oder hektischem Sprachgewirr. Er mimt den zornbesessenen Oberon, der später gnädig gestimmt und von Reue geplagt sein eigenes Handeln in Frage stellt ebenso kraftvoll wie den närrischen Kobold Puck, der mit einer vom Liebesrausch betäupten Titania verschwindet.

Um es schon vorweg zu nehmen: Eine Klassikzertrümmerung hat Klaus Maria Brandauer mit Shakespeares Sommernachtstraum nicht veranstaltet, wohl aber brachte er eine neu aufgearbeitete und sehenswerte Version des 400 Jahre alten Klassikers über die Wirren und Abgründe der Liebe auf die Bühne. Und genau das hatte sich der Burgschauspieler auf Lebenszeit mit seiner Neuinszenierung auch vorgenommen. Waren die bisherigen Interpretationen des Stückes vor allem durch die klassische Ausdruckskraft des Bühnenbildes und der Schauspieler aufgefallen, so gewann das bittersüße Verwirrspiel um Liebe und Enttaüschung hauptsächlich durch Brandauers grandios dargestellte, sinnlich wirkende Traumwelt. Neben Demetrius, dem wieder die unglückliche Helena nachläuft und verzaubert vom Gift des Puck, mutieren die vormals harmlosen Provinzteenager alsbald zu rücksichtslos um ihren Liebesvorteil kämpfende Rivalen. Auch Oberons schrille Gefährtin Titania leistet sich, von Drogen vernebelt, ein Abenteuer mit dem eselsköpfigen Zettel, der durch Brandauers grandiose Darstellungskraft dem pikanten Stoff seine urprünglich anarchische Bedeutung zurückgibt.

Die weltbekannten Stücke des William Shakespeare wurden bereits unzählige Male aufgeführt und sogar verfilmt. Dass hinter diesem Genie auch ein Mensch und kein Mythos steckte, ist wohl nur den Wenigsten bewusst. Shakespeare beschäftigte sich jedoch zeit Lebens mit den menschlichen Rührungen und Schwächen, was zum wunderbaren Stoff dieser fiktiven Komödie führte, die sich mit den Liebesfreuden und -leiden beschäftigt. Die modern konzipierte Inszenierung von Klaus Maria Brandauer bot den Zuschauern sowohl intelligenten Witz als auch romantischen Herzschmerz. Dennoch kam die Liebe auch hier – an unerwarteter Stelle – zu ihrem Recht, die Dank Brandauers schauspielerischer Darstellungskraft von tiefgründigem Humor unverhofft zu berührender Innigkeit wechselte.

Begleitet wurde  Brandauers Theaterkunst vom Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher, die ihre gefühlvolle Interpretation von Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik vom verzaubernden Spiel der Liebeslust  bis hin zur traum-romantischen Sonate in Dur begleiteten – zur Freude des genießenden Publikums.

Klaus Maria Brandauer ist sowohl emotional als auch körperlich ein Mensch der Kraft und Masse und sein Name, wie auch seine Persönlichkeit ziehen fast magnetisch an. Bei ihm, dem Weltstar, ist allerdings auf der Bühne jede Bewegung auf Wirkung und Ausdruck ausgelegt und auch für sich selbst bestimmt er stets, wo ein Traum endet und das Leben beginnt.  Der Schauspiel-Titan las die  verschiedenen Rollen mit herausragender Intensität und arbeitete ebenso viel mit Wortspielen und Mimik, sodass man sich oft fragen musste, ob der rote Faden, der anfangs behauptete feine Unterschied zwischen Sein und Traum, sich nicht schon längst verselbständigt hatte . Man spürte deutlich, dass Brandauers Spontanität, seine Sprunghaftigkeit und mitunter auch seine anstrengende Vitalität und Lebensfreude in all den vergangenen Jahrzehnten nicht nachgelassen hat – zur Begeisterung, aber auch zur Überraschung aller, die sich auf ihn einlassen. Seine Präsenz ist, wie er oft selbst eingesteht, aggressiv und daran hat sich nie etwas geändert. Somit blieb Klaus Maria Brandauers Solo-Auftritt auch an diesem Abend nie eine Antwort schuldig und beherrschte  mit detailliert ausgespielten Gesten die Zuschauer, die ihm bis zur letzten Minute begeistert durch seine Traumspoesie folgten.

Quelle und Foto:

Dieter J. Maier

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