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Archiv für Mai, 2010

Klavierkonzert mit Rudolf Buchbinder im Wiesbadener Kurhaus

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Kraftvolle  und dennoch fießend romantische Orchestermusik boten am 14.Mai in Wiesbaden der bedeutenden österreichischen Pianisten Rudolf Buchbinder zusammen mit  dem Italiener Gianandrea Noseda am Pult des BBC Philharmonic Orchestra, das sich nicht nur hierzulande durch zahlreiche Plattenaufnahmen, aber auch durch Querschnitte seines ambitionierten zeitgenössischen Klassik-Repertoires einen Namen machte. Nach regelmäßigen Jahres-Tourneen durch Japan, USA und Europa gelang es den BBC Philhamonikern trotz massiven Zeitdrucks, ihre zupackende Brisanz  auch  im Wiesbadener Kurhaus zu präsentieren.

Auffallend waren vor allem bei Brahms 2. Klavierkonzert in B-Dur op 83 die subtil-gepflegten, einheitlichen Streicher, die mit großzügiger Bogenführung spontan öfter ins Mechanische abtrifteten, ohne dabei das extrem musikdramatische Stück außer Acht zu lassen. Brahms Klavierkonzerte sind für jedes Orchester eine besondere Herausfordeung, wobei im Falle der BBC Philharmoniker eine ergreifende Spielfreude deutlich wurde, gerade weil Gianandrea Nosedain in manchen Orchesterpassagen nicht viel mehr sah, als eine wohlig verpackte Hülle für seine hinreißend fließende Spielkultur. Rudolf Buchbinders Interpretation  machte dennoch aus Brahms mit Krisenspannungen überschüttetem Expressivitäts-Werk eine träumerische Wiederaufführung  romantischer Musik-Idylle, aus deren aufreizend kokettierenden Miniaturen  man die weiter Handlung durchaus ablesen konnte.

Einen Klavierabend vorzubereiten, das gehört für Rudolf Buchbinder zur Routine, zumal der weltreisende Österreicher nicht zu jenen Pianisten zählt, die sich monatelang  mit ein und demselben Programm beschäftigen. Diesmal konnte sich der Künstler für seinen Auftritt in Wiesbaden mit Brahms „leidenschaftlichem Opus an die geläuterte Reife der Musik“  vollends ausleben, gerade weil er auch seit seinen musikalischen Anfängen den eigenen Maßstäben gegenüber immer wieder ihre Grenzen verweigert.

Schon mit neun Jahren hatte das im tschechischen Litomerice geborene „Wunderkind“ seinen ersten öffentlichen Auftritt am Klavier und absolvierte  bereits mit  elf Jahren die Meisterklasse. 1961 gewann er mit dem Wiener Trio den 1. Preis bei einem Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks und bereits 1962 erhielt er die Lipatti-Medaille. Danach betätigte sich Buchbinder vor allem als Kammermusiker. 1966 gewann er den Van-Cliburn-Preis und 1967 den 1. Preis beim Beethoven-Klavierwettbewerb, der Beginn seiner erfolgreichen internationale Karriere. Seit mehr als zehn Jahren ist Buchbinder ständiger Gast einer Reihe großer Festivals, darunter die Salzburger Festspiele. Heute tritt  Rudolf Buchbinder in allen wichtigen Konzertsälen der Welt auf, daneben leitet der leidenschaftliche Amateur-Maler an der Musikakademie der Stadt Basel eine Meisterklasse für Klavier und das Musik-Festival Grafenegg.

Quelle:

Dieter J. Maier

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Literatur-Lesung mit Nobelpreisträgerin Herta Müller

herta-muller-in-edenkoben-005Der Anfang ihres Buches trägt den Thematik schweren Satz: „Alles, was ich habe, trage ich bei mir“, und dieses wurde schon vor  Herta Müllers Auszeichnung mit dem Literatur-Nobelpreis nicht nur in deutschen Literaturkreisen als „Meisterwerk“ ausgerufen. Nun stellte die medienscheue Schriftstellerin ihr ergreifendes Werk  „Atemschaukel“ am vergangenen Sonntag im Rahmen einer Bücherlesung im Künstlerhaus Edenkoben der Öffentlichkeit vor, wobei es ihr hauptsächlich um die Darstellung der inneren Kraft ging, die sich  aus dem Schrecken von Hunger und Hoffnungslosigkeit speist.

Eigentlich wollte Herta Müller nie wirklich Schriftstellerin werden – doch seit Anfang der neunziger Jahre gehört sie mit Romanen wie  „Herztier“ und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ zu den bedeutendsten Autoren der internationalen Literatur, deren Leben und Werk von Erfahrungen der deutschen und rumänischen Diktatur und dem Gefühl der inneren Fremdheit geprägt und durchtränkt ist. In ihrem im Sommer 2009 erschienene Roman „Atemschaukel“ vermittelt Herta Müller mit der  einzigartigen Kraft der Poesie und Sachlichkeit ihrer Schilderungen die Irritation und Grausamkeit der Heimatlosigkeit ohne Ausweg, in dem sie das Schicksal eines Deportierten in einem sowjetischen Lager schildert. Die sensationelle Ehrung ihrer Prosa folgte umgehend: Noch im gleichen Jahr der Bucherscheinung erhielt die 56 jährige in Stockholm den Nobelpreis für Literatur.

Unter den Favoriten für den Literaturnobelpreis galt sie lange als Außenseiterin. Doch das Lebenswerk der deutsch-rumänischen Autorin überzeugte mit den schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime, dem die im seinerzeit deutschsprachigen Banat geborene Autorin nach Eingriffen der Zensur in ihr erstes Buch und wiederholten Verhören und Hausdurchsuchungen 1987 entkommen konnte, als sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise beantragte und nach Deutschland ausreiste. Nach ihrem 1984 erschienen Roman “ Niederungen“  folgten Prosabände wie  „Reisende auf einem Bein“,  „Herztier“ und „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“, der das Fremdsein in der neuen Heimat auf drastische Weise wiederspiegelt. Die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees für ihr literarisches Werk war 25 Jahre später jedoch eindeutig: Herta Müller zeichne sich „mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa, sowie Landschaften der Heimatlosigkeit“ aus, ebenso benutze sie eine phantastische Sprache, die sie unverwechselbar mache.

Die Entscheidung für Herta Müller kam nicht unerwartet, denn das Schicksal der zierlichen Wahl-Berlinerin ist untrennbar mit ihrem Werk verwoben. Müller lebt zwar seit langem in der Landeshauptstadt Berlin, doch ihre familiären Wurzeln hat sie im deutschsprachigen Banat in Rumänien. Was sie dort erlebte, verarbeitete und  thematisierte sie ihren Romanen, obwohl, auf Grund der dramatischen Erlebnisse, Rumänien nie wirklich zu ihrer Heimat geworden ist.

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Quelle, Film-und Fotoaufnahme:
Dieter J. Maier
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Festakt zum 80. Geburtstag von Dr. Helmut Kohl in Ludwigshafen

007Beim Festakt aus Anlass des 80. Geburtstags von Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl in Ludwigshafen hat gestern  Ministerpräsident Kurt Beck dessen landespolitische Verdienste gewürdigt und die enge Verbundenheit zur rheinland-pfälzischen Heimat betont.

Unter den etwa 800 Gästen waren Bundespräsident Horst Köhler, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundskanzlerin Angela Merkel, Oberbürgermeisterin Eva Lohse, zahlreiche Mitglieder der Bundes- und Landesregierung sowie viele Weggefährten des früheren Bundeskanzlers. Ministerpräsident Kurt Beck gratulierte Helmut Kohl im Namen der Landesregierung und aller rheinland-pfälzischen Bürgerinnen und Bürger und dankte ihm für seine Leistungen. Beck würdigte besonders Kohls Europapolitik: „Sie haben die großartige Chance genutzt, Europas Einigung voranzutreiben. Uns bleibt Dankbarkeit und großer Respekt“, sagte Ministerpräsident Beck.

Der junge Landtagsabgeordnete Kohl habe zielstrebig seine Idee von Politik verfolgt und sie zunächst als jüngster Fraktionsvorsitzender, dann als jüngster Ministerpräsident des Landes auch umgesetzt. „Ungestümer Rebell“ und „Reformer“ seien die Beinamen gewesen, die man Helmut Kohl in dieser Zeit gegeben habe. „Als Ministerpräsident haben Sie Rheinland-Pfalz vorangebracht. Aus einem Agrarland wurde ein moderner Wirtschafts- und Verwaltungsstaat. Es ist Ihnen gelungen, eine Verwaltungs- und Strukturreform parteiübergreifend durchzusetzen. Die verkehrs- und wirtschaftsgeografische Lage des Landes wurde konsequent zum Vorteil genutzt. Und es war für Sie selbstverständlich, dass Rheinland-Pfalz Aussöhnung und Freundschaft in Europa besonders pflegt“, so Ministerpräsident Beck.

Schon früh habe Helmut Kohl seinen Blick über die Landesgrenzen hinaus gerichtet. Die Partnerschaft mit Burgund und die Pflege der engen Beziehungen zu Luxemburg beispielsweise belegten dies deutlich. Kurt Beck: „Ihnen war bewusst: Verständigung, Zusammenarbeit und Gemeinschaft – das ist der einzig erfolgreiche Weg für uns Deutsche. Ihnen ist bewusst: Die früheren Generationen haben die besten Jahre ihres Lebens in den Gräben oder auf den Schlachtfeldern zwischen Deutschland und Frankreich verbracht. Sie sorgten mit dafür: Wir können die besten Jahre unseres Lebens zur Vertiefung der Freundschaft zwischen den europäischen Ländern nutzen.“

Mit einem Schmunzeln bemerkte der Ministerpräsident, dass die Staatskanzlei in Mainz die Erinnerung an Helmut Kohl wach halte. So sei der Weinkeller seit seiner Regierungszeit fast unverändert geblieben, und in seinem Amtszimmer hänge immer noch ein Bild von Max Slevogt aus jener Zeit.

Die Laudatio hielt nach Grußworten die Oberbürgermeisterin, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Alt-Bundespräsident Roman Herzog. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

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Foto und Filmaufnahmen: Dieter J. Maier

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Mit Schnurrbart und Sahne – TV Koch Horst Lichter in Zweibrücken

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Von einer ganz neuen Seite zeigte sich TV-Koch Horst Lichter im Rahmen seiner neuen erfolgreichen Tournee am 30. April in der Zweibrücker Westpfalzhalle. Die rheinische Frohnatur hatte als Verfechter von viel Sahne und Butter wieder einmal viele seiner bodenständigen Rezepte mitgebracht und ging mit direkter Art und rheinische Schnauze den Dingen von Anfang an auf den Grund. Doch so unterhaltsam der Ausnahme-Fernsehkoch und Restaurantbesitzen seine Gaumenfreuden auch präsentierte,es fehlte oft die Zeit, auf die einzelnen Rezepte genauer einzugehen. Ginge es nach Horst Lichter, könnte man nach allen Geschmackssinnen mit vollem Munde Butter und Sahne verspeisen, ohne sich dabei auch nur im geringsten Gedanken über mögliche Kalorienzunahme zu machen.

Bei „Sushi ist auch keine Lösung!“ ließ somit Horst Lichter allen Zuschauern das Wasser im Munde zusammenlaufen, die sich ohnehin schon mit dem Gedanken quälten, außerhalb von Lichters Welt  wieder einmal mit fleischlosen Tellern konfrontiert zu werden. Denn Horst Lichter macht seinen Zuschauern vor allem mit seinen unterhaltsamen und kuriosen Anekdoten aus der Geschichte des Essens Appetit auf mehr. Dabei wurde unlängst allgemein schon der Vorwurf laut, seine Fernsehkollegen nehmen es heute bei der Vielzahl an gegenseitigen Kochduellen mit den einst so hohen Ansprüchen nicht mehr so genau und werben für Fertigprodukte, während sie mit besten Empfehlungen in ihren Büchern die Bedeutung frischer Zutaten anpreisen. Somit scheint sich der selbstgewählte Nimbus an besonderer Qualität in der Gegenwart von Tütensuppen und fertigen Salatsoßen völlig aufzulösen, wobei sich der Verbraucher zurecht fragen muss, welchen der angegebenen Ratschläge er nun Folge leisten soll. Doch von alle dem war bei Horst Lichters humorsprühender Bühnendarbietung nichts zu spüren. Dabei hatte Lichter in seiner Vergangenheit nicht nur fröhliche Gedankenstrecken hinter sich zu bringen.

In seiner Biographie „Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott“  ging Lichter auch auf Schicksalsschläge ein, die in seiner Vergangenheit neben vielen heiteren Momenten auch sein Leben bestimmten. Mit 14 Jahren absolvierte Horst Lichter eine dreijährige Ausbildung zum Koch und betreibt seit 1989 in Butzheim bei Rommerskirchen sein Restaurant „Oldiethek“, welches ein Jahr im Voraus ausgebucht ist. Hier kocht Horst Lichter, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: deftig, bodenständig und absolut liebenswert. Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Trödelmarkt erscheinen mag, ist in Wahrheit Lichters eigene kleine Welt, die er eigenhändig liebevoll zusammengetragen hat. Dort hat alles seinen Platz, egal ob Fernseher, Schreibmaschinen, Tonbandgeräte, Poster,Postkarten, Möbelstücke oder Oltimer- sein Museum ist wie seine Küche und seine Rezepte auch außerhalb von Deutschland immer etwas ganz Besonderes.

Quelle, Foto- und Filmaufnahme: Dieter J. Maier

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