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Archiv für Oktober, 2010

Buchvorstellung mit Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Karlsruhe

gunter-grass-012Im Jahr 1838 erhielten die Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm den ehrenvollen Auftrag, ein Wörterbuch in deutschen Sprache zu erstellen, für das sie sich selbst nur wenige Jahre Zeit gaben. In akribischer  Kleinarbeit erforschten sie Herkommen und Verwendung unzähliger Wörter und Silben, verzettelten sich oftmals gründlich, so dass sie am Ende ihres Lebens nur wenige Buchstaben bewältigten konnten. In seinem neuesten  Buch “ Grimms Wörter“ erzählt nun Günter Grass  das Leben der Brüder Grimm auf seine einzigartige Weise als Liebeserklärung an die deutsche Sprache, obwohl sich wenige  hinzugefügte Pasagen in ihrem historischer Kontext  manchmal merkwürdig konturlos darstellen. Dabei muss man allerdings zugeben, dass gerade die ersten drei Kapitel, die sich wie die übrigen am Alphabet orientieren, durch ein ungezügeltes Sprachfeuerwerk  hin- und mitreißen.

Literaturnobelpreisträger Günter Grass absolviert nur wenige Lesungen außerhalb Lübeck.  Doch nur vier Tage nach seinem 84 Geburtstag las der Autor der Blechtrommel am vergangenen Mitwoch auf Einladung der literarischen Gesellschaft im Karlsruher Konzerthaus und durchstreife dabei die deutsche Geschichte seit der Fürstenherrschaft und den ersten Gehversuchen der Demokratie.  Doch so sehr sich der Autor selbst in seinem konklusionsreichen Werk mitunter mehr Nähe zu  den einzelnen „Charakteren“ wünschte,  das dramatische Potensial blieb auch bei aller historischer Feinsinnigkeit gering:

Nachdem die berühmten „Göttinger Sieben“,  mit ihrer folgenreichen Erklärung  1837 dagegen protestierten, dass Ernst August, König von Hannover, die erst vier Jahre zuvor eingeführte Verfassung willkürlich außer Kraft setzte, widersetzten sich auch die Gebrüder Grimm, die sich  als Göttinger Professoren, geprägt durch ihren Amtseid noch immer dieser relativ liberalen Verfassung verhaftet fühlten. Nach dem Verlust ihre Ämter wurde Jacob  des Landes verwiesen und begab sich ins hessische Exil. Obwohl diese prekäre Situation beiden fast den Lebensmut raubte, nahmen sie nach einiger Zeit die Arbeit am „Deutschen Wörterbuch“ auf. Von hier aus lässt Grass vor allem eigene Geschichten mit einfließen und begibt sich selbst auf  Spurensuche.

Doch spätestens an dieser Stelle verliert Grass im Erzählton seine oftmals heitere Leichtigkeit und wird fast rigoros prolemisch, obwohl er lediglich eine Reihe von Selbstbetrachtungen abschließt, die er vor vier Jahren mit „Beim Häuten der Zwiebel“ begonnen hatte und mit der Enthüllung enden ließ, dass er als personifiziertes  deutsches Gewissen als Jugendlicher zur  Waffen-SS eingezogen wurde. Derartige Drapierungen sind in seinem aktuellen Buch allerdings nicht zu erwarten. Grass selbst bezeichnet „Grimms Wörter“  als sein voraussichtlich letztes Buch, das in seiner  nachvollziehbaren Sprachbewunderung und unerschrockenen Ehrlichkeit nicht nur erstaunt, sondern vielleicht sogar manchen auch schockieren mag.

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Quelle, Film-und Fotoaufnahme: Dieter J. Maier

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Verdiente Auszeichnung für Franz Beckenbauer

gala1-026„Kaiser“ Franz Beckenbauer wurde am vergangenen Samstagabend in Landau mit dem Hans-Rosenthal-Preis geehrt. Damit würdigte die gleichnamige Stiftung das „große soziale und humanitäre Engagement“ des Jahrhundert-Fußballers. Beckenbauer hatte vor 28 Jahren eine nach ihm benannte Stiftung zur Unterstützung körperlich und geistig behinderter Menschen gegründet.

Bei der Übergabe des Hans-Rosenthal-Ehrenpreises, der in Erinnerung an den beliebten, 1987 verstorbenen Quizmaster und Moderator verliehen wird, hielt  Ministerpräsident Kurt Beck die Laudatio auf den Ehrenpreisträger. „Wer Gutes tun will, muss es verschwenderisch tun. Wie früher Hans Rosenthal, so handelt auch Franz Beckenbauer nach diesem Satz Martin Luthers“, sagte Beck.

„Für sein großes, soziales und humanitäres Engagement gilt ihm deshalb unser aller Dank. Franz Beckenbauer ist ein würdiger Träger des Hans-Rosenthal-Ehrenpreises“, so der Ministerpräsident bei der Feierstunde in der Landauer Jugendstil-Festhalle.

Der Hans-Rosenthal-Ehrenpreis wird seit 2003 jährlich von der Hans-Rosenthal-Stiftung und dem Verein „Aktion Hilfe in Not“ an Personen und Institutionen vergeben, die sich auf besondere Weise uneigennützig für Not leidende Menschen einsetzen.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Preisvergabe mit dem sozialen Engagement der Franz-Beckenbauer-Stiftung, die der frühere Fußballstar und heutige Sportmanager 1982 ins Leben rief. Ursprünglich mit einem Kapital von einer Million D-Mark ausgestattet, konnte die Stiftung dank der Unterstützung von großzügigen Spendern aus Sport, Medien und Wirtschaft vielen in Not geratenen Menschen helfen. Ministerpräsident Beck sagte: „Franz Beckenbauer lässt bis heute nicht nach in dem Bemühen, Unterstützer für seine Stiftung zu werben. Das Ergebnis sind 18 Millionen Euro, mit denen die Franz-Beckenbauer-Stiftung in den zurückliegenden 22 Jahren Menschen beigestanden hat, die unverschuldet in eine wirtschaftliche Notlage geraten sind. Der Stiftungsgeber Franz Beckenbauer verdient deswegen allen Respekt, unsere Anerkennung und unseren Dank.“

Sichtbares Zeichen der Auszeichnung mit dem Ehrenpreis ist eine Plastik des international renommierten Künstlers Prof. Gernot Rumpf aus Neustadt an der Weinstraße: ein Pelikan als Symboltier der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe.

Quelle, Film-und Fotoaufnahmen: Dieter J. Maier

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Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow spricht in der Frankfurter Paulskirche

gorbatschow-frankfurter-paulskirche-023Zum Festakt der Deutschen Einheit in der Paulskirche sprach der frühere S.E. Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow vor 1.400 geladenen Gästen seine Rede an die Deutsche Nation. Gorbatschow war bereits am vergangenen Donnerstag mit seiner Tochter Irina und deren Mann nach Frankfurt angereist. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth würdigte den 79-Jährigen als einen Visionär, der Weltgeschichte geschrieben habe: „Demokratie ist weit mehr, als die Schaffung staatlicher Institutionen. Heute können wir auch die Reformen der letzten  beiden Jahrzehnte würdigen und feiern. Wir freuen uns, einen der großen Gestalter dieser Epoche hier begrüßen zu können. Deutschland weiß, was es Michail Gorbatschow, dieser Persönlichkeit der Weltgeschichte, zu verdanken hat. Im rechten Zeitpunkt den notwendigen Umbau in eine demokratische Gesellschaft einzuleiten ist nur durch Persönlichkeiten mit Mut und Entschlossenheit zur Tat möglich“.

Als der frühere Sowjetpräsident an das Rednerpult der Frankfurter Paulskirche tritt, bricht spontaner Beifall los, denn nicht nur in Deutschland ist Gorbatschow zur Symbolfigur der unblutigen und friedlichen Revolution gegen ein totalitäres Regime geworden.

Michail Gorbatschow nannte das wiedervereinigte Deutschland als Vorbild für alle Länder, die sich auf dem Weg zur Demokratie befinden: „Damit dies geschehen konnte, musste sich sowohl in Europa als auch in der Welt viel verändern. Es mussten tiefgreifende Umwälzungen im Leben unserer Gesellschaft, der Völker der Sowjetunion un der USA normalisiert werden. Die freundschaftliche Beziehung der Volksrepublik China wurde wiederhergestellt. Es erfolgten die ersten Schritte zur Vernichtung der Atomwaffen. In den Ländern Mittel- und Osteuropas setze sich der demokratische Wandel in Gang. Im Endergebnis hat dies eine friedliche Beendigung des kalten Krieges herbeigeführt. Gerade in dieser Umbruchszeit standen in den führenden Ländern Politiker wie Helmut Kohl, Francois Mitterand und George Bush an der Spitze, die es vermochten, die Brisanz der Situation und den Bedarf der ringenden Veränderung zu erkennen.“

gorbatschow-frankfurter-paulskirche-022 Gorbatschow war gemeinsam mit seinen Freund, dem damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, 1989 der Meinung gewesen, dass der Prozess der  Wiedervereinigung erst im angehenden 21. Jahrhundert stattfinden könnte. Doch schon wenige Monate später fiel die Berliner Mauer.

„Ich will die Rolle der Politiker bei diesem historischen Weltereignis gar nicht abwerten, sie war sehr groß. Doch die wichtigste Rolle hat hier das Volk gespielt beziehungsweise zwei verschiedene Völker. Es waren die Deutschen, die ihren Willen zur nationalen Einheit entschieden und unmissverständlich bekundet haben. Sie sind es gewesen, die für die Sehnsüchte der Deutschen Verständnis aufgebracht hätten, sowie den Glauben, dass sich das heutige Deutschland von Grund auf verändert hat. Wäre diese Unterstützung nicht da gewesen, hätte die sowjetische Regierung nicht so handeln können, wie sie gehandelt habe“, betont der ehemalige Sowjetpräsident unter Beifall.

Zur Würdigung an die Verdienste der „Väter der Deutschen Einheit“  enthüllte Altkanzler Helmut Schmidt gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG  Mathias Döpfner und dem Künstler Serge Mang in Berlin vor der Axel Springer Passage  die Bronze-Statuen von Michail Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl, die jetzt auf schweren Granitblöcken an der Rudi-Dutschke-Straße stehen.

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Film-und Fotoaufnahmen: Dieter J.Maier


Saar Report dank besonders  Herrn Dr. Thomas Scheben,

Leiter der Presseabteilung Stadt Frankfurt, für die freundliche

Unterstützung

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