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Archiv für April, 2014

Meisterkonzert mit Weltstar Anne-Sophie Mutter in Mannheim

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Mit ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit ist die weltberühmten Virtuosin Anne Sophie Mutter zu einer Ikone der klassischen Musik geworden und versteht es, seit über drei Jahrzehnten ein Millionenpublikum zu begeistern. Von daher verspricht ihre künstlerische Zusammenarbeit mit dem Pianisten Lambert Orkis, mit der Veröffentlichung von „The Silver Album“ im Mai und einer großen Recital-Tournee durch Europa zu einem ganz besonderen zu einem ganz besonderen Ereignis zu werden

Neben 40 Minuten neu aufgenommener Musik bieten die neuen CD-Einspielungen auf  The Silver Album die Welt-Ersteinspielungen von Krzysztof Pendereckis La Follia für Solovioline (2013) und André Previns Violinsonate Nr. 2 (2012). Hinzu kommen die „Méditation“ aus Massenets Thaïs und Ravels Pièce en forme de Habanera. Das 2-CD-Album enthält außerdem große Sonaten von Mozart, Beethoven, Brahms und Fauré sowie einige unvergängliche, besonders als Zugaben beliebte Stücke wie Fritz Kreislers Liebesleid und drei von Brahms’ Ungarischen Tänzen, die auch diesmal weit über das gegebene Maß an Klangweite und künstlerische Vollkommenheit hinausging. Überhaupt war und ist im Spiel Geigenvirtuosin viel Menschliches, Anrührendes, vielleicht sogar Verletzliches zu lesen. Ihre Musik lebt von der Suggestion, von der Offenheit, sich immer wieder neu mit den gleichen Werken auseinanderzusetzen und den Eros der Schöpfung an ihr  Publikum weiterzugeben.

Anne-Sophie Mutter wuchs im baden-württembergischen Wehr auf. Bereits mit fünf Jahren wünschte sie sich Geigenunterricht und als sie nach einem halben Jahr Unterricht schon einen Wettbewerb gewann, stand ihr Berufswunsch fest. Als sie 1977, im Alter von vierzehn Jahren,  mit Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen debütierte, begann eine der erfolgreichsten Musikkarrieren der Neuzeit. Anne-Sophie Mutter setzte sich trotz gewaltigem Medienrummel technisch souverän durch. Der ausnahmenhafte Ausbund an Talent, Virtuosität, Musikalität, Energie und Disziplin sowie die berufliche Zuwendung eines Herbert von Karajan beförderten sie schnell zum Weltstar. Um so widersprüchlicher mutet es an, dass vor kurzem ihre beiden letzten, kurz hintereinander erschienen, CDs heftig kritisiert wurden. Die Medien warfen der Künstlerin ein „großzügiges Rubatospiel“ vor, ebenso seien die architektonischen Proportionen ihres Werks dabei ins Wanken geraten. Von alle dem war allerdings im  Mannheimer Mozartsaal  nichts zu spüren. Im Gegenteil: Trotz stilistischer Manierismen, unerwartet halbherzig klingender, fast zum Stillstand kommender, Einschübe zog ihr ansonst makellos zelebrierter  Schöngesang die Zuhörer in den Bann. Dirigent Ludovic Morlot verpackte alles in eine luxuriöse Klanghülle, ließ mit  gewaltigem Schwung das London  Philharmonic Orchester wundervoll aufblühen und stand tempomäßig bei allen Eigenwilligkeiten der Geigerin an Geschmeidigkeit an nichts nach.

Anne-Sophie Mutter ist für die Musikwelt der Inbegriff der kreativen Klangschöpfung, für manche Kritiker hingegen eine Meisterin der Musikvermarktung. In diesem Sinne erlaubte das Konzert im Mannheim einige Einblicke hinter die Fassade ihrer Persönlichkeit. Wie keine Künstlerin dieses Jahrhunderts hat Anne-Sophie Mutter neben ihrem Entdecker und Mentor Herbert von Karajan die Medien aktiviert, um die Mitteilungen der Musik zu verbreiten und zu vertiefen. Von daher hielt ihr Konzert das gegebene Versprechen, zu einem exzeptionellen Musikgenuss und zu einer Sternstunde der Mannheimer Konzertereignisse zu werden.

Quelle:

Dieter J. Maier

Report aus Berlin