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Archiv für Mai, 2014

Bundeskanzlerin Merkel eröffnet Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

23. Mai 2014 Kommentare ausgeschaltet
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Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete am vergangenen Mittwoch im Deutschen Historischen Museum in Berlin eine Ausstellung zum 100.Jahrestag des Ersten Weltkrieges. Die Europäische Union sei die entscheidende Lehre aus der leidvollen Geschichte des Kontinents, sagte Merkel. Zu diesen Schrecken gehörten auch der Zweite Weltkrieg und der Holocaust. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Krieges zeichnet die Schau am Beispiel von 14 historischen Orten den Verlauf des Konflikts nach, darunter Schlachtfelder wie Verdun und Ypern. Gezeigt werden rund 500 Objekte: etwa Waffen, Uniformen und Tagebücher.
Der erste Beginn des ersten Weltkriegs steht bis heute als Inbegriff für unbegreiflichen Schrecken und Grausamkeiten des Krieges, mittlerweile aber auch für Aussöhnung, Frieden und die deutsch-französische Freundschaft. Insbesondere die Schlachtfelder von Verdun tragen bis heute  immer noch sichtbaren Narben dieses grausamen Völkermordes, auch wenn die Natur insbesondere im Frühling und Sommer sie bedeckt und schöner aussehen lässt.Dieser umgewühlte und von den mehrfach schrecklichen und tödlichen Kämpfen gekennzeichnete Flecken Erde gibt dem durchwandernden Besucher auch nach über  9. Jahrzehnten noch die Gelegenheit, eine wahrhafte Geschichtsstunde am Ort der Geschehnisse zu erleben. Aber nicht nur die deutsche Geschichte wird hier lebendig und gegenwärtig. Die Orte der Erinnerung erlauben dem Besucher, die Fronten zu wechseln und den Krieg aus der französischen, der britischen und der russischen Perspektive zu erleben. Und schon hier wird deutlich, wie unterschiedlich die Kriegsparteien dieselben Ereignisse wahrnahmen. Der erste Weltkrieg wurde zur “Urkatastophe” des 20 Jahrhunderts und vor allem für die deutsche Seite hatte dieser Krieg fatale Auswirkungen: Auf eine politisch instabile Weimarer Republik folgte der Nationalsozialismus, folgten Hitler, der Holocaust und der zweite Weltkrieg. Am Ende war das deutsche Reich verspielt und das Land vierzig Jahre lang geteilt. Doch wie kam es zu diesem Krieg? Wo liegen seine tieferen Ursachen? Dieser Krieg ist keineswegs über die Menschheit hereingebrochen, er hatte eine Vorgeschichte.
Der erste Weltkrieg hatte mehrere Gründe: Einer der wichtigsten war, dass die europäischen Mächte um die Vorherrschaft nicht nur in Europa, sondern in der Welt kämpften. Deutschland suchte seinen Platz an der Sonne und wollte nach der deutschen Reichsgründung 1871 auch weltpolitisch präsent sein. Dies führte zum Widerstand nicht nur auf der englischen, sondern auch auf der französischen Seite. Russland hingegen verfocht die Theorie, des Panslawismus, also die Befreiung der slawischen Völker von der Herrschaft Österreich-Ungarn und der Türkei. Auf der französischen Seite stand auch noch der alte Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Das Verhältnis der beiden Länder war durch die Besetzung von Elsaß-Lotringen so stark belastet, dass Politiker wie der damalige französische Staatspräsident Poincare, der immer im Sinn hatte, die Schmach des verlorenen Krieges von 1870/71 zu tilgen und Elsaß-Lotringen wieder in Besitz zu nehmen, im Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 ihre Chance sahen. Die pazifistischen Kräfte in Deutschland wie die Sozialdemokraten, die immer den Ausgleich im europäischen Sinne suchten, hatten damals keine Möglichkeiten ihre Ideen umzusetzen, besonders als auf der französischen Seite die Entscheidung fiel, die militärische Kampffront Verdun mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Entscheidung auf der französischen Seite, Verdun nicht aufzugeben und das Einpreschen der deutschen Streitkräfte, die dort immer wieder die Auseinandersetzung suchten, hat dann unzähligen unschuldigen Menschen das Leben gekostet. Der deutsche Kaiser Wilhelm der Zweite und Staatspräsident Poincare waren diejenigen, die immer wieder die innere Kraft, wenn nicht sogar die Sturheit aufbrachten, ständig so viele Menschen in den Tod zu schicken, nur um diese symbolische Stellung zu halten.
Am Morgen des 21.Februar 1916 war es zunächst ganz still. Dann, um 8 Uhr 12 deutscher Zeit lässt eine gewaltige Detonation die Landschaft erbeben. Dieser Schuss war das Signal für eine der größten Schlachten der Kriegsgeschichte, das Startsignal für einen Vernichtungszug gegen Menschen, wie es ihn nie zuvor gab. Das Prinzip diese Krieges war immer noch das alte: die systematische Auslöschung und Ausschaltung menschlicher Körper, am besten für immer. Die kämpfenden Soldaten waren diesen Angriffen gegenseitig vollkommen schutzlos ausgeliefert und nach blutigen Sturmangriffen bedeckte der treibende Schnee ihre zerschossenen Körper. Die Erde wurde durch Granaten umgepflügt und in wenigen Stunden und Tagen verschwanden dichte Wälder, Dörfer und Städte hören für immer auf zu existieren. Diese Schlacht, dieser Albtraum hat niemanden mehr verlassen, der diese Hölle erlebte. Einer der Überlebenden des Infernos, der Mühlenbaumeister Josef Wollscheidt aus dem saarländischen Niederlosheim berichtete später seiner Familie von grausamen Materialschlachten, wo in den wenigen Gefechtspausen an die kämpfenden Soldaten Tabakspfeifen ausgegeben wurden, um den Verwesungsgestank der vor den Schützengräben liegenden Gefallenen besser ertragen zu können. Am Ende des sinnlosen Gemetzels waren 750.000 junge Männer verletzt, verstümmelt oder tot.
Jener Albtraum von Tod und Verderben ist es, warum Verdun immer noch so schmerzhaft im Gedächtnis der Europäer geblieben ist, mehr als jeder andere Krieg. Es war ein gemeinsamer Massenmord wegen nichts und für die Deutschen war dieser Krieg der Auftakt und der zweite Weltkrieg das Ende eines zweiten “Dreißigjährigen Krieges.”
Quelle:
Dieter J. Maier