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Archiv für August, 2014

Interview mit Rocklegende Peter Maffay

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Foto: Dirk Vorderstraße

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Der deutsche Rockmusiker Peter Maffay gibt sich gerne außen hart, ist aber laut eigener Aussage „innen ganz weich“. Der Sänger, der sich vom Schlagerstar zum Rocker wandelte, blickt mit 63 Jahren auf eine über  40-jährige Karriere mit manchen Irrungen, aber mehr als 30 Millionen verkaufter Platten zurück. Seit 1979 erreichte jedes seiner Studioalben die Top Ten der deutschen Albumcharts, 15 davon erreichten Platz eins. Zwei seiner Singles, “ Du “ und  „So bist Du“, erreichten den ersten Platz. Aber auch sein sozialpolitisches Engagemet nimmt einen großen Stellenwert in seinem künstlerischen und privaten Schaffen ein. Bezüglich seiner Projekte zu „Allianz für Kinder“ war Peter Maffay gerne bereit, sich in einem Interview den Fragen von Report aus Berlin zu stellen:

Dieter J.Maier:

Peter, Sie setzen sich seit vielen Jahren für Ihr Projekt „Allianz für Kinder“ ein. Um welches Projekt handelt es sich dabei genau?

P. Maffay:

Ich lebe seit vielen Jahren auf einem Bauernhof auf Mallorca und habe dort auf meinem Gelände ein Ferienhaus für traumatisierte Kinder einrichten lassen. Inzwischen haben sich Hilfsorganisationen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus dem Baltikum und aus Armenien bei uns angemeldet, die unsere Hilfe suchen. Diese Unterstützung geben wir gerne Kindern, die traumatische Erlebnisse hinter sich haben.

Dazu gehören Kinder die Erfahrung mit Alkohol, sexuellem Missbrauch, Gewalt und Armut haben. Wir möchten mit unserem Projekt diesen Jugendlichen eine Auszeit von ihrem Alltag ermöglichen und ihnen einen Zugang zu einem anderen Kulturkreis verschaffen. Bis jetzt haben weit über 2000 Kinder bei uns diese Unterstützung wahrgenommen. Diesbezüglich habe ich immer die Gelegenheit ergriffen, über unser Projekt zu informieren und darauf hingewiesen, dass wir neben unserem europaweiten Engagement, gerne auch Kinder und Jugendliche  aus allen deutschen Bundesländer bei uns aufnehmen würden.

Dieter J. Maier:

Sie sind nicht nur musikalisch sehr aktiv, sondern nehmen auch großen Anteil am sozialen und weltpolitischen Geschehen, was besonders bei Ihren Treffen mit dem Dalai Lama und Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ausdruck kam. Welche weiteren Aktivitäten stehen diesbezüglich in nächster Zeit bei Ihnen an?

peter-maffayP. Maffay:

Neben meiner musikalischen Arbeit setze ich mich fast täglich mit großem Einsatz für meine Stiftung ein. Ohne meine musikalischen Projekte könnte ich allerdings mit meinen Mitarbeitern diese Stiftung nicht finanzieren, da wir von staatlicher Seite keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. In gewissen zeitlichen Abständen widmen wir uns auch noch neuen Initiativen. In Bayern hatten wir zum Beispiel vor einiger Zeit zusammen mit dem Kultusministerium das Projekt „Alle Achtung“ ins Leben gerufen.

Hierbei geht es um Wertevermittlungen mit der Zielsetzung, die Einrichtung zu belobigen, die sich innerhalb eines Jahres in der Vermittlung von menschlichen Werten besonders hervorgetan hat. Hierbei möchte ich betonen, dass wir keine Moralisten sind, die mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, aber in unserer Gesellschaft gibt es sehr viele Defizite, insbesondere was die Vermittlung von Moral anbelangt.

Gerade bei diesem Thema haben die Kindergärten und Schulen eine sehr große Verantwortung und gerade hier gibt es einen enormen Handlungsbedarf, um Kindern und Jugendlichen Werte und Wertvorstellungen richtig zu vermitteln. Aus diesem Grund haben wir dieses Projekt gestaltet, für das ich mich gerne unter anderem bei führenden Politikern einsetze. Kinder sind unsere Zukunft und wir Erwachsene  haben die Aufgabe, sie zu stärken und ihnen die Zuwendung geben, die sie brauchen.

Dieter J. Maier:

Welche persönliche Verbindung haben Sie zum Saarland?

P. Maffay:

Ich hatte im Saarland lange Zeit einen „Motorradsitz“. Mit einigen Freunden aus meinen musikalischen und beruflichen Anfängen habe ich als begeisterter Motorradfahrer dieses Hobby geteilt und wir haben damals auf unseren Motorrädern im Saarland und darüber hinaus weite Strecken zurückgelegt. Leider haben wir uns in den vergangenen Jahren nicht mehr so oft gesehen, da ich längere Zeit nicht mehr hier gewesen bin. Wir hatten hier im Saarland so etwas wie eine „Homebase“, von der ziemlich viel übrig geblieben ist und wir werden versuchen, das wieder zu vitalisieren.

Ausserdem verbindet mich seit Jahrzehnten eine Freundschaft zu Oskar Lafontaine, die weit über jede politische Meinungsebene hinaus geht. Ich glaube, dass ich beispielsweise mit meinen Auftritten in der ehemaligen DDR ein wenig zur Wende 1989 beigetragen habe. Die Idee hierzu kam von Oskar Lafontaine. Er riet mir eines Tages zu Konzerten hinter dem sogenannten Eisernen Vorhang – gewissermaßen als mein kleiner Beitrag dazu, dass dieser unsägliche Vorhang perforiert wird. Und ich habe damals sofort zugesagt.

Dieter J. Maier:

In welcher Form hatte Ihr politisches und soziales Engagement Einfluss auf Ihre Musik?

P. Maffay:

Mein Egagement kommt aus der Musik und ich begegne mit meinen Freunden und Mitarbeitern ständig Menschen, die etwas in uns hinterlassen. Besonders über die Märchenfigur „Tabaluga“ ist die Nähe zu Kindern entstanden, obwohl ich mit mit ihnen früher gar nicht so viel am Hut hatte. Heute ist es gerade umgekehrt und ich habe diesbezüglich meine Meinung gründlich geändert.

Kinder können einem sehr viel Kraft geben, aber ich weiß auch aus persönlicher Erfahrung, dass sie sehr viel Kraft brauchen. Eine Gesellschaft die Kinder nicht mehr wahrnimmt, wird verlieren. Sie sind unsere Zukunft und es ist mehr als sinnvoll, sich darüber einmal Gedanken zu machen. Ich sorge mich allerdings weniger um junge Menschen, die in einem gutsituierten Umfeld aufwachsen, obwohl auch dort die finanzielle Sicherheit nicht unbedingt auch eine mentale Sicherheit bedeutet.

steiger-awardt-gala-028Dieter J. Maier:

Wie wichtig war Erfolg in Ihrem Leben?

P. Maffay:

Erfolg hat mir immer sehr viel bedeutet. Früher war mir Erfolg wichtig, um mein Ego zu befriedigen, heute habe ich dazu eine andere Einstellung. Ich sehe Erfolg jetzt als ein Barometer, mit dem ich Dinge, die mir wichtig sind bewegen kann. Wenn ich mich heute zu Leistungen ansporne, dann möchte ich auch immer mit dieser Leistung etwas bewegen können. Gesunden Erfolg finde ich ganz wichtig, im Gegensatz zum krankhaften Ehrgeiz, den man besser ignoriert. Ich bin aber lange genug im Geschäft, um den Kontakt zum Boden nicht mehr zu verlieren und ich weiß heute, dass dieses Leben mehr zu bieten hat, als das Streben nach finanzieller Sicherheit.

Dieter J. Maier:

Viele Menschen schöpfen Kraft aus Ihren Liedern, in denen es oft um Selbstbestimmung und Freiheit geht. Was verstehen Sie ganz persönlich unter Freiheit?

P. Maffay:

Viele meiner Lieder, die ich im Laufe der Jahre gesungen habe, wurden von ihren Inhalten her am Anfang nicht richtig verstanden, wie zum Beispiel  „Über sieben Brücken musst Du gehn“ oder „Eiszeit“. Später hat man dann begriffen, dass eine Ost-deutsche Gruppe wie „Karat“ hinter dem „eisernen Vorhang“ nur in Metaphern Wünsche äußern konnte, ohne politisch gefährdet zu sein. Das selbe gilt für uns, denn es muss jeder Musiker die Möglichkeit haben, innerhalb eines Liedes seine eigene Interpretation eingeben zu können.

Mein Lied „Eiszeit“ entstand Mitte der achziger Jahre, als die Aufrüstung der Weltmächte in vollem Gange war und der sogenannte „kalte Krieg“ unmittelbar praktiziert wurde. Die Aufrüstung hatte in beiden politischen Blöcken ein Maß angenommen, das völlig irrsinnig war und worunter wir heute noch leiden. Diese Ängste kommen in diesem Lied zum Ausdruck und wurden erst später begriffen. Jetzt ist das Lied eine kleine Hymne geworden, die jeder zu orten weiß. Meiner Meinung nach hat jeder Mensch seine persönliche Einstellung zu Freiheit. Für mich gehört zu persönlicher Freiheit, dass man politisch seine Meinung straffrei  äußern kann und sein Leben selbst bestimmt.

Dieter J. Maier :

Vielen Dank für das Gespräch  und alles erdenklich Gute für Ihre weiterführenden Projekte.

Quelle und Fotos ( Mitte und Unten) :
Dieter J. Maier

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Interview mit Sternekoch Harald Wohlfahrt

harald-koch-wohlfahrtMit drei Michelin-Sternen, die er seit vielen Jahren hält, sowie der Quasi-Höchstbenotung im deutschen Gault-Millau, zählt Harald Wohlfahrt zu den besten Köchen Europas. Seit über zehn Jahren führt Wohlfahrt in allen Gourmet-Führern den ersten Platz als bester Koch Deutschlands an und gilt ebenso bei der internationalen Prominenz als gefragtester Küchenchef. In einem exklusiven Interview sprach Harald Wohlfahrt mit Report aus Berlin u.a. über gesunde Ernährung und über die Verbesserung der modernen, deutschen Küche.

Dieter J. Maier:

Herr Wohlfahrt, welchen Stellenwert messen Sie persönlich heute der modernen Küche bei?

Harald Wohlfahrt:

Man sieht heute, dass die moderne Küche nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im alltäglichen Leben wieder große Beachtung findet. Daher sollte der Verbraucher vor allem auf  frische und gesunde Produkte zurückgreifen, die nicht nur in Feinkostgeschäften, sondern auch auf vielen Wochenmärkten in sehr guter Qualität angeboten werden. Dabei sollte man nicht unbedingt immer nur auf den Preis achten, denn gute Küche zeichnet sich in erster Linie durch hervorragende Produkte aus. In Deutschland findet man  herausragende Gastronomie oft an der Grenze zu Frankreich, aber auch die  regionalen Spezialitäten der einzelnen Bundesländer sind kulinarisch immer eine „Sünde“ wert. Das Hauptproblem in der Esskultur ist  allerdings, dass viele Verbraucher heute oft keinen Bezug mehr zu frischen Lebensmitteln haben und sich hauptsächlich von Tiefkühlkost und fertig abgepackten Lebensmitteln aus dem Supermarkt ernähren.Von daher sollte diesbezüglich auch auf Seiten der Gastronomie wieder eine Rückbesinnung auf gesunde Ernährung stattfinden, gerade weil die deutsche Küche auch international wieder große Beachtung findet.

Dieter J. Maier:

Sind Sie der Meinung, dass die Nouvelle Cuisine, die vor allem durch Paul Bocuse Anfang der 70er Jahre enorme Beachtung fand, noch zeitgemäß ist?

Harald Wohlfahrt:

Die von Paul Bocuse in Frankreich entwickelte Nouvelle Cuisine ist eine sogenannte opulente Kochkunst, die sich um die Wahrung  des Eigengeschmacks von Nahrungsmitteln bemüht. Es handelt sich um eine Küche, in der mit wenig Fett, aber auch mit Kräutern und Gewürzen gekocht wird. Besonderen Wert wird hierbei auf die Repräsentation der Gerichte gelegt und das Anrichten wird zur Kunst. Diese damals neue Form der Kochkunst bedeutete  für den anspruchvollen Restaurantbesucher eine ganz außergewöhnliche Art von Genußfreude. In den 50er Jahren ging es darum, viel zu Essen, später hat sich der Verbraucher dann für die Einflüsse aus neuen Ländern geöffnet und in den 70er Jahren begann man es dann mit der Kreativität etwas zu  übertreiben. Heute hat sich der Zeitgeschmack wieder sehr verändert, da sich die Esskultur permanent weiter entwickelt und schon fast  multikulturell geworden ist. Es gibt, was die Produktvielfalt betrifft, keine Grenzen und Entfernungen mehr und auch im Umgang mit Gewürzen ist  man jetzt viel experimentierfreudiger als noch vor 30 Jahren.

Dieter J. Maier:

Was bedeutet für Sie gesunde Ernährung?

Harald Wohlfahrt:

Gesunde Ernährung bedeutet für mich, dass ich meinem  Körper die Nahrung zuführe, die er braucht, um gesund und fit zu bleiben. Die Nahrungaufnahme kann hier aber sehr unterschiedlich ausfallen, wobei man sich aber in jedem Fall für die einzelnen  Mahlzeiten Zeit nehmen sollte. Ein Sportler, der beispielsweise täglich 8 Stunden trainiert, verbraucht natürlich viel mehr Energie und Kalorien als ein   Geschäftsmann, der am Schreibtisch arbeitet. Man sollte aber auch hier darauf achten, nicht zu viel Zucker täglich zu sich zu nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass maximal 10% der täglichen  Energiezufuhr aus Zucker bestehen sollte. Unser Gehirn kann  z.B. nur mit Glukose arbeiten, die es aber auch aus den  Kohlenhydraten von Nudeln und Kartoffeln beziehen kann.Von daher könnten wir vollkommen auf den Genuss von Haushaltszucker verzichten, was angesichts süßer Verführungen wie feiner Schokolade oder Desserts oft gar nicht so einfach ist

Dieter J. Maier:

Sie zählen zu den besten Köchen Europas und haben als  Küchenchef  im Restaurant Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach in  Baiersbronn mehr als einen 8-Stundentag. Spielt Kochen in Ihrem Privatleben noch eine besondere Rolle?

Harald Wohlfahrt:

Ich absolvierte von 1970 bis 1973 meine Kochlehre im  Mönchs Waldhotel in Dobel. Anschließend arbeitete ich als Commis im damaligen Zwei Sterne-Restaurant Stahlbad in Baden-Baden und danach bei Erkardt Witzigmann in München. 1978 wurde ich Sous-Chef  in der Schwarzwaldstube  des Hotels Traube Tonbach hier in Baiersbronn, wo ich seit Anfang 1980  als Küchenchef  tätig bin. In der knappen Freizeit, die mir bleibt, genieße ich es natürlich, mit meiner Familie zu essen und  anschließend noch gute Gespräche zu führen. Ich bin der Meinung, dass es wichtig  ist, außerhalb des eigenen Berufslebens mit der Familie zusammen zu Kochen und einfach die vorhandene, freie Zeit sinnvoll für sich  zu nutzen.

Dieter J. Maier:

Welches Gericht würden Sie gerade jetzt für die kommenden heißen  Sommermonaten besonders empfehlen?

Harald Wohlfahrt:

Im Moment sind wir  Mitte Mai bis Juni noch in der  Spargel-Saison und von daher würde ich den Lesern von Saar Report ein  Risotto mit frischem Spargel empfehlen. Dieses Gericht schmeckt sommerlich leicht und ist immer schnell zubereitet. Risotto ist ein norditalienisches Reisgericht, dass in vielen Variationen zubereitet  werden kann. Kennzeichnend für fast alle Zubereitungsarten ist, dass Rundkornreis mit Zwiebeln und Fett angedünstet wird und in Brühe gart, bis das Gericht sämig, die Reiskörner aber noch bissfest sind. Je nach  Rezept kommen noch Wein, Pilze, Meeresfrüchte, Fleisch, Gemüse, Gewürze,  Parmesankäse, oder wie in unsere Fall frischer Spargel, hinzu. Wenn es  allerdings etwas opulenter sein soll, würde ich zu gebackene Feigen im Strudelteig mit Rotweineis raten.

Dieter J. Maier:

Herr Wohlfahrt, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview mit Dr. Karl Graf von und zu Eltz

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Foto: Dieter J. Maier (klicken zum Vergrößern)

Die Burg Eltz bei Wierschen in Rheinland-Pfalz gilt als eine der schönsten Burgen Deutschlands. Gemeinsam mit dem Schloss Bürrenheim ist die Burg Eltz die einzige Anlage in der Eifel, die niemals erobert oder verwüstet wurde und auch die gesellschaftlichen Umbrüche der französischen Revolution unversehrt überstehen konnte. Seit nunmehr 800 Jahren befindet sich die Burg im Besitz der Familie Eltz. Der jetzige Eigentümer, Dr. Karl Graf von und zu Eltz, hat die Aufgabe übernommen, Burg Eltz für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ihre Substanz zu sichern und an die 34. Generation weiterzugeben. In einem exklusiven Interview sprach Dr. Graf von und zu Eltz mit Report aus Berlin u.a. über die Geschichte und die wirtschaftlichen Herausforderungen seines traditionsreichen Familienbesitzes.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Graf zu Eltz, inwiefern bilden für Sie Geschichte, Kultur und Wirtschaftlichkeit in Ihrer Familie eine Einheit?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Familiengeschichte und Wirtschaftlichkeit sind für mich eine Einheit. Burg Eltz war und ist immer eine wirtschaftliche Herausforderung gewesen, da Ausbau und Sicherung dieses Schutz- und Repräsentationsbaus die normalen Einkünfte des Eltzer Gutes durchwegs stark strapazierten. Die Mittel mussten also von außen kommen. Daher wurden Söhne zwar ausgezeichnet ausgebildet, dann aber in die Fremde geschickt, auf dass diese dort ihr Glück machen konnten. Als familiäre Gegenleistung wurde dann erwartet, dass diese zur Erhaltung der Burg nach ihren Möglichkeiten beitrugen. Das galt übrigens auch, wenn diese in der Kirche Karriere machten, was sehr oft geschah. Natürlich betätigten sich die Eltzer auch als Mäzene der Kunst, das war Standespflicht, das tat man, insbesondere im Rahmen der Kirche, und das war dann den Karrieren auch durchaus förderlich. Dieser Dreiklang aus Kultur, Familie und Wirtschaftlichkeit bilden somit für uns eine im Laufe unserer Geschichte durchaus erfolgreiche Kombination.

Dieter J. Maier:

Burg Eltz gilt als eine der schönsten Tourismussziele in Deutschland. Werden Teile der Burg heute noch privat genutzt?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Während die Platt-Eltz und die Kempenicher Häuser auf Burg Eltz durch die Kastellanei oder von der Familie privat genutzt werden, sind große Teile des Rübenacher Hauses und der Rodendorfer Häuser heute der Öffentlichkeit zugänglich. Man kann sie auf geführten Rundgängen kennen lernen und vielfältige Einblicke in das Leben auf Burg Eltz gewinnen. So erhält man einen unvergesslichen Eindruck von der ritterlichen Lebensart und Wohnkultur. Alle Möbel und Kunstwerke in den Innenräumen der Burg stammen aus dem Besitz meiner Familie, und manches ist schon über 800 Jahre in unserem Besitz. Bei der Führung besichtigt man die Wohnräume, sieht Eltzer Mobiliar, Teppiche, Gemälde und auch Waffen. Viele andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Tischdekorationen, Porzellan, Schmuck, Tischuhren, Besteck, Münzen oder Kerzenleuchter, aber auch Jagdwaffen und Erinnerungsstücke aus dem Privateigentum der großen Eltzer Kurfürsten werden in der Rüst- und Schatzkammer vier Stockwerke tief im Rübenacher Keller ausgestellt

Dieter J. Maier:

Ihre Familie hat auf Burg Eltz im Laufe von hunderten von Jahren auch eine sehr wertvolle und seltene Kunstsammlung zusammengetragen. Wurden diese Kunstgegenstände von Ihren Familienmitgliedern angekauft oder beinhaltet diese Sammlung auch Gastgeschenke von anderen Adelshäusern?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Der große Teil der auf Burg Eltz verbliebenen Einrichtung wurden durch die Familie erworben oder kam durch die Mitgifte der Frauen in unseren Besitz. Es ist durchaus möglich, aber nicht nachweisbar, dass sich noch Gastgeschenke anderer Adelshäusern in der Burg befinden.

Zwei Geschenke Dritter sind belegt und zieren heute die Schatzkammer: Das Uhrenpektorale, das Papst Sixtus V in der Mitte des 16. Jahrhunderts unserem Trierer Kurfürsten Johann Jakob zu Eltz schenkte  und die große Silberstatue des Heiligen Johannes von Nepumuk, die der letzte Freiherr Faust von Stromberg seinem Schwiegersohn Anselm Casimir zu Eltz gegen 1750 vermachte. Außerdem brachte er meinen Vorfahren dazu, seinen Namen anzunehmen, so dass seit wir seit jenem Zeitpunkt auf den recht komplizierten Namen „Graf/Gräfin und Edle(r) Herr/Herrin von und zu Eltz genannt Faust/Faustin von Stromberg“ hören. Im Paß lautet dies zum Glück kurz und bündig Graf und Gräfin zu Eltz

Die Madonna mit der Weintraube von Lucas Cranach d. Ä. wurde vermutlich bereits gegen 1540 vom Künstler selber erworben, die Ahnenbilder hängen ihrem Entstehen in der Burg. Andere Bilder und Tapisserien wurden insbesondere im 18. Jahrhundert, der großen Sammlerzeit der Familie, erworben.

Die Schatzkammer enthält neben einigen frühen und seltenen Kriegswaffen Objekte des gehobenen täglichen Gebrauchs der Familienmitglieder. Hierzu gehören die prunkvollen Jagdwaffen und private Gebrauchsgegenstände des Mainzer Kurfürsten Philipp Carl zu Eltz aus dem frühen 18. Jahrhundert, weiterhin Porzellan der Höchster Porzellanmanufaktur, mit der die Familie Eltz eng verbunden war.

Ein Raum zeigt nur die Erinnerungsstücke an unsere Zeit und unseren großen Besitz in Vukovar, Kroatien, die unteren zwei Stockwerke Gold- und Silberschmiede­arbeiten aus acht Jahrhunderten. Sie wurden für festliche Anlässe gebraucht und blieben mit sehr viel Glück in der Familie blieben. Vieles kam in die Familie, vieles ging auch wieder weg, durch Kriege und insbesondere an die jüngeren Kinder und deren Ausstattung.

Dieter J. Maier:

Die Familie Eltz stammt von der Mosel, ihre wichtigsten Vertreter waren Kurfürsten, Bischöfe und Äbte in den Kurfürstentümern Trier und Mainz. Dennoch haben Ihre Vorfahren über 200 Jahre ganz oder teilweise in Kroatien gelebt. Wie kam das?

Dr. Karl Graf zu Eltz:

Unser Maizer Kurfürst Phillip Karl, der gleichzeitig Reichserzkanzler, also der erste Würdenträger des Reiches nach dem Kaiser war, setzte durch, dass Maria Theresia nach dem Tode ihres Vater Kaiser Karl VI die habsburgischen Erblande auch als Frau erben durfte, was nach dem damals sogenannten salischen Recht nicht vorgesehen war. Dafür erwies sich ihr Vater, der Kaiser, als dankbar und gab uns die Möglichkeit, einen riesigen Besitz von über 60.000 ha Land in und um Vukovar in Kroatien mit damals 33.000 Leibeigenen für einen äußerst moderaten Preis zu erwerben.

Der Besitz war zwar groß, aber zunächst wenig ertragreich, denn erstens gab es noch Über­griffe der Türken und anderer marodierender Truppen, insbesondere aber nahmen meine Vorfahren ihre Pflichten gegenüber den ihnen anvertrauten Menschen ernst. Außerdem fehlte es an Transportmöglichkeiten, um den Eltzer Weizen und Mais in die Ballungs­gebiete um Wien, Prag oder Budapest zu bringen. Das änderte sich erst nach Ende der Leib­eigen­schaft im Jahre 1848 und dem Bau der Eisenbahn um 1860. Danach erst wurde dieses Gut, das auf über 100 m mächtiger Schwarzerde saß, ertragreich, und erst dann zog mein Ururgroßvater aus Eltville und Burg Eltz dauerhaft an die Donau. Er, seine Familie und seine Nachkommen lebten bis zur Vertreibung 1944 in Slawonien, wie dieser Teil Kroatiens heißt. Auf Burg Eltz verbrachte man damals einmal im Jahr einen Monat im Sommer.

Dieter J. Maier:

Welche Rolle spielt für ihre Familie die verwandtschhaftliche Beziehung zu den Grafen von der Leyen aus Blieskastel?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Unsere Familie hat sich vom 12. bis ins 18. Jahrhundert mehrfach mit der zunächst freiherrlichen, dann gräflichen und zuletzt fürstlichen Familie von der Leyen familiär verbunden. Das lag nahe, denn erstens gehörten sie wie wir dem trierischen ritterbürtigen Adel an, außerdem befand sich ihr Stammsitz in Kobern-Gondorf , nur wenige Kilometer moselabwärts von der Burg Eltz. Man kannte sich praktisch vom Sandkasten her, war in gemeinsamen Gremien im engsten Umfeld der Kurfürsten von Trier und zog auch gemeinsam in den Krieg, wenn es denn sein mußte.

Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb mein Haus das Amt Blieskastel, und es blieb für mehr als ein Jahrhundert Eltzisch. Es florierte bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts sehr, wie die Abrechnungen in unserem Archiv belegen. Im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 litt das Blieskasteler Land dann aber besonders stark unter den Plünderungen und Zerstörungen. Es lag völlig danieder, war praktisch ohne Bevölkerung und für uns allemal ohne Einkünfte. Daher sahen wir uns gezwungen, diese Herrschaft 1665 an das Haus von der Leyens zu verkaufen, die dank ihres Onkels, des bedeutenden Kurfürsten Karl Kaspar von Trier, auch über die notwendigen Mittel verfügten. Damit endete die unmittelbare Präsenz der Eltzer im heutigen Saarland.

Dieter J. Maier:

Wie sah die Heiratsstrategie des Adels aus?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Adelige Heiraten kamen auch schon im Mittelalter gelegentlich aus Zuneigung zustande, häufiger war es aber, dass Ehen arrangiert wurden. Dahinter standen dynastische, finanzielle und Sicherheitsüberlegungen. Man heiratete etwa in der frühen Zeit gerne „wohlbeburgte“ Nachbarn, mit denen man sich dann sowohl familiär als auch politisch organisieren konnte. So waren die Familien, die sich uns im Jahre 1331 der sogenannten Eltzer Fehde gegen Kurfürst Balduin anschlossen, familiär eng verbunden. Nota bene: Es half nur leider nichts, denn Balduin, der größte aller Kurfürsten, Bruder Kaiser Heinrichs VII und König Johann von Böhmen war einfach ein zu mächtiger Gegner, selbst für die gut alliierten Eltzer.

Man mußte sich übrigens vom 11. bis 13. Jahrhundert schon genau überlegen, wen man heiratete, denn eine Heirat eines Hochadeligen mit einer Frau aus dem niederen Adels führte in der Regel dazu, dass deren Kinder dann dem niederen Adel zugerechnet wurden. Bis heute gibt es noch in einigen adeligen Familien Hausregeln, die vorschreiben, wen man heiraten darf und wen nicht, und die Fehlverhalten sanktionieren, und das sogar noch – unter dem Thema der Kontraktionsfreiheit des Erblassers – abgesegnet durch das Bundesverfassungsgericht. Die Eltzer haben so was nicht, und ob kodifizierte Regel in diesem Kontext noch zeitgemäß sind, darüber kann sich Jedermann gerne seinen eigenen Reim machen. Natürlich spricht nichts dagegen, dass auch weiterhin innerhalb des eigenen Standes geheiratet wird.

Dieter J. Maier:

Ihr Vater Jakob Graf von Eltz spielt in Ihrer Familiengeschichte ebenfalls eine wichtige Rolle….

Dr. Karl Graf von Eltz:

Mein Vater übernahm als Familienchef in der 32. Generation die Eltzer Güter de jure mit dem frühen Tod seines Vaters im Alter von nur sieben Monaten im Jahre 1922, de facto nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947. Er war studierter Landwirt und engagierter „Weinmann“. Die edelsüßen Rieslinge unseres inzwischen aufgegebenen Eltviller Weinguts genießen bei Experten immer noch einen legendären Ruf. Von 1964 bis 1976 war er Präsident des Rheingauer Weinbau­verbandes und langjähriger Dozent für Weinrecht und Weinwirtschaft an der Mainzer Gutenberg Universität.

Er war Mitgründer des Malteser Hilfsdienstes, dem er Jahrzehnte als Landesdelegierter von Hessen verbunden blieb, und war er ein sehr aktiver Malteserritter und diente diesem Ritterorden sechs Jahre als Mitglied des souveränen Rates, also der Regierung des Malteserordens, in Rom und danach zwei Jahrzehnte dessen ständiger Gesandter im Botschafterrang bei der Bundesregierung in Bonn.

Mein Vater, der auf dem Eltzischen Hauptbesitz Vukovar/Kroatien aufwuchs, wurde 1991 vom kroatischen Präsidenten ehrenhalber zum Vertreter der Republik Kroatien mit Sitz in Bonn, danach war er von 1992 bis 2000 Abgeordneter des kroatischen Parlaments und zunächst delegiertes, dann bis zu seinem Tode Ehrenmitglied des Europarats. Dass sein Enkel Karl Theodor Guttenberg mit nur 37 Jahren zum Bundeswirtschaftsminister ernannt wurde, und dass er dabei eine so gute Figur abgibt, hätte diesen altösterreichischen politischen Grandseigneur sicher mit großem Stolz erfüllt.

Dieter J. Maier:

Was ist für Sie persönlich das Besondere an Burg Eltz?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Burg Eltz gilt heute zu Recht als die schönste, am besten erhaltene mittelalterliche Burg in Deutschland, die nicht nur eine weitgehend authentische Einrichtung mit vielen bedeutenden Kunst- und kunsthandwerklichen Zeugnissen aus acht Jahrhunderten vorweisen kann, sondern auch eine Rüst- und Schatzkammer von zumindest europäischem Rang. Weiterhin hat sie das einzigartige Privileg, in einer nach wie vor völlig intakten Naturlandschaft zu liegen. Da gibt es nichts, das ablenkt, das die vollendete Schönheit des Ortes stört, keine Autos, keine Hochspannungsmaste, keine Fabriken und keine Windräder. Wir bieten dem Gast nicht nur die Burg und Mittelalter pur, sondern auch den Eltzer Wald mit seinem besonderen Arboretum und mit dem neu eröffneten Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“, der die wildromantische Naturlandschaft des Elztal und die sanfte Schönheit und Tiefe der Kulturlandschaft Maifeld auf sportlichen 12 KM auf das Schönste verbindet.

Was unsere Gäste suchen und was man selber auf Burg Eltz spannend findet, ändert sich im Verlauf der Jahre: In den 60er bis in die 90er Jahren wurde unsere Burg fast als ausschließlich (bau-) geschichtliches Phänomen begriffen, zwar als „Burg schlechthin (Dehio) geliebt und bewundert, aber doch isoliert als Bauwerk wahrgenommen. Heute suchen unsere Gäste das vollkommene Ensemble aus der Schönheit des Bauwerks und der sie umgebenden Natur und viele begreifen, dass sie das so vielleicht nur auf Burg Eltz finden können.

Nähere Informationen zu Burg Eltz finden Sie unter www.burgeltz.de

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text entspricht dem Wortlaut des Interviews.