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Politikerin des Liberalismus – Zum Tod von Hildegard Hamm-Brücher

10. Dezember 2016

 

 

Als „Grande Dame“ der FDP prägte  Hildegard Hamm Brücher lange das Gesicht ihrer Partei, obwohl ihr Zeit ihres Lebens die wirklich  großen Ämter verweigert blieben. Nun ist Dr. Hildegard Hamm-Brücher mit 95 Jahren in München gestorben, wie ihr Sohn am vergangenen Freitag bestätigte.

 

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Hamm-Brücher als eine Frau, „die in der Politik der Bundesrepublik aktiv war und selbstbewusst ihren Weg gegangen ist“.

“ Ihre Mutter stand wie kaum eine andere für einen Liberalismus, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte. Von Beginn an war ihr politisches Profil unverwechselbar: klug, selbständig und fair focht sie für ihre Überzeugungen. Das erregte Aufsehen,“ schrieb Gauck ihrer Tochter Miriam Hamm.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Hamm-Brücher als eine herausragende Demokratin, die die Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut habe. „Sie war über viele Jahrzehnte hinweg eine der profiliertesten Stimmen und ein Vorbild für politische Freiheit in Deutschland. Mit ihrem unermüdlichen und wortgewaltigen Einsatz für unsere freiheitliche Demokratie hat sie sich höchsten Respekt über Parteigrenzen hinweg erworben“, so die Kanzlerin in ihrem Kondolenzschreiben an die Familie.

Hamm-Brücher gehörte zu den profiliertesten Politikerinnen der Nachkriegszeit, obwohl oder gerade weil sie sich selbst immer als „Politikerin des Liberalismus“ wahrnahm. Ihre Karriere begann in der Komunalpolitik. Hildegard Hamm-Brücher wurde über ihre Kandidatur im Mai 1948 für den Münchener Stadtrat auf die Liste der FDP Bayern gewählt. Hier war es der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss, der sie mit seinen Ansichten zum Aufbau und zum Erhalt der Demokratie entscheident prägte und in die Politik brachte.

1969 wechselte sie bis 1972 als Staatssekretärin in das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. 1976 bis 1990 war sie Mitglied des Bundestages und fand dort vor allem mit ihrer Rede vom 1. Oktober 1982 anlässlich des Misstrauensvotums gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt große Beachtung.  Im Laufe ihrer späteren politischen Karriere war sie 1994 Kandidatin der FDP für das Amt des Bundespräsidenten.  Auf Anraten des Parteivorsitzenden Klaus Kinkel trat Hamm Brücher allerdings im dritten Wahlgang nicht mehr an.

Doch trotz mancher politischer Blockierung bewies die FDP-Politikerin über Jahrzehnte hinweg , das persönliche Ausstrahlung und Verantwortungsgefühl kein Widerspruch sein mussten. Für Hildegard Hamm-Brücher war Politik somit weit mehr als moralische Gelehrsamkeit zur  Durchsetzung von eigenen Interessen mit entschlossenem Handeln.

Hamm-Brücher hatte sich in den vergangenen Jahren, geplagt von zwei Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Persönliche Erfahrungen prägen einen Menschen, aber das ist kein Verhängnis „, sagte sie in einem Interview noch kurz vor ihrem 95. Geburtstag im vergangenen Mai.

 

 

Quelle:

Dieter J. Maier-Berge

Foto: Bundesvorstand – FDP

 

 

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