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Archiv für die Kategorie ‘Wirtschaft’

Tag der offenen Tür – Einladung zum Staatsbesuch

1. September 2015 Kommentare ausgeschaltet

 

Am 29. und 30. August öffnet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für alle Bürgerinnen und Bürger seine Türen in der Berliner Wilhelmstraße 54.

Kommen auch Sie vorbei, bringen Sie Ihre Familie und Freunde mit. In diesem Jahr steht der Tag der offenen Tür im Zeichen der Ernährung und der Lebensmittel. Gewinnen Sie Einblicke in die gesamte Kette unserer wichtigsten Lebensgrundlage: Beginnend mit fruchtbaren Böden, über die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel und gesunde Ernährung bis hin zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

Aufgetischt! Unsere Aussteller

Ob gesunde Ernährung, hochwertige Lebensmittel oder eine moderne Landwirtschaft: Die Themen an unseren Ausstellungszelten sind spannend und abwechslungsreich.

 

Sprechen Sie mit uns darüber, wie man sich ausgewogen ernähren kann. Fragen Sie uns, woran man gute Lebensmittel erkennt. Lassen Sie sich zeigen, wie gute Böden, nachhaltige Bewirtschaftung und gesunde Ernährung zusammenhängen. Es erwarten Sie ein unterhaltsames Programm, spannende Mitmachaktionen und Führungen durch unser historisches Gebäude.

Wir freuen uns auf Sie!

Aufgetischt! Impressionen vom Tag der offenen Tür im Bundesernährungsministeriu

Willkommen beim Tag der offenen Tür

Zwei junge Frauen in Kostümen am Hofeingang
Der Tag der offenen Tür im BMEL steht in diesem Jahr unter dem Motto „Aufgetischt!“ Quelle BMEL/Peter Koss

Studieren ist beliebt wie nie

30. August 2015 Kommentare ausgeschaltet

Studieren ist beliebt wie nie. Rund die Hälfte der Schulabgänger beginnt heute ein Studium. Bis 2020 wird die Zahl der Studienanfänger weiter steigen. Mit dem „Hochschulpakt 2020“ finanziert der Bund zusammen mit den Ländern 760.000 zusätzliche Studienplätze. Er übernimmt ab 2015 das BAföG.

Studenten der Human- und Zahnmedizin sitzen bei einem Kurs im Mikroskopiersaal am Institut für Anatomie der Universität in Leipzig. 760.000 zusätzliche Studienplätze werden in den nächsten Jahren mit dem „Hochschulpakt 2020“ entstehen. Foto: picture-alliance/ ZB

2,7 Millionen Studentinnen und Studenten haben sich im Wintersemester 2014/15 an deutschen Hochschulen immatrikuliert – so viele wie noch nie.

Immer mehr Studenten absolvieren einen Teil ihres Studiums im Ausland. An deutschen Hochschulen lernen und lehren mehr ausländische Studierende und Wissenschaftler als zuvor.

Hochschulpakt 2020

Lag der Anteil der Studienanfänger 2005 noch bei 37 Prozent, nimmt heute rund die Hälfte der Schulabgänger in Deutschland ein Studium auf. Mit dem „Hochschulpakt 2020“ finanzieren Bund und Länder deshalb in den kommenden Jahren rund 760.000 zusätzliche Studienplätze.

Gut 25 Milliarden Euro werden Bund und Länder von 2016 bis 2020 investieren. Für jeden zusätzlichen Studienanfänger stellen sie damit 26.000 Euro bereit.

Über den Hochschulpakt werden künftig gezielt Maßnahmen finanziert, die mehr Studierenden einen erfolgreichen Abschluss ermöglichen. Zudem sollen mehr beruflich Qualifizierte den Weg an die Hochschulen finden.

BAföG – eine Erfolgsgeschichte

Seit 1971 gibt es das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Junge Menschen erhalten durch die finanzielle Förderung die Chance, unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familie zu studieren.

Millionen Jugendliche haben bereits davon profitiert. Kontinuierlich wurde die Ausbildungsförderung weiter entwickelt und an die Lebenswirklichkeit angepasst.

Zum Wintersemester 2016 steigen die BAföG-Sätze um sieben Prozent. Der Höchstsatz für Studierende mit eigener Wohnung beträgt dann 735 Euro monatlich. Etwa 110.000 mehr Studierende und Schüler können BAföG erhalten, weil die Einkommensfreibeträge der Eltern steigen. Rund 660.000 Studenten bekommen heute die Ausbildungsbeihilfe.

Mit der 25. BAföG-Novelle finanziert ab 2015 allein der Bund das BAföG – ohne Beteiligung der Länder, wie bisher. Die Länder können die freiwerdenden Mittel (rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr) in Schulen und Hochschulen investieren.

Studienreform „Bologna“ wirkt

Anfang des Jahrtausends begann eine europaweite Hochschulreform. Ziel der „Bologna-Reform“ war es, international akzeptierte Abschlüsse zu schaffen, die Qualität des Studiums zu verbessern und mehr Beschäftigungsfähigkeit zu vermitteln.

Inzwischen sind in Deutschland rund 87 Prozent aller Studiengänge auf die international akzeptierten Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt (Stand: Wintersemester 2012/2013).

Aus Sicht der meisten Studierenden sind die Ziele der Bologna-Reform überwiegend umgesetzt. Die Qualität der Lehre und des Lehrangebots bewerten sie mit großer Mehrheit positiv, so die Ergebnisse des 12. Studierendensurveys der Universität Koblenz vom Juli 2014.

Studieren wird internationaler

Immer mehr deutsche Studentinnen und Studenten gehen ins Ausland: 2012 studierten rund 139.000 deutsche Studierende im Ausland, mehr als doppelt so viele wie 2002. Daneben nutzen viele das europäische Austauschprogramm „Erasmus Plus“ für Studienaufenthalte in europäischen Nachbarländern. Die Bundesregierung will erreichen, dass künftig jeder zweite Student und jede zweite Studentin Auslanderfahrung sammelt.

Für ausländische Studierende und Nachwuchswissenschaftler sind die deutschen Hochschulen attraktiver geworden. Deutschland ist nach den USA und Großbritannien für ausländische Studierende das beliebteste Gastland. Im Wintersemester 2013/14 studierten erstmals über 300.000 ausländische Studenten an deutschen Universitäten.

Etwa 300 deutschen Hochschulen hatten Mitte 2014 rund 31.000 internationale Kooperationen mit 5000 Hochschulpartnern in 150 Staaten vereinbart. Die Hochschulen sind ein Tor zur Welt. Sie sorgen nicht nur für wissenschaftlichen Austausch und Mobilität, sondern vermitteln Studierenden wie Dozenten kulturelle Offenheit und Neugier auf Unbekanntes.

Berufsausbildung und Studium besser verzahnen

Berufliche- und Hochschulbildung durchlässiger zu machen, ist eine der wichtigsten Aufgaben für die nächsten Jahre. „Es geht darum, die duale Ausbildung dadurch attraktiver zu machen, dass der Wechsel vom Beruf an die Hochschule einfacher wird“, so Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Seit 2009 haben beruflich Qualifizierte mit abgeschlossener Berufsausbildung und dreijähriger Berufserfahrung Zugang zur Hochschule. Meister, Techniker, Fachwirte und Inhaber gleichgestellter Abschlüsse können also studieren. Mit dem Hochschulpakt haben sich die Länder verpflichtet, mehr beruflich Qualifizierten den Zugang zu den Hochschulen zu eröffnen.

Umgekehrt soll es für Studienabbrecher leichter werden, in die duale Ausbildung einzusteigen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen sind sie als künftige Fach- und mögliche Führungskräfte sehr begehrt. Die Bundesregierung fördert mit dem Programm „Jobstarter plus“ bundesweite Pilotprojekte, damit Betriebe und Studienabbrecher besser zusammenkommen.

Dual studieren, Praxiserfahrung sammeln

Nachgefragt ist das duale Studium. Wer dual studieren will, geht mit einer Firma eine Art Ausbildungsvertrag ein. Dabei verpflichten sich die Studierenden, in der studienfreien Zeit in der Firma zu arbeiten. Als Gegenleistung erhalten sie eine Art Stipendium.

Vorteil: duale Studenten sammeln jede Menge Praxiserfahrung. Sie können direkt im Unternehmen Kontakte zu knüpfen. In manchen dualen Studienprogrammen ist sogar die klassische Ausbildung enthalten, die parallel zum Studium läuft.

Für ein duales Studium sollte man sich bei einer Firma, die mit einer Hochschule oder Akademie kooperiert, am besten direkt bewerben. 2.000 duale Studiengänge werden angeboten

Über Firmen, die so etwas anbieten, informiert die Bundesagentur für Arbeit im Beratungsgespräch oder über ihre Jobbörse im Internet. Man kann sich auch direkt bei den Berufsakademien oder Hochschulen informieren, die duale Studiengänge anbieten. Sie verfügen oft über Listen von Unternehmen, bei denen man sich bewerben kann.
Das Online-Portal AusbildungPlus bietet einen Überblick über duale Studiengänge bundesweit.

Bundesregierung fördert berufliche Ausbildung

30. August 2015 Kommentare ausgeschaltet

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen beginnt ihren Berufsweg mit einer Ausbildung. Sie sind die Fachkräfte von morgen. Etwa 340 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Das duale System mit Ausbildung in Betrieb und Berufsschule gilt weltweit als Erfolgsmodell.

Der Meister bespricht mit der Auszubildenden deren Arbeit Ausbildung zur Sattlerin Foto: Tobias Hase

Die Arbeitswelt ist hoch spezialisiert. Das macht die duale Berufsausbildung unverzichtbar. Industrie, Handwerk und Handel brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Sie sind begehrt und in einigen Berufen bereits besonders nachgefragt: zum Beispiel in der Gastronomie, in der IT-Branche, bei Metall- und Elektroberufen und in der Gesundheitsbranche.

Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen

Fehlen sie in der dualen Ausbildung, so fehlen sie später in den Betrieben.

Die Ausbildungsberufe werden vom Bundesinstitut für Berufsbildung kontinuierlich überprüft, ob sie noch zeitgemäß sind. Die meisten Ausbildungsordnungen wurden in den letzten zehn Jahren modernisiert oder neu geschaffen.

Rund 340 dualen Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland – ob Augenoptiker, Bäcker, Fachinformatiker oder Zweiradmechaniker. Sie sind für jeden jungen Menschen ein attraktiver Einstieg ins Berufsleben.

Ausbildungsmarkt hat sich verändert

Nach Jahren des Lehrstellenmangels gibt es heute mehr Ausbildungsplätze. Der Ende 2014 ausgelaufene Ausbildungspakt zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft hat seit 2004 viel dazu beigetragen.

2013 hatte die Wirtschaft ihre Zusagen erneut übertroffen und 66.600 neue Ausbildungsplätze eingeworben. Auch 2014 gab es bei der Bundesagentur für Arbeit mehr Ausbildungsstellen als ein Jahr vorher. Dennoch blieben viele Ausbildungsplätze unbesetzt, und es konnten nicht alle Bewerber vermittelt werden.

Dass es schwierig ist, Ausbildungsplätze und Bewerber zusammenzubringen, hat viele Gründe: Oft passen berufliche Vorstellungen und Anforderungen nicht zusammen. Oder es gibt die passenden Ausbildungsplätze nicht dort, wo die Jugendlichen zu Hause sind, und ist ihre Mobilität zu gering. Für kleine und mittlere Betriebe ist es schwerer als für große, Auszubildende zu finden. Deshalb bilden viele Kleinunternehmen nicht mehr aus.

Die betriebliche Angeboten und die Jugendlichen besser zusammenzuführen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre.

Allianz für Aus- und Weiterbildung

Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder haben sich am 12. Dezember 2014 – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – zu einer Allianz für Aus- und Weiterbildung zusammengeschlossen. Sie folgt dem Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs, der Ende 2014 auslief.

Alle, die es wollen, sollen frühestmöglich einen Berufsabschluss machen. Die betriebliche Ausbildung hat dabei klaren Vorrang.

Die Wirtschaft hat für 2015 zugesagt, 20.000 mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Außerdem will sie jährlich 500.000 Praktikumsplätze zur Berufsorientierung bereithalten.

Mehr Ausbildungschancen für junge Migrantinnen und Migranten

Noch immer bekommen nach der Schule nur halb so viele Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz wie junge Deutsche – auch wenn sie guten Schulabschlüsse haben.

Deshalb will die Bundesregierung die Bildungs- und Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessern. Denn gleiche Bildungschancen sind wichtig, damit Integration gelingt.

Zunächst gehört dazu, dass die jungen Migrantinnen und Migranten vorurteilsfrei wahrgenommen werden. Sie sollen die gleichen Chancen aufgrund ihrer Talente und Fähigkeiten bekommen wie deutsche Jugendliche. Die Bundesregierung unterstützt junge Migranten und Betriebe dabei, zum Beispiel mit der Berufseinstiegsbegleitung und dem Programm Jobstarter.

Ausbildung lohnt sich
Ausgebildete Fachkräfte verdienen im Jahr durchschnittlich 4.000 Euro mehr als Beschäftigte ohne Ausbildung. Über das ganze Erwerbsleben hinweg summiert sich der Unterschied auf fast eine Viertel Million Euro. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelt.

> Grafik „Durchschnittliche Lebensverdienste nach Bildungsabschluss“

Chance Beruf

Zusammen mit den Ländern wird das Bundesbildungsministerium das erfolgreiche Programm „Bildungsketten“ ausbauen. Jugendliche sollen ihre Stärken früh wahrnehmen und ihre beruflichen Möglichkeiten kennenlernen. Schulabbrüche, Warteschleifen können so verhindert werden.

Wichtig ist, dass sich Unternehmen auch um schwächere Bewerberinnen und Bewerber kümmern. Denn vielen Jugendlichen fällt der Einstieg in eine Ausbildung schwer. Teilweise fehlen ihnen Schulabschlüsse oder die berufliche Reife. Noch immer stecken zu viele Schulabgänger in Übergangsmaßnahmen – oft ohne Aussicht auf einen Berufsabschluss.

Leistungsschwächere Jugendliche sollen zu einem erfolgreichen Berufsabschluss geführt werden. Dafür gibt es die assistierte Ausbildung. Die Partner der Ausbildungsallianz wollen für das Ausbildungsjahr 2015/2016 bis zu 10.000 assistierte Ausbildungsplätze schaffen.

Darüber hinaus wird die Bundesregierung die ausbildungsbegleitenden Hilfen ausbauen. Alle jungen Menschen, die Unterstützung benötigen, sollen rechtzeitig mit ausbildungsbegleitenden Hilfen gefördert werden – nicht erst wenn der Ausbildungsabbruch droht.

Ausbildung statt Studium

Die Partner der Allianz wollen auch leistungsstarke Jugendliche oder Studienabbrecher für die Berufsausbildung gewinnen. Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig. Wer einen Ausbildungsabschluss hat, kann sich durchaus mit Jugendlichen anderer Länder messen, die dort ein Studium oder eine Fachschulausbildung absolviert haben.

Daher wollen die Länder dafür sorgen, dass künftig auch Schülerinnen und Schüler an Gymnasien mehr über die duale Ausbildung informiert werden.

Die Berufsausbildung im dualen System ist attraktiv und Grundlage für erfolgreiche Berufskarrieren. Leistungsstarke junge Leute können zum Teil schon während der Ausbildung Zusatzqualifikationen erwerben. Sie verbessern damit ihre Berufschancen und Karriereaussichten. Rund 2.300 verschiedene Zusatzqualifikationen gibt es derzeit.

Aufenthalte im Ausland sollen künftig – wie Studienaufenthalte – zu einer anspruchsvollen, attraktiven Ausbildung gehören. Sie tragen zum Erwerb interkultureller und sprachlicher Kompetenzen bei. 2014 waren 18.000 Auszubildende über das EU-Austauschprogramm Erasmus+ im Ausland. Das sind 12,5 Prozent mehr als 2013.

Merkel bezeichnet Schuldeneinsparung als „Wendepunkt“ deutscher Finanzpolitik

14. November 2014 Kommentare ausgeschaltet

Nach exakt 14 Stunden stand am vergangenen Freitag gegen drei Uhr morgens, der Bundeshaushalt für 2015 fest: Nach zähen Verhandelungen, in der die exorbitenstesten Mitglieder des Bundestags-Haushaltsausschusses die Minister der großen Koalition hintereinander postieren ließen, wurde sich eindeutig darauf geeinigt, dass der Bund ab dem kommenden Jahr keine neuen Kredite mehr aufnehmen wird. Als finanzielle Entlastung wurde hierbei die derzeit weiterhin extrem niedrigen Zinsen im Bundesetat von mehr als eine Milliarde Euro genannt, die auch eine üppige Rückzahlung aus Brüssel einschloss, die Deutschland in Höhe von 2,2 Milliarden Euro offenbar in den vergangenen Jahren zu viel dorthin überwiesen hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Haushalt 2015 ohne neue Schulden als „Wendepunkt“ in der deutschen Finanzpolitik: “ Im Finanzhaushalt muss der Bund im kommenden Jahr erstmals seit 46 Jahren keine neuen Schulden machen, um seine Vorhaben und Verpflichtungen zahlen zu können. Deutschland ist ein Garant für Verlässlichkeit und Stabilität und wird als Stabilitätsanker und Wachstumsmotor in Europa gebrauch. „Wenn es uns nicht gelingt, das transatlantische Freihandelsabkommen zügig zu verhandeln, werden wir nicht nur im internationalen Handel große Nachteile gegenüber anderen Regionen haben“, so Merkel in der Generaldebatte vor dem Deutschen Bundestag. Europa müsse die Chance wahrnehmen, internationale Standards bei Ökologie und Verbraucherschutz zu setzen. Deshalb müsse das Freihandelsabkommen „absolute Priorität“ haben.

Auch Bundesfinanzministerminister Schäuble bezeichnete den Bundeshaushalt weiterhin als ausgeglichen: „ Wir geben nur das aus, was wir auch einnehmen. Das ist ein Signal der Verlässlichkeit an Menschen und Unternehmen in Deutschland und in Europa. Den ausgeglichenen Haushalt haben wir erreicht, indem wir über Jahre hinweg konsequent die Ausgaben begrenzt haben. Wir investieren in Deutschlands Zukunft, ohne Schulden zu machen“.

Allerdings werde, trotz schlechterer Wirtschaftslage, der Bundeshaushalt auch im kommenden Jahr mit keinen wesentlich wenigeren Steuereinnahmen rechnen müssen. Die Steuereinnahmen senkten sich laut dem Bundesfinanzministerium Anfang November in 2015 nur leicht von 278,6 auf 270,0 Milliarden Euro. Als Grund für die „positive Entwicklung“ wurde die gute Beschäftigungslage weiterhin als affirmativer Effekt, direkt nach der robuste Inlandsnachfrage“ genannt. Zugleich konnte die Regierung im Haushalt mit geringeren Zinsausgaben kalkulieren.

Die Ausgaben und die Einnahmen des Bundes belaufen sich 2015 auf 299,7 Mrd. Euro, und somit genau auf dem Niveau des Jahres 2010. Damit haben die steigenden Steuereinnahmen in diesem Zeitraum zu einem entsprechenden Abbau des Defizits geführt. Im Finanzplanungszeitraum bis 2018 steigen Einnahmen und Ausgaben bis auf 327 Mrd. Euro an. Der Anstieg ist damit begrenzt auf die allgemeine Wirtschaftsentwicklung, die Ausgaben steigen also nicht stärker an als das Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum.

Quelle:

Dieter J. Maier

Report aus Berlin

 

 

Bericht Nr. 2 Platzhalter

16. Dezember 2013 Kommentare ausgeschaltet

Platzhalter

Interview mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Schulte, Fraport AG

dr-schulte-fraport1 Der Aufsichtsrat der Fraport AG hat Anfang März diesen Jahres den 48 jährigen Dr. Stefan Schulte zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Schulte löst somit  den langjährigen Vorstands-Chef  Dr. Wilhelm Bender ab, der Anfang August 65 Jahre alt wird. In einem exklusiven Interview äußerte sich Dr. Stefan Schulte gegenüber Saar Report u.a. über den Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens Frankfurt.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, der Aufsichtsrat der Fraport hat Sie mit Wirkung ab dem 01.September 2009 zum neuen Vorstandsvorsitzenden für die nächsten fünf Jahre bestellt. Welche zentralen Aufgaben verfolgen Sie, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Frankfurt im internationalen Ranking zu sichern?

Dr. Schulte:

Zunächst gilt es die erfolgreiche Unternehmenspolitik der Fraport AG, die ich in den letzten sechs Jahren bereits als Vorstandsmitglied mitgestaltet habe, fortzusetzen. Der nachfragegerechte Ausbau des Frankfurter Flughafens ist dabei natürlich das Top-Thema, denn er versetzt uns in die Lage, langfristig im Wettbewerb der großen internationalen Luftverkehrsdrehkreuze zu bestehen. Der Ausbau ermöglicht ab 2011 eine Erhöhung der stündlichen Flugbewegungen von 83 auf 126. Passage und Fracht erhalten damit genügend Start- und Landekapazität und müssen nicht um begehrte Slots – also Zeitfenster für Starts und Landungen – rangeln. Weiter sind ein striktes Investitions- und Kostenmanagement, die Finanzierung unseres Ausbaus, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung und weitere Akzente in der Dienstleistungs- und Kundenorientierung wesentliche Ziele meiner Arbeit.

Dieter J. Maier:

Der Aufsichtsrat setzt besonderes Vertrauen in Ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Was beinhaltet dies für Sie?

Dr. Schulte:

Ich will das Vertrauen, das der Aufsichtsrat mir und meiner Arbeit entgegenbringt, natürlich bestätigen. Wichtig ist, dass wir unsere Stärken als Flughafenbetreiber weiter ausbauen und alle Geschäftsbereiche ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens erbringen. Erfolg haben wir als Mannschaft, wenn wir alle gemeinsam und jeder an seinem Platz und in seiner Verantwortung das Beste für Fraport und unsere Flughäfen, für unsere Kunden geben. Ein offenes und ehrliches, von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Miteinander und Zusammenarbeiten ist mir dabei im konstruktiven Diskurs um die beste Lösung, den besten Arbeitsablauf im Interesse unseres Unternehmens und unserer Kunden wichtig.

Dieter J.Maier:

Die akute Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch Fraport erreicht. Es gilt ein schwieriges Geschäftsjahr als besondere Herausforderung zu bewältigen. Durch den starken Rückgang des Luftfrachtaufkommens um bis zu 25% sind seit Mitte März rund 500 Mitarbeiter der Fraport Cargo Services (FCS) von Kurzarbeit betroffen. Jetzt geht es um die Zukunft der Bodenverkehrsdienste. Steht Fraport hier vor einem Ausgründungsszenario von mehreren tausend Mitarbeitern des Stammpersonals und ist angesichts hoher Konzernüberschüsse dies wirklich notwendig?

Dr.Schulte:

Hier gibt es zwei Aspekte zu beachten: Da wir zusätzliche Kunden gewinnen konnten und damit die abzufertigenden Frachtmengen ein zumindest zufriedenstellendes Niveau erreicht haben, konnten wir die Kurzarbeit für die Beschäftigten der FCS inzwischen wieder beenden. Insbesondere dem Gewinn des neuen Großkunden Air China, dem drittgrößten Frachtcarrier am Flughafen Frankfurt, ist dies zu verdanken. Das zeigt, dass auch und gerade in schwierigen Zeiten die Akquisition neuer Kunden wichtiger denn je ist.

Das zweite von Ihnen angesprochene Thema „Zukunft der Bodenverkehrsdienste“ steht natürlich ganz oben auf der Agenda. Wir verhandeln hier mit den Interessenvertretungen der Arbeitnehmer und wollen eine für beide Seiten tragfähige und dauerhafte Lösung finden, die Arbeitsplätze sichert, und zwar in den bestehenden Strukturen. Ich hoffe sehr, dass wir hier in den nächsten Monaten zu einem einvernehmlichen und tragfähigen Ergebnis kommen werden. Wenn nicht, sehe ich allerdings Gefahr für Arbeitsplätze. Denn die Konkurrenz schläft auch am Flughafen Frankfurt nicht und wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, in einem harten Wettbewerb zu bestehen. Wobei wir unseren Verhandlungspartnern auf Airlineseite auch immer wieder deutlich machen: Natürlich muss Top-Qualität auch ordentlich bezahlt werden.

Dieter J. Maier:

Der Flughafenausbau wird entschlossen vorangetrieben und die Inbetriebnahme der neuen Landebahn soll zum Winterflugplan 2011 sichergestellt werden. Welche weitere Ausbauprojekte sind in Planung bzw. langfristig angedacht?

Dr. Schulte:

Neben der neuen Landebahn im Nordwesten des Flughafengeländes planen wir ein neues Terminal im Süden, das in einem mehrstufigen Bauprozess unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte errichtet wird. Und wir arbeiten bereits seit Jahren an der Modernisierung und Ertüchtigung der bestehenden Fluggastanlagen. Für diese Projekte werden wir insgesamt rund sieben Milliarden Euro investieren. Diese Investitionen sichern nicht nur die Zukunftsfähigkeit des Flughafens Frankfurt, sondern kommen auch der Umwelt zugute! Unser Ziel ist, den Flughafenausbau CO2-neutral umzusetzen und bis 2020 pro Passagier und pro 100 Kilogramm Luftfracht die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu senken.

Dieter J. Maier:

Fraport ist weltweit in Form von Managementverträgen an nationalen und internationalen Verkehrsflughäfen beteiligt. Hierbei hat sich Frankfurt Hahn als kostenintensive und unrentable Beteiligung  heraus kristallisiert und wurde wieder abgestoßen. Wie sieht die Entwicklung der größten Beteiligungen aus und sind neue Beteiligungen an Flughäfen in absehbarer Zukunft geplant?

Dr. Schulte:

In den vergangenen Jahren hat sich unsere Grundsatzentscheidung, das weltweit anerkannte Fraport-Know how auch international zu vermarkten, als richtig und überaus erfolgreich erwiesen. Diesen Wegfraport-rollfeld-schulte werden wir konsequent weitergehen, mögliche neue Beteiligungsprojekte genau analysieren und uns dort engagieren, wo wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven Geschäftsbeitrag erzielen können. Längst tragen unsere Engagements in aller Welt maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei – dazu gehört im Übrigen auch der Flughafen Lima! Hier haben wir 2008 das erste Geschäftsjahr voll konsolidiert und sowohl bei Passagierzahlen als auch im Luftfrachtgeschäft kräftig zugelegt. In Antalya haben wir bereits im September 2007 im Rahmen des bis 2024 laufenden Konzessionsvertrages das zweite Fluggastgebäude übernommen und in der Folge von einem starken Verkehrsanstieg profitieren können. Ab September 2009 betreiben wir hier dann auch das dritte Terminal.

Neben unseren bisherigen Aktivitäten in den asiatischen Boommärkten Indien und China, wo wir bereits mit dem Hub-Airport in Delhi sowie dem bedeutenden Regionalflughafen in Xi’an präsent sind, streben wir weitere Engagements in diesen dynamischen Luftverkehrsmärkten an. Positiv entwickelt hat sich auch unsere Präsenz in Saudi-Arabien: Hier sind wir seit Frühsommer 2008 mit Management, Betrieb und Weiterentwicklung der beiden Flughäfen in Jeddah und Riyadh beauftragt. Während der Vertragslaufzeit von sechs Jahren werden Fraport Management Teams neben dem Tagesgeschäft eine Vielzahl von Projekten leiten, die sich u. a. der Verbesserung der Servicequalität und der nachhaltigen Steigerung des Verkehrswachstums widmen. Unser Engagement am Flughafen Frankfurt-Hahn haben wir beendet, da wir nach intensiven Diskussionen und Entscheidungen auf Gesellschafterebene keine realistische Möglichkeit sahen, unsere Zielsetzung zu erreichen, den Flughafen auf Sicht in die Gewinnzone zu bringen. Aus diesem Grund haben wir mit dem Land Rheinland-Pfalz eine Übernahme unseres Anteils verhandelt und diese Verhandlungen Anfang Februar erfolgreich abgeschlossen.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, vielen Dank für das Gespräch.

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Interview mit den Ministerpräsidenten Beck und Peter Müller

Kurt Beck und Peter Müller - Foto: Dieter J. Maier

Als herausragendes Beispiel für die erfolgreiche nationale Kooperation würdigte Ministerpräsident Kurt Beck die Schienen-Schnellverkehrsverbindung Paris-Ostfrankreich- Südwest-Deutschland (POS) die in einer ersten Stufe 2007 in Betrieb gegangen ist. Bei einer deutsch- französischen Kundgebung im Bahnhof von Metz äußerten sich die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Peter Müller gegenüber Saar Report u.a. über die neuen wirtschaftlichen Standortbedingungen der beider Nachbarländer und über die auf Landesebene bedingten Finanzierungsmaßnahmen der neuen Schienenstrecke.

Dieter J. Maier:

Herr Ministerpräsident Müller,wie sehen Sie die wirtschaftlichen Standortbedingungen zur Zeit im Saarland?

Ministerpräsident Müller:

Die wirtschaftlichen Standortbedingungen im Saarland sind hervorragend. Hier befindet sich u.a. die deutsch- französische Handelskammer und viele französische Unternehmen haben mittlerweile ihre Standorte auch ins Saarland verlegt. Ein Drittel der französischen und fast 40% der saarländischen Investitionen in Frankreich finden in diesem bilateraler Verhältnis statt, dies ist für das Saarland ein gutes Fundament, auf dem wir weiter aufbauen werden.

Dieter J. Maier:

Sind die neuen wirtschaftlichen Maßnahmen auf Landesebene bereits finanziert?

Ministerpräsident Müller:

Teilweise sind diese Maßnahmen in den laufenden Investitionsplanungen bereits enthalten und finanziert. In zusätzlich zu erwartende Maßnahmen, insbesondere die Fahrtstrecke zwischen Saarbrücken und Mannheim unter einer Stunde zu erreichen, muss auf Landesebene noch einiges an Finanzierungsmaßnahmen angegangen werden, aber wir hoffen, dies so gut wie möglich zu verwirklichen. Die zu erwartenden Ausgabeträge werden werden, so weit mir bekannt ist, etwa in einem zweistelligen Millionenbetrag liegen.

Dieter J. Maier:

Ist das Saarland verkehrspolitisch zu sehr „abgehängt“?

Ministerpräsident Müller:

Das Saarland ist verkehrspolitisch in keinster Weise „abgehängt“, sondern mitten im europäischen Schienenschnellverkehrsverbund. Jetzt besteht die Aufgabe der Landesregierung darin, eine Schienenstrecke zu schaffen, die nicht nur wettbewerbsfähig ist, sondern auch die gleichen Verkehrsbedingungen erfüllt wie die Schienenstrecke über Straßburg. Hier muss auch der Bund entsprechende Finanzierungsmaßnahmen mit der Deutschen Bundesbahn treffen. Wir haben auf Landesebene gute Verkehrsbedingungen für den Ausbau dieser Strecke erreicht und wir werden weiter auch mit Rheinland-Pfalz diesbezüglich in einer guten gemeinsamen Zusammenarbeit stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch diese Veranstaltung heute hier in Metz mit dazu beitragen wird, das verkehrspolitische deutsch-französische Wirtschaftsverhältnis weiter zu verbessern und ich denke, auch dass die saarländischen Anliegen diesbezüglich weiter in Paris Gehör finden. Wir feiern in diesem Jahr den Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken und erwarten zu diesem feierlichen Anlass den französischen Staatspräsidenten. Dies wird auch eine weitere Gelegenheit sein, das deutsch-französische Verhältnis weiter zu verbessern.

Dieter J. Maier:

Herr Ministerpräsident Beck, was ist aus Ihrer Sicht für das deutsch-französische Verhältnis politisch gesehen zur Zeit besonders wichtig?

Ministerpräsident Beck:

Es ist wichtig, das deutsch-französische Wirtschaftsverhältnis, auch im Schienenverkehr, weiter zu verbessern und ich halte diese Veranstaltung heute für eine gute Gelegenheit, die wirtschaftlichen Beziehungen unserer beiden Nachbarländer weiter auszubauen. Hierbei muss auch erwähnt werden, dass in den vergangenen zwanzig Jahren politisch und wirtschaftlich viel geschehen ist. Deutschland und Frankreich sind eine lange Wegstrecke miteinander gegangen und haben gemeinsam vieles erreicht, aber wir haben auch noch viele unerfüllte Aufgaben vor uns.
Dieter J. Maier:

Was heißt das konkret für das deutsch-französische Wirtschaftsverhältnis?
Ministerpräsident Beck:

Jetzt heisst es v.a. die vorhandenen Kräfte zu bündeln und neu auf das angestrebte Ziel zuzugehen. Es geht hierbei insbesondere darum, dass wir die technischen Herausforderungen annehmen und alle Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, gemeinsam lösen. Mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln müssen wir besonders auf nationaler Ebene die vorgegebenen Aufgaben angehen. Der politische Wille hierzu ist auf beiden Seiten vorhanden und ich möchte an dieser Stelle dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Rheinhard Klimmt ganz herzlich danken. Er hat in seiner Amtszeit vieles, wovon wir heute profitieren, schon auf den Weg gebracht. Es geht für uns nun hauptsächlich darum, dass wir uns auf Bundesebene dafür einsetzen und die notwendigen, finanziellen Mittel erhalten, um dieses Projekt weiter voranzubringen. Ich bin sicher, dass die Durchsetzung der Finanzierung manchen Kampf mit sich bringen wird, aber wir sind fest entschlossen, diese Herausforderung weiter anzunehmen und zu einem guten Abschluss zu bringen.

Quelle:
Dieter J. Maier

Interview mit Wendelin von Boch

23. November 2008 Keine Kommentare

Finanzkrisen, wie wir sie gerade in diesen Tagen erleben, sind größere Verwerfungen im Finanzsystem, die durch einen Rückgang der Vermögenspreise und die Zahlungsunfähigkeit zahlreicher Unternehmer der Finanzwirtschaft und anderer Branchen gekennzeichnet sind und die die ökonomische Aktivität in einem oder mehreren Ländern erheblich beeinträchtigen. Ob die gegenwärtig weltweite Finanzkrise auch Einfluss auf den deutschen Wirtschaftsmarkt haben wird und welche wirtschaftlichen Chancen sich jetzt auch für den deutschen Wirtschaftsmarkt bieten, darüber äußerte sich der frühere Vorstandsvorsitzende von Villeroy & Boch, Wendelin von Boch, in einem exklusiven Interview gegenüber Saar-Report.

Dieter J. Maier:

Die gegenwärtige Finanzkrise hat sich auf die internationale Wirtschaft sehr negativ ausgewirkt und das Vertrauen in das Management der Banken zutiefst erschüttert. Welche Auswirkungen hat die Banken- und Finanzkrise aus Ihrer Sicht für die deutsche Wirtschaft?

Wendelin von Boch:

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Foto: Dieter J. Maier

Wir haben gegenwärtig die schlimmste Finanzkrise seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Diese Krise wurde u.a. durch ein übertriebenes Investment-Banking und sogenannte Finanz-Innovationen ausgelöst. Eine große Gefahr besteht jetzt darin, dass diese Finanzkrise auch auf die Real-Wirtschaft übergreifen wird, was gerade in der deutschen Automobilindustie schon deutlich spürbar wurde. Es ist auch nahezu sicher, dass es nicht nur in Deutschland eine Rezession geben wird. Wie lange diese allerdings andauert und welche genauen Folgen sie haben wird ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Vor kurzem haben die Wirtschaftsweisen prognostiziert, dass es in 2009 zu einer Rezession kommen wird zwischen 0,2 – 0,8 %. Diese Prognose ist natürlich alles andere als erfreulich, aber sie setzt in der Wirtschaft trotz allem wieder einen Wandel in Gang, dem man sich auf keinem Fall verschließen sollte.

Dieter J. Maier:

Die soziale Marktwirtschaft steht seit dem zweiten Weltkrieg für das deutsche Wirtschaftswunder. Welche Auswirkungen hat die soziale Marktwirtschaft heute noch für die deutsche Wirtschaft?

Wendelin von Boch:

Die soziale Marktwirtschaft setzte nach dem verlorenen Krieg 1945 in Deutschland einen unglaublichen Wirtschaftsboom in Gang, von dem wir heute noch profitieren. Ich persönlich war schon immer ein großer Verfechter der sozialen Marktwirtschaft. Wenn diese aber nicht auf Nachhaltigkeit und ethischen Prinzipien basiert, dann sind in der Regel solche Finanzkrisen, wie wir sie gerade erleben, geradezu vorbestimmt. Es ist für mich auch unglaublich zu sehen, wie unser Erdball in den vergangenen Jahrzehnten zusammengewachsen ist. In wenigen Minuten und Sekunden verlaufen Informationen 24 Stunden am Tag rund um den Globus. Alles ist aufs Engste vernetzt, was wir gerade auch in der jetzigen Finanzkrise schmerzlich erlebt haben. Was in Amerika auf dem Finanzmarkt passiert ist, wurde wie ein Schneeball nach Europa zurück geworfen und verbreitete sich dann lawinenartig auf den ganzen Globus aus. Die Globalisierung ist irreversibel und ist nun wirklich auch im letzten Winkel der Erde angekommen.

Dieter J. Maier:

Ist die Globalisierung für die Weltwirtschaft eine Chance oder stellt sie eher eine Gefahr dar?

Wendelin von Boch:

Es ist eine Tatsache, dass die Globalisierung der Wirtschaft eine große Chance ist aber auch große Risiken birgt. Sie stellt jedoch auch die größte Herausforderung dar, die uns wirtschaftlich in diesem Jahrhundert begegnen und beschäftigen wird. Die Globalisierung kann aus einer betriebswirtschaftlichen und einer volkswirtschaftlich-politischen Sicht betrachtet werden. Die politisch-volkswirtschaftliche Sicht entscheidet letztendlich darüber, ob Wohlstand wirtschaftlich gesehen ankommt oder nicht. Bis zum Fall der Mauer in Berlin 1990 gab es eine ganz klare Aufteilung der Welt in Kapitalismus im Westen und in Sozialismus und Planwirtschaft im Osten Deutschlands. Mit dem Zusammenbruch des Sozialismus und der Kopie unserer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Systeme durch den Osten, insbesondere in China, Russland und auch in Indien, hat sich dort eine enorme Wachstumsdynamik eingestellt, d.h. freies Unternehmertum statt staatlicher Kontrolle und bürokratischer Regulierungen. Dies Wachstumsdynamik hat in diesen Ländern Kräfte freigesetzt, die wir hier in Deutschland vor zwanzig Jahren noch nicht für möglich gehalten haben. Jetzt stellt sich die Frage, ob das schwache Wachstum, das wir hier in Europa in den vergangenen Jahren hatten, nicht doch mit dem zweistelligen Wachstum des Bruttosozialproduktes in Indien, China oder Russland in Verbindung steht. Unbestritten sind uns dort aber Wettbewerbe erwachsen, die mit niedrigstem Lohnniveau und mit neuester Technologie die Schere zwischen der klassischen Industrie und den Entwicklungsländern zum schließen bringt. Diese Entwicklung wurde vor allem gefördert durch die große Leistungsbereitschaft, mit der die Menschen in diesen Ländern sich den Traum vom besseren Leben erfüllen wollen.

Dieter J. Maier:

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft in Deutschland für die kommenden Jahren?

Wendelin von Boch:

Wir betrachten ja gerne die Dinge um den Kirchenturm herum, d.h. wir beobachten sehr genau, was in der Region oder in unserem Bundesland geschieht. Wer sich aber mal bildlich gesprochen in die Vogelpersektive begibt, der wird bald nicht mehr einsehen, warum die Menschen im Westen frei und reich sein dürfen und die Menschen im Osten oder in der dritten Welt weiter arm und unterdrückt leben müssen. Es gibt in der Globalisierung wie überall Gewinner und Verlierer. Das rasante Wachstum im Osten führt ganz klar zu mehr Wohlstand und zu einem relativen Abstieg der klassischen Industrienationen. Wir müssen heute akzeptieren, dass der globale Wohlstand neu verteilt wird mit der negativen Folge, dass es zunehmend schwer fällt, die sozialen Sicherungssysteme im gewohnten Umfang aufzufangen. Es kommen also mehrere Komponenten zusammen die verhindern, dass wir das steile Wachstum der vergangenen Jahre so nicht mehr halten können. Die Globalisierung drückt die Löhne, v.a. im unqualifizierten Bereich. Doch bei hochtechnologischer Produktion und Dienstleistung mit einem Höchstmaß an Innovation und Bildung können nicht nur im Westen die schlechten Rahmenbedingungen überwunden werden. Wenn wir also richtig mit dieser wirtschaftlichen Situation umgehen wird es auch im Westen wieder deutlich mehr Gewinner geben und es ist eindeutig, dass Deutschland aus guten Gründen zu den Gewinnern der Globalisierung zählen wird.

Dieter J. Maier:

Herr von Boch, vielen Dank für das Gespräch.