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Archiv für die Kategorie ‘Zeitgeschichte’

Politikerin des Liberalismus – Zum Tod von Hildegard Hamm-Brücher

10. Dezember 2016 Kommentare ausgeschaltet

 

 

Als „Grande Dame“ der FDP prägte  Hildegard Hamm Brücher lange das Gesicht ihrer Partei, obwohl ihr Zeit ihres Lebens die wirklich  großen Ämter verweigert blieben. Nun ist Dr. Hildegard Hamm-Brücher mit 95 Jahren in München gestorben, wie ihr Sohn am vergangenen Freitag bestätigte.

 

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Hamm-Brücher als eine Frau, „die in der Politik der Bundesrepublik aktiv war und selbstbewusst ihren Weg gegangen ist“.

“ Ihre Mutter stand wie kaum eine andere für einen Liberalismus, der sich für Bürgerrechte, Zivilcourage und demokratische Kultur einsetzte. Von Beginn an war ihr politisches Profil unverwechselbar: klug, selbständig und fair focht sie für ihre Überzeugungen. Das erregte Aufsehen,“ schrieb Gauck ihrer Tochter Miriam Hamm.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete Hamm-Brücher als eine herausragende Demokratin, die die Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufgebaut habe. „Sie war über viele Jahrzehnte hinweg eine der profiliertesten Stimmen und ein Vorbild für politische Freiheit in Deutschland. Mit ihrem unermüdlichen und wortgewaltigen Einsatz für unsere freiheitliche Demokratie hat sie sich höchsten Respekt über Parteigrenzen hinweg erworben“, so die Kanzlerin in ihrem Kondolenzschreiben an die Familie.

Hamm-Brücher gehörte zu den profiliertesten Politikerinnen der Nachkriegszeit, obwohl oder gerade weil sie sich selbst immer als „Politikerin des Liberalismus“ wahrnahm. Ihre Karriere begann in der Komunalpolitik. Hildegard Hamm-Brücher wurde über ihre Kandidatur im Mai 1948 für den Münchener Stadtrat auf die Liste der FDP Bayern gewählt. Hier war es der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss, der sie mit seinen Ansichten zum Aufbau und zum Erhalt der Demokratie entscheident prägte und in die Politik brachte.

1969 wechselte sie bis 1972 als Staatssekretärin in das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. 1976 bis 1990 war sie Mitglied des Bundestages und fand dort vor allem mit ihrer Rede vom 1. Oktober 1982 anlässlich des Misstrauensvotums gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt große Beachtung.  Im Laufe ihrer späteren politischen Karriere war sie 1994 Kandidatin der FDP für das Amt des Bundespräsidenten.  Auf Anraten des Parteivorsitzenden Klaus Kinkel trat Hamm Brücher allerdings im dritten Wahlgang nicht mehr an.

Doch trotz mancher politischer Blockierung bewies die FDP-Politikerin über Jahrzehnte hinweg , das persönliche Ausstrahlung und Verantwortungsgefühl kein Widerspruch sein mussten. Für Hildegard Hamm-Brücher war Politik somit weit mehr als moralische Gelehrsamkeit zur  Durchsetzung von eigenen Interessen mit entschlossenem Handeln.

Hamm-Brücher hatte sich in den vergangenen Jahren, geplagt von zwei Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Persönliche Erfahrungen prägen einen Menschen, aber das ist kein Verhängnis „, sagte sie in einem Interview noch kurz vor ihrem 95. Geburtstag im vergangenen Mai.

 

 

Quelle:

Dieter J. Maier-Berge

Foto: Bundesvorstand – FDP

 

 

KategorienZeitgeschichte

Bundespräsident Joachim Gauck gratuliert Donald Trump zur Wahl

9. November 2016 Kommentare ausgeschaltet

 

bundesprasident-gauck-auf-landesbesuch-in-rheinland-pfalz-012

Bundespräsident Joachim Gauck hat Donald Trump zu seiner Wahl in den USA gratuliert. Der Bundespräsident schrieb dem designierten US Präsidenten:

„“Zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliere ich Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute.“

„Gemeinsame Werte begründen die langjährige, solide Freundschaft unserer Völker. Der außerordentliche Beistand, den die Vereinigten Staaten von Amerika Deutschland geleistet haben, wann immer es um die Freiheit und Einheit unseres Landes ging, bleibt unvergessen“.“ Gauck betonte auch die gemeinsame vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit, die  auch in Zukunft von zentraler Bedeutung für die Bewältigung der globalen Herausforderungen für beide Staaten sein sollte.“

„Das transatlantische Verhältnis bleibt für Deutschland ein entscheidender Pfeiler unserer Politik. Deutschland wird weiterhin ein verlässlicher Freund und Allianzpartner beim Einsatz für Freiheit, Frieden, Wohlstand und unsere Umwelt sein, so der Bundespräsident weiter.

Dennoch hatte sich Gauck vor der Wahl von Donald Trump gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ kritisch über dessen möglich Wahl geäußert. “ „Was uns unter anderem Sorgen machen muss, ist ist seine Unberechenbarkeit.““, sagte der Bundespräsident in einem Interview im Hinblick auf die US- Präsidentschaftswahlen. “

„Wir können nicht sagen, was von einem Präsidenten Donald Trump zu erwarten wäre. Das halte ich – zusammen mit vielen Menschen in den USA und bei uns – für ein Problem, aber ich hoffe, „dass die US-amerikanische Demokratie, die ja den Präsidenten nicht zum Autokraten macht, dass das System der checks and balances, der gegenseitigen Kontrolle, der eingehegten Macht auch künftig tragen“ wird“, so Gauck weiter.

Am Wahltag, dem 8. November 2016, konnte sich Trump entgegen den meisten Umfragen und Wahlprognosen gegen Clinton durchsetzen. Den Grundstein für seinen Sieg legte er im sogenannten Rust Belt des Mittleren Westens, wo er in traditionell demokratischen Staaten wie Michigan, Wisconsin und Pennsylvania eine Mehrheit erreichen konnte. Zusätzlich gewann er die Abstimmungen in den klassischen Swing States wie Florida, Ohio und Iowa. In den letzteren beiden fiel sein Vorsprung verglichen mit früheren Ergebnissen sehr deutlich aus.

 

Foto und Quelle:

Dieter J. Maier-Berge

 

KategorienZeitgeschichte

Erinnerungen an Roy Black – Geburtsstadt Bobingen ehrt Schlagerlegende zum 25. Todestag

7. Oktober 2016 Kommentare ausgeschaltet

 



Vor genau 25 Jahren starb einer der wohl bekanntesten deutschen Schlagersänger der 1960-er, 70-er und 80-er Jahre Jahre. Aus diesem Anlass will seine Geburtsstadt Bobingen künftig mit einem sogenannten Legenden-Schild an den Menschen und Künstler Roy Black erinnern. Legenden-Schilder liefern kurze Beschreibungen zu den Namensgebern der jeweiligen Straße.

Auf dem Legenden-Schild, welches am Todestag des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben wird, steht folgende Erläuterung: „Gerhard Höllerich war der bürgerliche Name des Sängers und Schauspielers Roy Black, geboren 1943 in Straßberg, gestorben 1991, beigesetzt auf dem Friedhof in Straßberg“. Das Schild werde nach Angaben der Stadtverwaltung am 9. Oktober an dem nach ihm benannten Gerhard-Höllerich-Ring im Ortsteil Straßberg angebracht, um insbesonndere jüngere Menschen auf den prominenten Bobinger aufmerksam zu machen.

Auch nach über zwei Jahrzehnten ist Roy Black bei seinen Fans und Freunden unvergessen. So wurde bereits 1995 in Augsburg-Göggingen eine Gedenkstele mit einer Büste des Sängers zur Erinnerung am Roy Black Weg aufgestellt. Selbst sein Grab entwickelte sich schon kurz nach seinem frühen Tod 1991 zur Pilgerstätte. So wird das Familiengrab der Höllerichs, in dem  Roys Urne – nach einer bewegenden Trauerfeier in Augsburg – in aller Stille  beigesetzt wurde, besonders an den Gedenktagen von seinen Fans mit frischen Blumen geschmückt.

Mit gerade mal 48 Jahren starb der beliebte Sänger und Schauspieler im oberbayerischen Heldenstein nach einem Herzanfall. So jedenfalls die offizielle Version. Doch die Tragik seines Lebens offenbarte sich erst später:

Roy Black hatte alles, um in der Welt des Showbuisness Karriere zu machen. Er sah gut aus, hatte eine samtige Stimme und besaß Charme. Vor allem Frauen hingen an seinen Lippen, wenn er Erfolgsschlager wie ” Du bist nicht allein” ” sang oder in Filmen wie ” Wenn du bei mir bist ” als smarter Liebhaber auftrat. Von 1963 bis 1969 erreichten alle Singles von Roy Black die Top Ten, darunter waren sechs erste Plätze.

 


Roy Black

Im Januar 1969 erreichte er dort mit “Ich denk an dich“  letztmalig den 1. Platz. Im Duett mit der ” kleinen Anita”, einer damals zehnjährigen Norwegerin, hatte der charismatischen Sänger, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Gerhard Höllerich hieß, im Herbst 1971 mit ” Schön ist es auf der Welt zu sein” auch seinen letzten großen Erfolg. Als sich Mitte der 1970er Jahre der Musikgeschmack deutlich veränderte, ging der Verkauf seine Platten immer  schleppender voran.  Gerade hier zeigte sich, wie sehr die Kunstfigur Roy Black zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Musikkritik schon zum Inbegriff dessen geworden war, was Gerhard Höllerich für sich selbst immer als despektierlich angesehen hatte.

Neben der Trennung von seiner Frau Silke Vagts stürzte auch die Talfahrt seiner Karriere die einstmalige Schlagerikone in massive Alkoholprobleme und damit in eine tiefe finanzielle,seelische und gesundheitliche Krise. Die in den nächsten Jahren produzierten Singles wie “Fremde Erde”, “Was geschieht mit mir” oder “Wilde Kirschen blühen früh” wurden nur mäßige Erfolge.

Auch privat war der Sänger glücklos. Seine Ehe mit Silke wurde 1984 geschieden und erneut gingen Berichte über Alkoholprobleme und Depressionen des Künstlers, sowie Bilder von Auftritten im volltrunkenen Zustand durch die Presse. Nach Jahren der Tourneen durch die Provinz schien er dann 1986 wieder einen neuen beruflichen Anfang gefunden  zu haben, Titel wie “Mona”und “In Japan geht die Sonne auf” waren wieder recht erfolgreich.

Gerade als er seine neue LP ” Herzblut” auf den Markt bringen wollte, brach der Schlagerstar  gesundheitlich zusammen: Als er während eines Auftritts in Thomas Gottschalks TV-Show ” Na Sowas” mit extremen Herzproblemen von der Bühne ging, musste sich Roy Black am 18. Juni 1986  einer schweren Operation in München unterziehen, wo ihm zwei künstliche Herzklappen eingesetzt wurden.  Obwohl  kurz danach  noch eine zweiten Herzoperation erfolgen musste, zog er, gesundheitlich angeschlagen, weiter unzählige Fernseh-und Liveauftritte durch. Bereits am 3. Dezember trat er in Berlin wieder vor 3.000 Fans auf. Vier Jahre später war er mit der Rolle des Hoteliers Lenni Berger in der Fernsehserie “Ein Schloss am Wörthersee”, die Traumquoten erzielte, auf einmal wieder da.

Auch privat lief es gut. Wenige Wochen vor seinen Tod brachte seine neue Lebensgefährtin Carmen Böhning Tochter Nathalie zur Welt. Doch auch sein privates Glück konnte die seelische Einsamkeit des sensibelen Künstlers kaum lindern. Besonders seinem Manager Wolfgang Kaminski gegenüber offenbarte sich Roy Black in seinen letzten Lebensmonaten als einen sehr nachdenklich gewordenen Menschen:  ” Ich weiss, dass die Luft da oben dünner ist. Aber ich will da noch einmal hin. Das will ich noch einmal schaffen. Ganz oben sein- und dann nie wieder auf die Bühne…”

Am 9. Oktober 1991 übernachtet Roy Black auf der Rückfahrt von Dreharbeiten allein in seiner Fischerhütte am Silbersee im Landkreis Mühldorf. Er stirbt noch in der gleichen Nacht. Als offizielle Todesursache gilt ein Herzanfall, Freunde glauben allerdings, dass er den nächsten Morgen nicht mehr erleben wollte. Was aber in den vorangegangenen Stunden wirklich geschah, wird wohl niemals restlos geklärt werden können. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll sich der Sänger vor seinem Tod mit vier  Promille Alkohol in einen Vollrausch getrunken haben.

 

 

Für seine Fans war die Meldung von seinem plötzlichen Tod ein Schock.  8.000 Menschen kommen zur Trauerfeier nach Augsburg, um am aufgebahrten Sarg ihres Idols  Blumen und Kränze niederzulegen. Als Showmaster  Thomas Gottschalk die Trauerrede, die im Fernsehen übertragen wurde, hielt, sprach er vielen  Fans aus der Seele: „ Als Gerhard Höllerich hat er gelitten, gezweifelt und sicher auch Fehler gemacht. Als Roy Black hat er gestrahlt, wurde bewundert. und verstand es, anderen Hoffnung und Mut zu machen, obwohl er selbst ohne Hoffnung war. Mögen die beiden in der Ewigkeit zusammenfinden.“

Was von Roy Black bis heute geblieben ist, ist die Erinnerung an einen Sänger, mit einer großen Melancolie in der Stimme – Leitbild einer ganzen Generation.  Doch gerade weil er für sich selbst  immer eine ganz andere Art von Musik machen wollte, konnte er sich innerhalb seines eigenen künstlerischen Anspruchs nie ganz mit seinem Schlager-Image idenifizieren . Sensibele Künstler zerbrechen manchmal daran. Was bleibt ist die Erinnerung an einen empathischen Menschen und an unvergessene Lieder.

Quelle:

Dieter J. Maier – Berge

Fotos: Roy-Black-Fanpage.de



 

KategorienKultur, Zeitgeschichte

Fritz Wunderlich – eine Jahrhundertstimme die nie verklingt!

17. September 2016 Kommentare ausgeschaltet
Fritz Wunderlich. Foto: FONO FORUM Archiv

Als der Tenor Fritz Wunderlich  vor 50 Jahren durch einen tragischen Unfall  aus dem Leben gerissen wurde, hinterlies sein Tod nicht nur in der klassischen europäische Musikwelt eine Lücke, die sich über Jahrzehnte hinweg nicht schließen sollte. Wohl jedem, dem Oper, Lied, ja Gesang überhaupt am Herzen liegen spürt anhand der zahlreichen zurückgelassenen Musikaufnahmen, wie lebendig und alle Nerven treffend die Stimme dieses außergewöhnlichen Sängers bis  heute immer noch ist.

Neun Tage vor seinem 36 Geburtstag fällte das Schicksal den kraftvollen, vitalen Mann mit einem geradezu groteskem Unglücksfall:

Nach einem anstrengenden Auslandskonzert fuhr der passionierte Jäger für einen mehrtägigen Jagdurlaub zu Bekannten ins oberschwäbische Derdingen. Im Jagdhaus seines Freundes Heinz Blanc zog er sich am Abend des 16.September 1966 bei einem unglücklichen Treppensturz so schwere Schädelfrakturen zu, dass er einen Tag später in der Heidelberger Universitätsklinik seinen schweren Verletzungen erlag.

Am nächsten Tag stand es in allen Zeitungen – „Das Schicksal hat uns alles genommen.“ Bei Fritz Wunderlich war es keine Phrase, er ist unersetzlich und wir können ihn nicht vergessen. Nur knapp 7 Jahre hat die Weltkarriere des bedeutensten lyrischen Tenors des 20. Jahrhunders gedauert.

Der 1930 im pfälzischen Kusel in einfachen Verhältnissen geborene hochbegabte Gesangssolist, spielte von Jugend an Unterhaltungsmusik in verschiedenen Gruppen und erhielt ersten Gesangsunterricht in Kaiserslautern. Mit 25 Jahren schloss der klassisch ausgebildete Opern-und Konzertsänger  sein Studium an der Freiburger Musikhochschule mit Bravur ab, nachdem er ein Jahr zuvor in einer Hochschulaufführung in Freiburg als Tamino in Mozarts Zauberflöte seinen ersten Erfolg feiern konnte.

Daraufhin wurde er 1955 an die Württenbergische Staatsoper in Stuttgart, wo er auch seine spätere Frau Eva kennenlernte, engagiert. Als er dort – ebenfalls als Tamino – für den erkrankten Tenorkollegen Josef Traxel einspringen durfte, weil der eigentlich als Ersatz vorgesehene Wolfgang Windgassen zugunsten des Anfängers verzichtete, wurde er praktisch über Nacht zum Star.

Seine Weltkarriere begann, als er 1959 bei den Salzburger Festspielen den „Henry“ in Richard Strauss wieder entdeckter Oper “ Die schweigsame Frau“ sang. Die begeisterte Presse feierte den jungen Tenor und machte ihn über den deutschen Sprachraum hinaus bekannt.

Bald war er auf allen internationalen Bühnen zuhause, arbeitete mit weltbekannten Dirigenten wie Karl Böhm, Robert Stolz und Herbert von Karajan, gastierte als Ensemble-Mitglied an der Wiener Staatsoper und war regelmäßig Gast der Salzburger Festspiele. Weitere Engagements führten ihn unter anderem nach Berlin, Aix-en-Provence, Venedig, Buenos Aires, London, Edinburgh und Mailand.

Und überall erwarb er sich einen hervorragenden Ruf als Interpret des deutschen Liedguts. Aber auch Schlager, wie das von Augustin Lara geschriebene Granada, oder das italienische Volkslied Tiritomba sang er auf unvergleichliche Weise, in dem er seine Stimme wie eine Spirale auf- und abschnellen ließ. 1966 sang er während der Edinburger Festspiele.

Danach machte er Plattenaufnahmen mit Hermann Prey, um in der nächsten Saison ein Engagement an der New Yorker Met anzutreten. Doch dazu kam es nicht mehr. Fritz Wunderlich hinterließ eine Frau, drei Kinder und ein in die Millionen gehendes Publikum, dass diese Jahrhundertstimme bis heute betrauert.

wunderlich | Bildquelle: Fritz-Wunderlich-Gesellschaft

Noch immer werden neue CDs mit alten Aufnahmen herausgebracht. Die gerade neu herausgegangene CD Fritz Wunderlich – Oper, Operette, Film – Unveröffentlichte Rundfunkaufnahmen von BR-KLASSIK, ist bislang einer der gelungensten Versuche, den künstlerischen Werdegang dieses außergewöhnlichen Sängers anhand der hinterlassenen Musikaufnahmen hörbar zu machen. Die anlässlich seines 50. Todestages veröffentlichten CD präsentiert Fritz Wunderlich in frühen, bislang nicht veröffentlichten Rundfunkaufnahmen, die zwischen 1959 und 1965 entstanden sind.

Doch trotz aller Neuveröffentlichungen, Gedenkkonzerte und Gedenksendungen wird die Lücke die Wunderlich hinterlassen hat um so schmerzlicher bewusst und heute, nach diesem zeitlichen Abstand wissen wir, was die Musikwelt damals gelähmt vor Entsetzen noch gar nicht richtig begriffen hatte. Nämlich , dass Fritz Wunderlich nicht einfach nur ein großer Sänger seiner Generation war, sondern eine der schönsten Tenorstimmen, die uns das 20 Jahrhundert geschenkt hatte und deren Wirkung bis weit in die Zukunft reichen wird.

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    Quelle: Dieter J. Maier-Berge

    Bilder: Fritz Wunderlich-Gesellschaft
    KategorienKultur, Zeitgeschichte

    Bundeskanzlerin Merkel erklärt zum Tod von Elie Wiesel

    4. Juli 2016 Kommentare ausgeschaltet

    Elie Wiesel (2012)

    Mit Elie Wiesel hat uns eine der markantesten Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts verlassen, eine Stimme der Moral und der Humanität ist verstummt.

    Elie Wiesel, der Auschwitz und Buchenwald überlebt hatte, war gleichzeitig ein eindringlicher Mahner und ein großherziger Versöhner. Er war der festen Überzeugung, dass nur das Wachhalten der Erinnerung an die Grauen des Holocaust eine Wiederholung dieses dunkelsten Kapitels der Geschichte verhindern könne.

    Ich bleibe dankbar für meine Begegnungen mit diesem besonderen Menschen und werde seine Geradlinigkeit, Konsequenz und Bereitschaft zur Versöhnung nie vergessen. Elie Wiesel hat uns Deutschen die Hand ausgestreckt, hat mit uns unermüdlich daran gearbeitet, eine bessere Welt zu ermöglichen.

    Mit Elie Wiesel hat uns eine der markantesten Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts verlassen, eine Stimme der Moral und der Humanität ist verstummt.

    Elie Wiesel, der Auschwitz und Buchenwald überlebt hatte, war gleichzeitig ein eindringlicher Mahner und ein großherziger Versöhner. Er war der festen Überzeugung, dass nur das Wachhalten der Erinnerung an die Grauen des Holocaust eine Wiederholung dieses dunkelsten Kapitels der Geschichte verhindern könne.

    Ich bleibe dankbar für meine Begegnungen mit diesem besonderen Menschen und werde seine Geradlinigkeit, Konsequenz und Bereitschaft zur Versöhnung nie vergessen. Elie Wiesel hat uns Deutschen die Hand ausgestreckt, hat mit uns unermüdlich daran gearbeitet, eine bessere Welt zu ermöglichen.

    KategorienZeitgeschichte

    25 Jahre Freiheit und Einheit – Zeitzeugen berichten

    30. August 2015 Kommentare ausgeschaltet

     

    Berliner Mauer

    Lebendige Geschichte beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung: Gespräche mit Zeitzeugen lassen ein anschauliches Bild über die Friedliche Revolution und den Einigungsprozess entstehen.

    Zeitzeugen erzählen: Autor Lutz Rathenow berichtet über seine Erinnerungen an die DDR. Foto: Bundesregierung/Bolesch

    Wie war das Leben im geteilten Deutschland? Wie kam es zur Friedlichen Revolution und zur Deutschen Wiedervereinigung. Diese und andere Fragen beantworten Zeitzeugen beim Tag der offenen Tür im Bundespresseamt.

    Harald Hauswald – ein „pessimistischer“ Fotograf?

    Anschaulichkeit war auch dem ersten Gast, Harald Hauswald, ein großes Anliegen, schließlich hatte er als freischaffender Fotograf die letzten Jahre der DDR in Bildern festgehalten. Er gilt als einer der bedeutendsten kritischen Chronisten der Endzeit der DDR.

    Seine Bilder waren dem Staat ein Dorn im Auge, er wurde überwacht und bespitzelt. Davon erzählt der Film „Radfahrer“, der über Hauswald gedreht worden ist und jetzt das Interesse der Besucher beim Tag der offenen Tür fand. Interessiert hörten sie wie Hauswald bei den alltäglichsten Dingen im Minutentakt überwacht wurde. „Heute muss ich nur noch schmunzeln über die Pillepalle“, sagt er. Damals sei es beklemmend gewesen.

    Man warf Hauswald vor, seine Bilder wollten ein pessimistisches Bild von der DDR zeichnen. „Ich habe das fotografiert, was ich gesehen habe“, erzählt Hauswald. Viele Bilder landeten im Text-Bildband „Berlin-Ost: Die andere Seite einer Stadt“, den Hauswald gemeinsam mit dem DDR-Schriftsteller Lutz Rathenow 1987 im Westen veröffentlichte. In der DDR kam es auf den Index.

    Lutz Rathenow – nach Protesten aus Stasi-Haft entlassen

    Auch sein erstes Werk hatte Lutz Rathenow im Westen veröffentlicht. Bereits 1980 erschien sein Buch „Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet“. Kurz nach der Veröffentlichung wurde er von der Stasi verhaftete.

    Doch aufgrund der starken Proteste westlicher Schriftsteller wurde er nach zehn Tagen freigelassen. Ein darauffolgendes Ausreiseangebot lehnte er ab und engagierte sich als Bürgerrechtler. Auch heute lässt ihn das Unrecht der DDR-Diktatur nicht los, er ist der sächsische Landesbeauftrage für die Unterlagen der Staatssicherheit. „Das ist die spannendste Arbeit meines Lebens heute“, verrät Rathenow.

    Und es gebe immer etwas zu tun, denn heute wollten die Kinder und Enkelkinder der damaligen DDR-Bürger wissen: wie war der Osten? So sei seine Tätigkeit als Landesbeauftragter keine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern eine Gegenwartsbewältigung. „Die Menschen wollen mit den Dingen zurechtkommen“, sagt er.

    Hauswald und Rathenow verbindet eine lange Freundschaft. Im vergangenen Jahr haben sie ihren Text-Fotoband „Berlin-Ost: Die andere Seite einer Stadt“ abermals veröffentlicht. Der habe sogar seit seiner dritten Veröffentlichung im Jahr 2005 noch mehr Interesse in der Öffentlichkeit bekommen, erzählt Rathenow. Und Hauswald ergänzt: „Als 2005 die Ostalgie-Welle abebbte, wurde die DDR Geschichte.“

    Andrzej Stach – der Blick von außen

    Den Blick von außen auf die letzten Jahre der DDR vermittelte der polnische Publizist, Andrzej Stach. Von 1979 bis 1984 war er mit einem absolutem Ausreiseverbot belegt worden, weil er in der antikommunistischen Opposition mitarbeitete hatte. 1986 – 1991 schrieb er eine große Artikelserie über die DDR-Opposition. „Ich wollte die Menschen zeigen, die den Mut hatten, gegen das Regime vorzugehen“, sagte er.

    Roland Jahn – Mittler zwischen Ost und West

    Roland Jahn, heute Bundesbeauftrage für die Unterlagen der Staatssicherheit, gehört zu denen, die den Mut hatten, gegen das DDR-Regime aufzustehen. Verhaftungen und eine gewaltsame Ausbürgerung waren die Antwort der SED-Diktatur. Doch auch vom Westen aus kämpfte er gegen das DDR-Unrecht. Er unterstützte DDR-Bürgerrechtler mit Kameras und Tonbandgeräten. „Ich fühlte mich als ein Mittler zwischen Ost und West“, erzählt Jahn. Auch er selbst berichtete als Journalist in den Westmedien über die Missstände in der DDR und die Montagsdemonstrationen. Er wollte damit die DDR-Bürger erreichen und wachrütteln.

    Heute ist dem Bundesbeauftragen für die Unterlagen der Staatssicherheit, Roland Jahn, die Sicherung der Akten wichtig. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger und der Forscher an den Akten sei ungebrochen, sagt Jahn. Jeden Monat würden mehr als 5.000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht gestellt.

    Markus Meckel – beteiligt am „Zwei-plus-Vier-Vertrag“

    Einer der Hauptakteure der Deutschen Einheit ist Markus Meckel. Er war Außenminister in der ersten freigewählten Volkskammer und an den Verhandlungen zum „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ beteiligt, der dem wiedervereinten Deutschland volle Souveränität zusicherte.

    „Das war eine aufregende Zeit“, erklärt Meckel. Zwar habe er in der DDR bereits in kirchlichen Friedenskreisen mitgearbeitet, die Gründung der Sozialdemokratische Partei in der DDR initiiert und am Runden Tisch mitgearbeitet, aber nun musste er mit den Vertretern der Alliierten und der Bundesrepublik verhandeln.

    Bereits beim Mauerfall sei ihm klar gewesen, „jetzt steht die Deutsche Einheit auf der Tagesordnung“. Schnell sei auch deutlich geworden, dass die Deutsche Einheit verhandelt werden muss. Die Gespräche seien nicht immer leicht gewesen, erzählt er weiter. „Aber dass, die Deutsche Einheit gelungen ist, ist für mich ein zentraler Erfolg.“

     

    Festveranstaltung zum 100. Geburtstag von Karl Carstens

    9. Dezember 2014 Kommentare ausgeschaltet

    Porträt Karl Carstens

    In einer beeindruckenden Festrede würdigte gestern Bundespräsident Joachim Gauck voller Respekt die hervorstechende Politiker-Karriere des fünften deutschen Bundespräsidenten Karl Carstens. Carstens war von 1976 bis 1979 Präsident des Deutschen Bundestags und dann von 1979 bis 1984  Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

    Vor allem machte Gauck auf  den persönlichen Einsatz von Karl Carstens zur Förderung des freiheitlich verfassten Staates aufmerksam, den er als vorbildlich bezeichnete. Ebenso sei sein pragmatischer Realismus, sein Pflichtbewusstsein und seine überzeugende Repräsentanz der Demokratie exemplarisch und könne bis heute können Orientierung geben: „Als Realist und Pragmatiker war er bekannt. In der Rückschau treten aber auch jene Elemente seines Denkens hervor, die hineinragen bis in unsere Zeit“, so Gauck in seiner Ansprache vor der Konrad Adenauer-Stiftung in Bonn. Obwohl Karl Carstens besonders seinen Kritikern gegenüber oft als Beweis dafür diente, wie altbacken, provinziell, und traditionalistisch er sein Amt ausüben würde, wollte er trotz aller Rezension Zeitströmung aufnehmen und sie zugleich hinterfragen.
      „Die Sorge um die Umwelt hatte damals besonders junge Leute ergriffen. Carstens teilte diese Sorge und machte er sich auf, die Naturschönheiten Deutschlands zu Fuß zu erkunden.“ Auch Herausforderungen, etwa das damals so genannte „Waldsterben“, sollten in den Blick kommen.“ Während der Wanderungen sah Carstens sich auch umweltbewegten Demonstranten gegenüber und suchte das direkte Gespräch mit ihnen“, sagte Gauck  vor rund 800 Weggefährten, Familienangehörige und Parteifreunde, die aus Carstens Heimatstadt Bremen in den alten Bundestag gekommen waren – allen voran die aktuellen Nachfolger Carstens in den hohen Ämtern: neben Bundestagspräsident Lammert und Unionsfraktionschef  Volker Kauder.  Bundespräsident Karl Carstens galt vor allem wegen seiner Volksnähe und seiner Vorliebe für das Wandern als einer beliebstesten Bundespräsidenten Deutschlands Er nutzte seine Wanderungen vor allem zur Begegnung mit vielen Menschen, von denen er sich streckenweise begleiten ließ und mit denen er unterwegs einkehrte. Aus Altersgründen verzichtete er auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit und schied damit am 30. Juni 1984 aus dem Amt.
    Quelle: Dieter J. Maier Report aus Berlin

    Foto- Bundespräsidentialamt-Berlin

    Interview mit Prof. Dr. Bernhard Vogel

    25. November 2014 Kommentare ausgeschaltet

    bernhrd-vogel-80-geburtstag-032Er regierte zwei Bundesländer in Ost und West ein Vierteljahrhundert. Er führte die Adenauer-Stiftung, saß zweifach dem Bundesrat vor und hat die Geschichte der Bundesrepublik von Anfang an miterlebt, sowohl als Zeitzeuge als auch als poltitischer Akteur. Gerade auch aus diesem Grund ging der Politikaward in der Kategorie „Lebenswerk“ diesem Jahr an den Ehrenvorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung Professor Dr. Bernhard Vogel und dessen Bruder Hans-Jochen. Die Jury würdigt damit die jahrzehntelangen Verdienste der beiden.Im Anschluss an die Feierstunde in Bremen war Prof. Dr. Bernhard Vogel nach einer Feierstunde in der Mainzer Staatskanzlei gerne bereit, sich in einem exklusiven Interview den Fragen von Report aus Berlin zu stellen:

    Dieter J. Maier:

    Herr Prof. Dr. Vogel, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auszeichnung und vielen Dank dass sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben. Der frühere englische Premierminister Winston Churchill sagte einmal in einer Parlamentssitzung: „Die Demokratie ist eine schlechte Regierungsform, aber es gibt keine bessere“. Wie sehen Sie heute aus Ihrer persönlichen Sicht diese Haltung?

    Prof. Bernhard Vogel:

    Ich muss an dieses Zitat von Winston Churchill oft denken, denn Churchill hatte Recht. Mit meinen Worten gesagt, ist die Demokratie die schwierigste und die zerbrechlichste Regierungsform, die man sich denken kann. Eine Diktatur ist einfacher zu handhaben, als ein Land zu regieren, in dem Millionen von selbstständigen und entscheidenden Bürgern leben. Aber die Demokratie ist die der menschlichen Natur am meisten entsprechende Regierungsform, sie wahrt die Würde jeder einzelnen Person und das kann nur die Demokratie.

    Dieter J. Maier:

    Das Jahr 2014 stand politisch ganz im Zeichen der deutschen Wiedervereinigung vor gemau 25 Jahren. Der Wiedererlangung der Einheit gingen allerdings viele Schritte im Zeitrahmen von mehreren Jahrzehnten und unterschiedlichen Schauplätzen voraus, an denen der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer entscheidend mitwirkte, u.a. dem Vorrang vor einer Einheit um jeden Preis

    Sie haben als maßgebender Politiker nicht nur die Ära Adenauer noch selbst  miterlebt, sondern auch noch persönlich  mit Konrad Adenauer zusammengearbeitet. Adenauer hat sich damals auch in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken für die Wiedereingliederung des Saarlandes trotz persönlicher Bedenken ausgesprochen. Wie haben Sie damals diese historische Entscheidung von Konrad Adenauer wahrgenommen?

    Prof. Bernhard Vogel:

    Für die damalige Zeit war das Saarland für Konrad Adenauer, wenn Sie so wollen der eigentliche Anfang Europas und deswegen wollte er die Selbstständigkeit des Saarlandes erreichen. Die Saarländer hatte das damals nicht überzeugt und übrigens die Rheinland-Pfälzer auch nicht, der Wahlkampf ist ganz anders als erwartet ausgegangen. Im nachhinein ist es beachtlich, dass die französischen Nachbarn die adenauersche Meinung doch noch gewürdigt und sich der Volksmeinung gebeugt haben. Und insofern hat Adenauer einen wichtigen Beitrag geleistet, indem er nicht zB. deutschen Nationalismus auf sich zog, sondern indem die Franzosen akzeptieren mussten, dass die Bevölkerung des Saarlandes anders wollte.

    Dieter J. Maier:

    Sie hatten auch zu Helmut Kohl, der bis heute als der „politische Enkel“ Konrad Adenauers bezeichnet wird, ein sehr herzliches und freundschaftliches Verhältnis. Wie würde Deutschland heute aussehen, hätte es die Ära Kohl nicht gegeben?

    Prof. Bernhard Vogel:

    Wahrscheinlich gäbe es auch heute noch kein wiedervereinigtes Deutschland und wir wären möglicherweise  immer noch am Anfang eines sehr langwierigen Prozesses. Was aber auch ebenso bedeutsam ist, ist die Tatsache, dass der mittlere Osten Europas ohne Kohl nicht zu einem Teil der europäischen Union geworden wäre. Kohls Verdienste für Deutschland stehen für mich außer Frage, aber seine Verdienste um die Einigung Europas sind diesen Verdiensten ebenbürtig.

    Dieter J.Maier:

    Welches Resüme ziehen Sie aus Ihrer langjährigen politschen Karriere?

    Prof. Bernhard Vogel:

    Wenn ich mich kurz fassen soll trotz der Länge des Weges, dann heißt meine Zusammenfassung: Es war mitunter schwierig und mühsam. Nach Thüringen als damals neuer Ministerpräsident zu gehen war für mich ein großes Abenteuer, aber alles in allem – es hat sich gelohnt. Ich möchte mit diesen Worten vor allem jungen Leuten Mut machen sich zu engagieren, schon um zu zeigen, dass sie es besser machen können, als diejenigen die sie kritisieren.

    Dieter J. Maier:

    Wie sehen Sie die Zukunft Deutschland, gerade im Hinblick auf die aktuelle Euro-und Europakrise?

    Prof. Bernhard Vogel:

    Also, wir haben gegenwärtig eine ganze Menge Schwierigkeiten und Probleme, besonders in der Glaubwürdigkeit der Wirtschaft und in der Glaubwürdigkeit der Parteien. Aber gerade wenn ich zurückblicke und sehe was alles in der Vergangenheit an Schwierigkeiten auf unserem Weg lag, gibt es für mich keinen Zweifel, dass Deutschland als ein wesentliches Mitglied der europäischen Union und als eine starke Wirtschaftsmacht eine gute Zukunft haben wird. Vor allem aber bei allen Problemen spricht vieles dafür, dass auch die heutige junge Generation in Frieden ihr Leben leben kann.

    Dieter J. Maier:

    Herr Prof. Vogel, vielen Dank für das Gespräch.

    Foto zum Vergrößern anklicken

     


    Interview mit Dr. Karl Graf von und zu Eltz

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    Foto: Dieter J. Maier (klicken zum Vergrößern)

    Die Burg Eltz bei Wierschen in Rheinland-Pfalz gilt als eine der schönsten Burgen Deutschlands. Gemeinsam mit dem Schloss Bürrenheim ist die Burg Eltz die einzige Anlage in der Eifel, die niemals erobert oder verwüstet wurde und auch die gesellschaftlichen Umbrüche der französischen Revolution unversehrt überstehen konnte. Seit nunmehr 800 Jahren befindet sich die Burg im Besitz der Familie Eltz. Der jetzige Eigentümer, Dr. Karl Graf von und zu Eltz, hat die Aufgabe übernommen, Burg Eltz für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ihre Substanz zu sichern und an die 34. Generation weiterzugeben. In einem exklusiven Interview sprach Dr. Graf von und zu Eltz mit Report aus Berlin u.a. über die Geschichte und die wirtschaftlichen Herausforderungen seines traditionsreichen Familienbesitzes.

    Dieter J. Maier:

    Herr Dr. Graf zu Eltz, inwiefern bilden für Sie Geschichte, Kultur und Wirtschaftlichkeit in Ihrer Familie eine Einheit?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Familiengeschichte und Wirtschaftlichkeit sind für mich eine Einheit. Burg Eltz war und ist immer eine wirtschaftliche Herausforderung gewesen, da Ausbau und Sicherung dieses Schutz- und Repräsentationsbaus die normalen Einkünfte des Eltzer Gutes durchwegs stark strapazierten. Die Mittel mussten also von außen kommen. Daher wurden Söhne zwar ausgezeichnet ausgebildet, dann aber in die Fremde geschickt, auf dass diese dort ihr Glück machen konnten. Als familiäre Gegenleistung wurde dann erwartet, dass diese zur Erhaltung der Burg nach ihren Möglichkeiten beitrugen. Das galt übrigens auch, wenn diese in der Kirche Karriere machten, was sehr oft geschah. Natürlich betätigten sich die Eltzer auch als Mäzene der Kunst, das war Standespflicht, das tat man, insbesondere im Rahmen der Kirche, und das war dann den Karrieren auch durchaus förderlich. Dieser Dreiklang aus Kultur, Familie und Wirtschaftlichkeit bilden somit für uns eine im Laufe unserer Geschichte durchaus erfolgreiche Kombination.

    Dieter J. Maier:

    Burg Eltz gilt als eine der schönsten Tourismussziele in Deutschland. Werden Teile der Burg heute noch privat genutzt?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Während die Platt-Eltz und die Kempenicher Häuser auf Burg Eltz durch die Kastellanei oder von der Familie privat genutzt werden, sind große Teile des Rübenacher Hauses und der Rodendorfer Häuser heute der Öffentlichkeit zugänglich. Man kann sie auf geführten Rundgängen kennen lernen und vielfältige Einblicke in das Leben auf Burg Eltz gewinnen. So erhält man einen unvergesslichen Eindruck von der ritterlichen Lebensart und Wohnkultur. Alle Möbel und Kunstwerke in den Innenräumen der Burg stammen aus dem Besitz meiner Familie, und manches ist schon über 800 Jahre in unserem Besitz. Bei der Führung besichtigt man die Wohnräume, sieht Eltzer Mobiliar, Teppiche, Gemälde und auch Waffen. Viele andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Tischdekorationen, Porzellan, Schmuck, Tischuhren, Besteck, Münzen oder Kerzenleuchter, aber auch Jagdwaffen und Erinnerungsstücke aus dem Privateigentum der großen Eltzer Kurfürsten werden in der Rüst- und Schatzkammer vier Stockwerke tief im Rübenacher Keller ausgestellt

    Dieter J. Maier:

    Ihre Familie hat auf Burg Eltz im Laufe von hunderten von Jahren auch eine sehr wertvolle und seltene Kunstsammlung zusammengetragen. Wurden diese Kunstgegenstände von Ihren Familienmitgliedern angekauft oder beinhaltet diese Sammlung auch Gastgeschenke von anderen Adelshäusern?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Der große Teil der auf Burg Eltz verbliebenen Einrichtung wurden durch die Familie erworben oder kam durch die Mitgifte der Frauen in unseren Besitz. Es ist durchaus möglich, aber nicht nachweisbar, dass sich noch Gastgeschenke anderer Adelshäusern in der Burg befinden.

    Zwei Geschenke Dritter sind belegt und zieren heute die Schatzkammer: Das Uhrenpektorale, das Papst Sixtus V in der Mitte des 16. Jahrhunderts unserem Trierer Kurfürsten Johann Jakob zu Eltz schenkte  und die große Silberstatue des Heiligen Johannes von Nepumuk, die der letzte Freiherr Faust von Stromberg seinem Schwiegersohn Anselm Casimir zu Eltz gegen 1750 vermachte. Außerdem brachte er meinen Vorfahren dazu, seinen Namen anzunehmen, so dass seit wir seit jenem Zeitpunkt auf den recht komplizierten Namen „Graf/Gräfin und Edle(r) Herr/Herrin von und zu Eltz genannt Faust/Faustin von Stromberg“ hören. Im Paß lautet dies zum Glück kurz und bündig Graf und Gräfin zu Eltz

    Die Madonna mit der Weintraube von Lucas Cranach d. Ä. wurde vermutlich bereits gegen 1540 vom Künstler selber erworben, die Ahnenbilder hängen ihrem Entstehen in der Burg. Andere Bilder und Tapisserien wurden insbesondere im 18. Jahrhundert, der großen Sammlerzeit der Familie, erworben.

    Die Schatzkammer enthält neben einigen frühen und seltenen Kriegswaffen Objekte des gehobenen täglichen Gebrauchs der Familienmitglieder. Hierzu gehören die prunkvollen Jagdwaffen und private Gebrauchsgegenstände des Mainzer Kurfürsten Philipp Carl zu Eltz aus dem frühen 18. Jahrhundert, weiterhin Porzellan der Höchster Porzellanmanufaktur, mit der die Familie Eltz eng verbunden war.

    Ein Raum zeigt nur die Erinnerungsstücke an unsere Zeit und unseren großen Besitz in Vukovar, Kroatien, die unteren zwei Stockwerke Gold- und Silberschmiede­arbeiten aus acht Jahrhunderten. Sie wurden für festliche Anlässe gebraucht und blieben mit sehr viel Glück in der Familie blieben. Vieles kam in die Familie, vieles ging auch wieder weg, durch Kriege und insbesondere an die jüngeren Kinder und deren Ausstattung.

    Dieter J. Maier:

    Die Familie Eltz stammt von der Mosel, ihre wichtigsten Vertreter waren Kurfürsten, Bischöfe und Äbte in den Kurfürstentümern Trier und Mainz. Dennoch haben Ihre Vorfahren über 200 Jahre ganz oder teilweise in Kroatien gelebt. Wie kam das?

    Dr. Karl Graf zu Eltz:

    Unser Maizer Kurfürst Phillip Karl, der gleichzeitig Reichserzkanzler, also der erste Würdenträger des Reiches nach dem Kaiser war, setzte durch, dass Maria Theresia nach dem Tode ihres Vater Kaiser Karl VI die habsburgischen Erblande auch als Frau erben durfte, was nach dem damals sogenannten salischen Recht nicht vorgesehen war. Dafür erwies sich ihr Vater, der Kaiser, als dankbar und gab uns die Möglichkeit, einen riesigen Besitz von über 60.000 ha Land in und um Vukovar in Kroatien mit damals 33.000 Leibeigenen für einen äußerst moderaten Preis zu erwerben.

    Der Besitz war zwar groß, aber zunächst wenig ertragreich, denn erstens gab es noch Über­griffe der Türken und anderer marodierender Truppen, insbesondere aber nahmen meine Vorfahren ihre Pflichten gegenüber den ihnen anvertrauten Menschen ernst. Außerdem fehlte es an Transportmöglichkeiten, um den Eltzer Weizen und Mais in die Ballungs­gebiete um Wien, Prag oder Budapest zu bringen. Das änderte sich erst nach Ende der Leib­eigen­schaft im Jahre 1848 und dem Bau der Eisenbahn um 1860. Danach erst wurde dieses Gut, das auf über 100 m mächtiger Schwarzerde saß, ertragreich, und erst dann zog mein Ururgroßvater aus Eltville und Burg Eltz dauerhaft an die Donau. Er, seine Familie und seine Nachkommen lebten bis zur Vertreibung 1944 in Slawonien, wie dieser Teil Kroatiens heißt. Auf Burg Eltz verbrachte man damals einmal im Jahr einen Monat im Sommer.

    Dieter J. Maier:

    Welche Rolle spielt für ihre Familie die verwandtschhaftliche Beziehung zu den Grafen von der Leyen aus Blieskastel?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Unsere Familie hat sich vom 12. bis ins 18. Jahrhundert mehrfach mit der zunächst freiherrlichen, dann gräflichen und zuletzt fürstlichen Familie von der Leyen familiär verbunden. Das lag nahe, denn erstens gehörten sie wie wir dem trierischen ritterbürtigen Adel an, außerdem befand sich ihr Stammsitz in Kobern-Gondorf , nur wenige Kilometer moselabwärts von der Burg Eltz. Man kannte sich praktisch vom Sandkasten her, war in gemeinsamen Gremien im engsten Umfeld der Kurfürsten von Trier und zog auch gemeinsam in den Krieg, wenn es denn sein mußte.

    Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb mein Haus das Amt Blieskastel, und es blieb für mehr als ein Jahrhundert Eltzisch. Es florierte bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts sehr, wie die Abrechnungen in unserem Archiv belegen. Im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 litt das Blieskasteler Land dann aber besonders stark unter den Plünderungen und Zerstörungen. Es lag völlig danieder, war praktisch ohne Bevölkerung und für uns allemal ohne Einkünfte. Daher sahen wir uns gezwungen, diese Herrschaft 1665 an das Haus von der Leyens zu verkaufen, die dank ihres Onkels, des bedeutenden Kurfürsten Karl Kaspar von Trier, auch über die notwendigen Mittel verfügten. Damit endete die unmittelbare Präsenz der Eltzer im heutigen Saarland.

    Dieter J. Maier:

    Wie sah die Heiratsstrategie des Adels aus?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Adelige Heiraten kamen auch schon im Mittelalter gelegentlich aus Zuneigung zustande, häufiger war es aber, dass Ehen arrangiert wurden. Dahinter standen dynastische, finanzielle und Sicherheitsüberlegungen. Man heiratete etwa in der frühen Zeit gerne „wohlbeburgte“ Nachbarn, mit denen man sich dann sowohl familiär als auch politisch organisieren konnte. So waren die Familien, die sich uns im Jahre 1331 der sogenannten Eltzer Fehde gegen Kurfürst Balduin anschlossen, familiär eng verbunden. Nota bene: Es half nur leider nichts, denn Balduin, der größte aller Kurfürsten, Bruder Kaiser Heinrichs VII und König Johann von Böhmen war einfach ein zu mächtiger Gegner, selbst für die gut alliierten Eltzer.

    Man mußte sich übrigens vom 11. bis 13. Jahrhundert schon genau überlegen, wen man heiratete, denn eine Heirat eines Hochadeligen mit einer Frau aus dem niederen Adels führte in der Regel dazu, dass deren Kinder dann dem niederen Adel zugerechnet wurden. Bis heute gibt es noch in einigen adeligen Familien Hausregeln, die vorschreiben, wen man heiraten darf und wen nicht, und die Fehlverhalten sanktionieren, und das sogar noch – unter dem Thema der Kontraktionsfreiheit des Erblassers – abgesegnet durch das Bundesverfassungsgericht. Die Eltzer haben so was nicht, und ob kodifizierte Regel in diesem Kontext noch zeitgemäß sind, darüber kann sich Jedermann gerne seinen eigenen Reim machen. Natürlich spricht nichts dagegen, dass auch weiterhin innerhalb des eigenen Standes geheiratet wird.

    Dieter J. Maier:

    Ihr Vater Jakob Graf von Eltz spielt in Ihrer Familiengeschichte ebenfalls eine wichtige Rolle….

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Mein Vater übernahm als Familienchef in der 32. Generation die Eltzer Güter de jure mit dem frühen Tod seines Vaters im Alter von nur sieben Monaten im Jahre 1922, de facto nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947. Er war studierter Landwirt und engagierter „Weinmann“. Die edelsüßen Rieslinge unseres inzwischen aufgegebenen Eltviller Weinguts genießen bei Experten immer noch einen legendären Ruf. Von 1964 bis 1976 war er Präsident des Rheingauer Weinbau­verbandes und langjähriger Dozent für Weinrecht und Weinwirtschaft an der Mainzer Gutenberg Universität.

    Er war Mitgründer des Malteser Hilfsdienstes, dem er Jahrzehnte als Landesdelegierter von Hessen verbunden blieb, und war er ein sehr aktiver Malteserritter und diente diesem Ritterorden sechs Jahre als Mitglied des souveränen Rates, also der Regierung des Malteserordens, in Rom und danach zwei Jahrzehnte dessen ständiger Gesandter im Botschafterrang bei der Bundesregierung in Bonn.

    Mein Vater, der auf dem Eltzischen Hauptbesitz Vukovar/Kroatien aufwuchs, wurde 1991 vom kroatischen Präsidenten ehrenhalber zum Vertreter der Republik Kroatien mit Sitz in Bonn, danach war er von 1992 bis 2000 Abgeordneter des kroatischen Parlaments und zunächst delegiertes, dann bis zu seinem Tode Ehrenmitglied des Europarats. Dass sein Enkel Karl Theodor Guttenberg mit nur 37 Jahren zum Bundeswirtschaftsminister ernannt wurde, und dass er dabei eine so gute Figur abgibt, hätte diesen altösterreichischen politischen Grandseigneur sicher mit großem Stolz erfüllt.

    Dieter J. Maier:

    Was ist für Sie persönlich das Besondere an Burg Eltz?

    Dr. Karl Graf von Eltz:

    Burg Eltz gilt heute zu Recht als die schönste, am besten erhaltene mittelalterliche Burg in Deutschland, die nicht nur eine weitgehend authentische Einrichtung mit vielen bedeutenden Kunst- und kunsthandwerklichen Zeugnissen aus acht Jahrhunderten vorweisen kann, sondern auch eine Rüst- und Schatzkammer von zumindest europäischem Rang. Weiterhin hat sie das einzigartige Privileg, in einer nach wie vor völlig intakten Naturlandschaft zu liegen. Da gibt es nichts, das ablenkt, das die vollendete Schönheit des Ortes stört, keine Autos, keine Hochspannungsmaste, keine Fabriken und keine Windräder. Wir bieten dem Gast nicht nur die Burg und Mittelalter pur, sondern auch den Eltzer Wald mit seinem besonderen Arboretum und mit dem neu eröffneten Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“, der die wildromantische Naturlandschaft des Elztal und die sanfte Schönheit und Tiefe der Kulturlandschaft Maifeld auf sportlichen 12 KM auf das Schönste verbindet.

    Was unsere Gäste suchen und was man selber auf Burg Eltz spannend findet, ändert sich im Verlauf der Jahre: In den 60er bis in die 90er Jahren wurde unsere Burg fast als ausschließlich (bau-) geschichtliches Phänomen begriffen, zwar als „Burg schlechthin (Dehio) geliebt und bewundert, aber doch isoliert als Bauwerk wahrgenommen. Heute suchen unsere Gäste das vollkommene Ensemble aus der Schönheit des Bauwerks und der sie umgebenden Natur und viele begreifen, dass sie das so vielleicht nur auf Burg Eltz finden können.

    Nähere Informationen zu Burg Eltz finden Sie unter www.burgeltz.de

    Anmerkung der Redaktion: Dieser Text entspricht dem Wortlaut des Interviews.

    Bundeskanzlerin Merkel eröffnet Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

    23. Mai 2014 Kommentare ausgeschaltet
    Datei:Verdun 15 03 1914 Toter Mann 296 2.jpg

    Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete am vergangenen Mittwoch im Deutschen Historischen Museum in Berlin eine Ausstellung zum 100.Jahrestag des Ersten Weltkrieges. Die Europäische Union sei die entscheidende Lehre aus der leidvollen Geschichte des Kontinents, sagte Merkel. Zu diesen Schrecken gehörten auch der Zweite Weltkrieg und der Holocaust. Hundert Jahre nach dem Ausbruch des Krieges zeichnet die Schau am Beispiel von 14 historischen Orten den Verlauf des Konflikts nach, darunter Schlachtfelder wie Verdun und Ypern. Gezeigt werden rund 500 Objekte: etwa Waffen, Uniformen und Tagebücher.
    Der erste Beginn des ersten Weltkriegs steht bis heute als Inbegriff für unbegreiflichen Schrecken und Grausamkeiten des Krieges, mittlerweile aber auch für Aussöhnung, Frieden und die deutsch-französische Freundschaft. Insbesondere die Schlachtfelder von Verdun tragen bis heute  immer noch sichtbaren Narben dieses grausamen Völkermordes, auch wenn die Natur insbesondere im Frühling und Sommer sie bedeckt und schöner aussehen lässt.Dieser umgewühlte und von den mehrfach schrecklichen und tödlichen Kämpfen gekennzeichnete Flecken Erde gibt dem durchwandernden Besucher auch nach über  9. Jahrzehnten noch die Gelegenheit, eine wahrhafte Geschichtsstunde am Ort der Geschehnisse zu erleben. Aber nicht nur die deutsche Geschichte wird hier lebendig und gegenwärtig. Die Orte der Erinnerung erlauben dem Besucher, die Fronten zu wechseln und den Krieg aus der französischen, der britischen und der russischen Perspektive zu erleben. Und schon hier wird deutlich, wie unterschiedlich die Kriegsparteien dieselben Ereignisse wahrnahmen. Der erste Weltkrieg wurde zur “Urkatastophe” des 20 Jahrhunderts und vor allem für die deutsche Seite hatte dieser Krieg fatale Auswirkungen: Auf eine politisch instabile Weimarer Republik folgte der Nationalsozialismus, folgten Hitler, der Holocaust und der zweite Weltkrieg. Am Ende war das deutsche Reich verspielt und das Land vierzig Jahre lang geteilt. Doch wie kam es zu diesem Krieg? Wo liegen seine tieferen Ursachen? Dieser Krieg ist keineswegs über die Menschheit hereingebrochen, er hatte eine Vorgeschichte.
    Der erste Weltkrieg hatte mehrere Gründe: Einer der wichtigsten war, dass die europäischen Mächte um die Vorherrschaft nicht nur in Europa, sondern in der Welt kämpften. Deutschland suchte seinen Platz an der Sonne und wollte nach der deutschen Reichsgründung 1871 auch weltpolitisch präsent sein. Dies führte zum Widerstand nicht nur auf der englischen, sondern auch auf der französischen Seite. Russland hingegen verfocht die Theorie, des Panslawismus, also die Befreiung der slawischen Völker von der Herrschaft Österreich-Ungarn und der Türkei. Auf der französischen Seite stand auch noch der alte Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Das Verhältnis der beiden Länder war durch die Besetzung von Elsaß-Lotringen so stark belastet, dass Politiker wie der damalige französische Staatspräsident Poincare, der immer im Sinn hatte, die Schmach des verlorenen Krieges von 1870/71 zu tilgen und Elsaß-Lotringen wieder in Besitz zu nehmen, im Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 ihre Chance sahen. Die pazifistischen Kräfte in Deutschland wie die Sozialdemokraten, die immer den Ausgleich im europäischen Sinne suchten, hatten damals keine Möglichkeiten ihre Ideen umzusetzen, besonders als auf der französischen Seite die Entscheidung fiel, die militärische Kampffront Verdun mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Entscheidung auf der französischen Seite, Verdun nicht aufzugeben und das Einpreschen der deutschen Streitkräfte, die dort immer wieder die Auseinandersetzung suchten, hat dann unzähligen unschuldigen Menschen das Leben gekostet. Der deutsche Kaiser Wilhelm der Zweite und Staatspräsident Poincare waren diejenigen, die immer wieder die innere Kraft, wenn nicht sogar die Sturheit aufbrachten, ständig so viele Menschen in den Tod zu schicken, nur um diese symbolische Stellung zu halten.
    Am Morgen des 21.Februar 1916 war es zunächst ganz still. Dann, um 8 Uhr 12 deutscher Zeit lässt eine gewaltige Detonation die Landschaft erbeben. Dieser Schuss war das Signal für eine der größten Schlachten der Kriegsgeschichte, das Startsignal für einen Vernichtungszug gegen Menschen, wie es ihn nie zuvor gab. Das Prinzip diese Krieges war immer noch das alte: die systematische Auslöschung und Ausschaltung menschlicher Körper, am besten für immer. Die kämpfenden Soldaten waren diesen Angriffen gegenseitig vollkommen schutzlos ausgeliefert und nach blutigen Sturmangriffen bedeckte der treibende Schnee ihre zerschossenen Körper. Die Erde wurde durch Granaten umgepflügt und in wenigen Stunden und Tagen verschwanden dichte Wälder, Dörfer und Städte hören für immer auf zu existieren. Diese Schlacht, dieser Albtraum hat niemanden mehr verlassen, der diese Hölle erlebte. Einer der Überlebenden des Infernos, der Mühlenbaumeister Josef Wollscheidt aus dem saarländischen Niederlosheim berichtete später seiner Familie von grausamen Materialschlachten, wo in den wenigen Gefechtspausen an die kämpfenden Soldaten Tabakspfeifen ausgegeben wurden, um den Verwesungsgestank der vor den Schützengräben liegenden Gefallenen besser ertragen zu können. Am Ende des sinnlosen Gemetzels waren 750.000 junge Männer verletzt, verstümmelt oder tot.
    Jener Albtraum von Tod und Verderben ist es, warum Verdun immer noch so schmerzhaft im Gedächtnis der Europäer geblieben ist, mehr als jeder andere Krieg. Es war ein gemeinsamer Massenmord wegen nichts und für die Deutschen war dieser Krieg der Auftakt und der zweite Weltkrieg das Ende eines zweiten “Dreißigjährigen Krieges.”
    Quelle:
    Dieter J. Maier