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Erinnerungen an Roy Black – Geburtsstadt Bobingen ehrt Schlagerlegende zum 25. Todestag

7. Oktober 2016

 



Vor genau 25 Jahren starb einer der wohl bekanntesten deutschen Schlagersänger der 1960-er, 70-er und 80-er Jahre Jahre. Aus diesem Anlass will seine Geburtsstadt Bobingen künftig mit einem sogenannten Legenden-Schild an den Menschen und Künstler Roy Black erinnern. Legenden-Schilder liefern kurze Beschreibungen zu den Namensgebern der jeweiligen Straße.

Auf dem Legenden-Schild, welches am Todestag des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben wird, steht folgende Erläuterung: „Gerhard Höllerich war der bürgerliche Name des Sängers und Schauspielers Roy Black, geboren 1943 in Straßberg, gestorben 1991, beigesetzt auf dem Friedhof in Straßberg“. Das Schild werde nach Angaben der Stadtverwaltung am 9. Oktober an dem nach ihm benannten Gerhard-Höllerich-Ring im Ortsteil Straßberg angebracht, um insbesonndere jüngere Menschen auf den prominenten Bobinger aufmerksam zu machen.

Auch nach über zwei Jahrzehnten ist Roy Black bei seinen Fans und Freunden unvergessen. So wurde bereits 1995 in Augsburg-Göggingen eine Gedenkstele mit einer Büste des Sängers zur Erinnerung am Roy Black Weg aufgestellt. Selbst sein Grab entwickelte sich schon kurz nach seinem frühen Tod 1991 zur Pilgerstätte. So wird das Familiengrab der Höllerichs, in dem  Roys Urne – nach einer bewegenden Trauerfeier in Augsburg – in aller Stille  beigesetzt wurde, besonders an den Gedenktagen von seinen Fans mit frischen Blumen geschmückt.

Mit gerade mal 48 Jahren starb der beliebte Sänger und Schauspieler im oberbayerischen Heldenstein nach einem Herzanfall. So jedenfalls die offizielle Version. Doch die Tragik seines Lebens offenbarte sich erst später:

Roy Black hatte alles, um in der Welt des Showbuisness Karriere zu machen. Er sah gut aus, hatte eine samtige Stimme und besaß Charme. Vor allem Frauen hingen an seinen Lippen, wenn er Erfolgsschlager wie ” Du bist nicht allein” ” sang oder in Filmen wie ” Wenn du bei mir bist ” als smarter Liebhaber auftrat. Von 1963 bis 1969 erreichten alle Singles von Roy Black die Top Ten, darunter waren sechs erste Plätze.

 


Roy Black

Im Januar 1969 erreichte er dort mit “Ich denk an dich“  letztmalig den 1. Platz. Im Duett mit der ” kleinen Anita”, einer damals zehnjährigen Norwegerin, hatte der charismatischen Sänger, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Gerhard Höllerich hieß, im Herbst 1971 mit ” Schön ist es auf der Welt zu sein” auch seinen letzten großen Erfolg. Als sich Mitte der 1970er Jahre der Musikgeschmack deutlich veränderte, ging der Verkauf seine Platten immer  schleppender voran.  Gerade hier zeigte sich, wie sehr die Kunstfigur Roy Black zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Musikkritik schon zum Inbegriff dessen geworden war, was Gerhard Höllerich für sich selbst immer als despektierlich angesehen hatte.

Neben der Trennung von seiner Frau Silke Vagts stürzte auch die Talfahrt seiner Karriere die einstmalige Schlagerikone in massive Alkoholprobleme und damit in eine tiefe finanzielle,seelische und gesundheitliche Krise. Die in den nächsten Jahren produzierten Singles wie “Fremde Erde”, “Was geschieht mit mir” oder “Wilde Kirschen blühen früh” wurden nur mäßige Erfolge.

Auch privat war der Sänger glücklos. Seine Ehe mit Silke wurde 1984 geschieden und erneut gingen Berichte über Alkoholprobleme und Depressionen des Künstlers, sowie Bilder von Auftritten im volltrunkenen Zustand durch die Presse. Nach Jahren der Tourneen durch die Provinz schien er dann 1986 wieder einen neuen beruflichen Anfang gefunden  zu haben, Titel wie “Mona”und “In Japan geht die Sonne auf” waren wieder recht erfolgreich.

Gerade als er seine neue LP ” Herzblut” auf den Markt bringen wollte, brach der Schlagerstar  gesundheitlich zusammen: Als er während eines Auftritts in Thomas Gottschalks TV-Show ” Na Sowas” mit extremen Herzproblemen von der Bühne ging, musste sich Roy Black am 18. Juni 1986  einer schweren Operation in München unterziehen, wo ihm zwei künstliche Herzklappen eingesetzt wurden.  Obwohl  kurz danach  noch eine zweiten Herzoperation erfolgen musste, zog er, gesundheitlich angeschlagen, weiter unzählige Fernseh-und Liveauftritte durch. Bereits am 3. Dezember trat er in Berlin wieder vor 3.000 Fans auf. Vier Jahre später war er mit der Rolle des Hoteliers Lenni Berger in der Fernsehserie “Ein Schloss am Wörthersee”, die Traumquoten erzielte, auf einmal wieder da.

Auch privat lief es gut. Wenige Wochen vor seinen Tod brachte seine neue Lebensgefährtin Carmen Böhning Tochter Nathalie zur Welt. Doch auch sein privates Glück konnte die seelische Einsamkeit des sensibelen Künstlers kaum lindern. Besonders seinem Manager Wolfgang Kaminski gegenüber offenbarte sich Roy Black in seinen letzten Lebensmonaten als einen sehr nachdenklich gewordenen Menschen:  ” Ich weiss, dass die Luft da oben dünner ist. Aber ich will da noch einmal hin. Das will ich noch einmal schaffen. Ganz oben sein- und dann nie wieder auf die Bühne…”

Am 9. Oktober 1991 übernachtet Roy Black auf der Rückfahrt von Dreharbeiten allein in seiner Fischerhütte am Silbersee im Landkreis Mühldorf. Er stirbt noch in der gleichen Nacht. Als offizielle Todesursache gilt ein Herzanfall, Freunde glauben allerdings, dass er den nächsten Morgen nicht mehr erleben wollte. Was aber in den vorangegangenen Stunden wirklich geschah, wird wohl niemals restlos geklärt werden können. Nach Informationen der “Bild”-Zeitung soll sich der Sänger vor seinem Tod mit vier  Promille Alkohol in einen Vollrausch getrunken haben.

 

 

Für seine Fans war die Meldung von seinem plötzlichen Tod ein Schock.  8.000 Menschen kommen zur Trauerfeier nach Augsburg, um am aufgebahrten Sarg ihres Idols  Blumen und Kränze niederzulegen. Als Showmaster  Thomas Gottschalk die Trauerrede, die im Fernsehen übertragen wurde, hielt, sprach er vielen  Fans aus der Seele: „ Als Gerhard Höllerich hat er gelitten, gezweifelt und sicher auch Fehler gemacht. Als Roy Black hat er gestrahlt, wurde bewundert. und verstand es, anderen Hoffnung und Mut zu machen, obwohl er selbst ohne Hoffnung war. Mögen die beiden in der Ewigkeit zusammenfinden.“

Was von Roy Black bis heute geblieben ist, ist die Erinnerung an einen Sänger, mit einer großen Melancolie in der Stimme – Leitbild einer ganzen Generation.  Doch gerade weil er für sich selbst  immer eine ganz andere Art von Musik machen wollte, konnte er sich innerhalb seines eigenen künstlerischen Anspruchs nie ganz mit seinem Schlager-Image idenifizieren . Sensibele Künstler zerbrechen manchmal daran. Was bleibt ist die Erinnerung an einen empathischen Menschen und an unvergessene Lieder.

Quelle:

Dieter J. Maier – Berge

Fotos: Roy-Black-Fanpage.de



 

KategorienKultur, Zeitgeschichte
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